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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Starke Frauen Starke Worte im Gespräch mit Barbara und Claudia Stamm

Isabelle Kürschner, Daniela Arnu, Barbara Stamm, Ursula Männle und Claudia Stamm

Mutter und Tochter sitzen in einem Parlament – aber in zwei verschiedenen Fraktionen. Das ist einmalig in Deutschland und deshalb Grund genug für Starke Frauen Starke Worte, die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm (CSU), und ihre Tochter, die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm (Bündnis 90/Grüne), zu einem Gespräch einzuladen.

Bereits mit ihrer Eingangsfrage setzte Moderatorin Daniela Arnu ein Zeichen. Entgegen kritischer Stimmen aus Politik und Medien, die sich fragen, was falsch läuft, wenn Politikerkinder aus der Rolle fallen, wollte sie wissen: „Was ist bei Stamms richtig gelaufen?“ Ein ausgeprägtes Demokratieverständnis und viele politische Diskussionen, bei denen die Meinung eines jeden respektiert wurde, habe sie als Kind daheim vermittelt bekommen, schilderte daraufhin Claudia Stamm. Und auch, dass ihre Eltern dabei häufig andere Ansichten vertraten als sie selbst. Dass sie später einmal den Weg ihrer Mutter wählen und den Beruf der Politikerin ergreifen würde, hatte sie sich als Kind jedoch nicht vorstellen können.

Und wie ging es der Mutter, als die Tochter sich dann doch für die Berufspolitik entschieden hat, wollte Daniela Arnu als nächstes wissen. Barbara Stamm war „völlig baff, als meine Claudia in die Politik gegangen ist“. Doch sie weiß, dass ihre Tochter stark und selbstbewusst genug ist, das politische Geschäft durchzustehen. Dass sie sich nicht für die CSU entscheiden würde, war ihr nach den vielen Diskussionen, die die beiden bis dahin schon geführt hatten, allerdings klar. Auch deshalb fragte sie die Tochter, ob sie, wenn sie schon in die Politik gehen müsse und dann noch in eine andere Partei, nicht warten könne, bis sie selbst aufhöre. Doch dann, so argumentierte Claudia dagegen, wäre sie längst zu alt.

Verständnis für den Weg der Tochter hat Barbara Stamm natürlich trotzdem. Schließlich hat sie ihn selbst auch ganz bewusst gewählt, als sie 1974 für den Bayerischen Landtag kandidierte und 1976 als Nachrückerin ins Parlament einzog. „Ich hatte einfach Spaß an der Politik, bin es immer voll angegangen“, sagt sie heute über ihre lange und erfolgreiche politische Karriere. Nur so konnte sie auch die vielen Entbehrungen, das schlechte Gewissen ihrer Familie und ihren Kindern gegenüber und die Rückschläge überstehen. Sogar als Therapie beschreibt sie ihre politische Arbeit, die sie auch während ihrer Krebserkrankung im Jahr 2008 fast ununterbrochen fortführte: „Mir hat’s geholfen.“

Barbara Stamm
Claudia Stamm

Wie einst die Mutter, so muss auch Claudia Stamm heute Berufspolitik und Familie vereinbaren. Ihre Kinder sind vier und sieben Jahre als. Doch während dies nach wie vor keine leichte Aufgabe ist, so Barbara Stamm, finden junge Frauen heute doch bessere Rahmenbedingungen vor, als es bei ihrer Generation noch der Fall war. Die Akzeptanz gegenüber Frauen in der Politik – und gerade gegenüber Frauen mit kleinen Kindern – ist heute viel größer als noch in den 1970er- und 80er-Jahren. Im Maximilianeum gibt es mittlerweile eine Kinderkrippe und einen Mutter- und Kind-Raum.

Seit zwei Jahren sitzen die beiden nun gemeinsam im Bayerischen Landtag. Sie können heute nicht mehr sagen, wer bei Claudias erster Rede im Plenum aufgeregter war – die Mutter oder die Tochter. Wenn Barbara Stamm heute eine Sitzung leitet, bekommt Claudia bei Zwischenrufen strenge Blicke zugeworfen. Ich lege großen Wert auf eine sachliche Debatte und darauf, dass die Würde des Andersdenkenden gewahrt wird“, sagt die Landtagspräsidentin.

Während es inhaltlich bei den beiden Stamms durchaus Differenzen gibt, vertreten sie aber auch gemeinsame Anliegen. Gerade im Bereich der Frauen- und Gleichstellungspolitik müsse man über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten. Was eine mögliche Zusammenarbeit ihrer beiden Parteien darüber hinaus angeht, sind sie jedoch weiter denn je von einander entfernt. darüber sind sich Mutter und Tochter einig. „Doch nicht ,was Barbara und Claudia Stamm angeht“, sagen sie beide zu Schluss und reichen sich dabei die Hand.