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Referat II/1 Grundsatzfragen der Politik, Parteien- und Wahlforschung
Dr. Gerhard Hirscher
Tel.: 089 1258-248 | Fax: -469
E-Mail: hirscher@hss.de
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Immigration, Integration und Identität
Verhindert die „politische Korrektheit“ eine rationale Debatte?
Das Jahr 2010 war geprägt von einer intensiven Diskussion über die Frage, wie sich Deutschland durch jahrzehntelange Einwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen verändert hat und wie die Integration dieser Menschen in die Mehrheitsgesellschaft gelungen ist. Doch die öffentliche Debatte darüber ging nicht nur um Fragen der Einwanderung und die deutsche Identität, sondern immer mehr darüber, ob in der öffentlichen Meinung unseres Landes überhaupt noch alle Positionen zu diesem Thema diskutiert werden können.
Bisweilen tauchte sogar die Vermutung auf, dass hier wie bei anderen zentralen Fragen allzu oft aus Gründen der „political correctness“ seitens der Verantwortlichen zu zentralen Problemen der deutschen Politik und zu Entwicklungen in Staat und Gesellschaft nicht deutlich genug öffentlich Stellung bezogen werde. Können wir in unserem Land bestimmte Themen nicht mehr in aller Breite diskutieren? Haben sich im Laufe der Zeit Meinungskartelle entwickelt, die nur noch Meinungsäußerungen innerhalb eines bestimmten Korridors zulassen wollen und äußerst aggressiv reagieren, wenn dieser überschritten wird?

- Stefan Luft

- Barbara Zehnpfennig
Die Hanns-Seidel-Stiftung hat am 2. März 2011 mit einer Veranstaltung diese Diskussion des letzten Jahres wieder aufgenommen. Dr. habil Stefan Luft, ein ausgewiesener Integrationsforscher an der Universität Bremen, hat in seinem Vortrag die Diskussion in den Bereichen der Fachgremien, der Wissenschaft und der Öffentlichkeit analysiert. Er mahnte eine rationale Debatte in allen Bereichen an, die insbesondere in den von ihm als „Integrationsindustrie“ bezeichneten Feldern nicht immer gewährleistet sei. Daran sei nicht zuletzt die Tatsache schuld, dass die „politische Korrektheit“ oftmals die Benennung realer Tatbestände verhindere.
Darauf wies auch Frau Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig hin, Inhaberin des Lehrstuhls für politische Theorie an der Universität Passau. In unserer säkularen Gesellschaft produzieren die Prozesse der Demokratie selbst Tabubereiche, die von Minderheiten dominiert werden können. Dadurch werden Gegenmeinungen moralisch diskreditiert, was wiederum eine rationale Debatte in vielen Politikbereichen verhindere. Es bedarf des Muts der Eliten in allen Bereichen der Gesellschaft, diese Debatte dennoch zu ermöglichen.
Die Vorträge der beiden Referenten erscheinen zeitnah in den „Politischen Studien“.

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