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Referat II/7 Arbeit und Soziales, Demographischer Wandel, Familie, Frauen und Senioren
Dr. Susanne Schmid
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Starke Frauen Starke Worte im Gespräch mit Christine Bortenlänger
Man kann nicht alles haben? Kann man doch. Zumindest ist man bereits das zu glauben, wenn man sie reden hört: Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführerin der bayerischen Börse in München, war am 4. Mai 2011 der sechste Gast in der Veranstaltungsreihe „Starke Frauen Starke Worte“ im Konferenzzentrum München.
Die 44-jährige Börsenchefin ist Mutter dreier Kinder und lebt mit ihrer Patchworkfamilie am Stadtrand von München. Dort, wo man die Igel füttern und den Buntspechten zuhören kann, wie sie im Gespräch mit Moderatorin Daniela Arnu berichtet. Natur und Ruhe sind Bortenlänger ein besonderes Bedürfnis und so war es in ihrer Jugend auch keineswegs absehbar, dass sie einmal die Geschäfte der bayerischen Börse leiten würde. Landwirtin oder Ärztin nennt sie als ihre ursprünglichen Berufsziele. Dass sie nach dem Abitur zunächst eine Bankenlehre absolvierte, war eher ein Zugeständnis an ihre Eltern. Der Lehre folgte ein BWL-Studium und eine Promotion, nachdem ihr Interesse an den Finanzmärkten erwacht war, nach eigener Aussage „das einzige, was im Bankgeschäft wirklich spannend ist.“ Nach ihrer Ausbildung arbeitete Bortenlänger zunächst als Unternehmensberaterin, bis sie kurz darauf gebeten wurde, die stellvertretende Leitung der bayerischen Börse zu übernehmen. Sie sagte spontan zu und war mit nur 31 Jahren die jüngste Mitarbeiterin und zugleich eine Führungskraft. Zwei Jahre später wurde sie zur Geschäftsführerin und war auch hier wieder die Jüngste, zugleich auch noch die einzige Frau an der Spitze einer deutschen Börse.
Eine Karriere im Sauseschritt, ein Leben ohne Brüche? So scheint es, wenn man Christine Bortenlänger reden hört. „Wenn vieles im Leben gut geht, bekommt man viel Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Ich hatte das Glück, meistens die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Und dennoch ist ihr bewusst, dass so ein erfolgreicher Weg für Frauen heute noch längst keine Selbstverständlichkeit ist. Obwohl sie selbst immer in der glücklichen Lage war, von Chefs gefördert zu werden, bei denen lediglich ihre Leistung zählte und nicht ihr Geschlecht, die „Arbeit nicht mit Anwesenheit verwechselt haben“ und denen „das Ergebnis wichtiger war als der Weg zum Ergebnis“, weiß sie, dass es für viele Frauen nicht so gut läuft. Deshalb ist sie auch eine Verfechterin der Frauenquote, denn „Frauen brauchen zunächst einmal eine Chance, um an die Spitze zu kommen“. Sie selbst beobachtet seit nunmehr über zehn Jahren, dass es zwar hervorragende Hochschulabsolventinnen gibt, diese aber zu selten in verantwortungsvollen Positionen ankommen. Obwohl Bortenlänger wie so viele Frauen betont, dass sie selbst lange Zeit gegen eine Quote war, tritt sie heute für eine 30-Prozent-Quote in Aufsichtsräten ein. Ihrer Überzeugung nach würde es dann auch leichter für Frauen auf den Vorstandsebenen.
Doch neben der Quote gibt es noch eine Reihe andere Maßnahmen, die Männern und Frauen den Weg in Führungspositionen und Verantwortung erleichtern. Durch ihren schnellen Aufstieg in eine Führungsposition hatte sie selbst schon sehr bald die Möglichkeit, Beruf und Privates nach ihren eigenen Vorstellungen einzuteilen und zu verbinden. So stimmt sie auch nicht in das allgegenwärtige Klagelied ein, dass Kinder und Karriere für Frauen nicht zu vereinbaren wären. Im Gegenteil: „In einer Top-Position nein zu sagen, weil ein Kindergeburtstag vorbereitet werden muss oder ein Elternsprechtag in der Schule ansteht, ist viel leichter." Diese Freiheit gewährt sie heute so weit wie möglich auch ihren Mitarbeitern, deren Zufriedenheit sie auf die flexiblen und familienfreundlichen Strukturen der Münchner Börse zurückführt. Wer in so jungen Jahren wie Christine Bortenlänger in Führungsverantwortung kommt, muss diejenigen die man führt, mitnehmen können. Deshalb ist sie auch heute noch überzeugt: „Nur wer gute Ideen hat, kann auch Menschen hinter sich bringen“.

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