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Referat III/3 Kommunalpolitik, politische Rhetorik und Öffentlichkeitsarbeit, Film und Ethik
Artur Kolbe
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Der bayerische Regisseur Joseph Vilsmaier
Bereits zum zweiten Mal war Joseph Vilsmaier am 15. November 2011 zu Gast bei der Hanns-Seidel-Stiftung. Seine Filme waren vor allem in der Reihe „Neue Trends im Heimatfilm“ in den letzten Jahren immer wieder gezeigt und diskutiert worden, so unter anderen Herbstmilch (1988) und Rama Dama (1990). Vilsmaier gilt als ein Vertreter des „neuen deutschen Heimatfilms“, beweist aber auch in späteren Werken (Comedian Harmonists (1997) und Der letzte Zug (2006) ein gutes Gespür für deutsche Geschichte und Geschichten.
Der Antikriegsfilm Stalingrad schildert als filmische Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte den aussichtslosen Kampf der deutschen Wehrmacht um die Stadt an der Wolga während des Zweiten Weltkriegs 1942/43: Stalingrad sollte gemäß „Führerbefehl“ mit allen Mitteln gehalten werden. Der mit verzweifelter Kraftanstrengung unternommene Versuch, die Stadt zu erobern, endet nach einem halben Jahr in einer Katastrophe: Die 6. Armee unter General Paulus wird von der Roten Armee eingekesselt und bis Februar 1943 vernichtet.
Vilsmaier verzichtet auf die breite Darstellung großer Schlachtengemälde und stellt das Schicksal der Soldaten an vier deutschen Einzelcharakteren dar, zeigt aber auch große Empathie für die russische Seite, z.B. in der Darstellung der sowjetischen Soldatin Irina (gespielt von Vilsmaiers 2009 verstorbener Frau Dana Vávrová). Trotzdem haben ihm Kritiker „Detailtreue“ vorgeworfen, das zu einer Verklärung „falschen Heldentums“ führe. Dies konnten die Teilnehmer in der lebhaften Diskussion nicht nachvollziehen: Gerade die Konzentration auf wenige Einzelschicksale und der Verzicht auf Darstellung des „totalen Kriegs“, z.B. in Massenschlachten, mache die unfassbaren Gräuel des Krieges für den einzelnen Zuschauer begreiflich und nachvollziehbar.
Dass die Unwägbarkeiten des Krieges – besonders am Beispiel Stalingrad – die Humanität, aber auch die eingelernte „soldatische Disziplin“ auf den Kopf stellen, zeigt sich in eindrucksvollen Schlüsselszenen und -sätzen: „Ihr wart mal gute Soldaten – bevor ihr überleben wolltet!“ (ein vorgesetzter Offizier). Die Darstellung von „Gewalt“ war ein besonderes Thema der nicht enden wollenden Diskussion.
Joseph Vilsmaier bezeichnet Stalingrad als seinen „erfolgreichsten Film weltweit“: Er wurde nicht nur in den USA, sondern auch in China und gerade in Russland gezeigt und gewürdigt. So berichtet Vilsmaier von einem Glückwunschschreiben des US-Regisseurs Stephen Spielberg. Stalingrad wurde (für deutsche Verhältnisse) mit großem finanziellen Aufwand (ca. 13,5 Mio DM) in Tschechien und in Finnland gedreht. Allein aus der CSFR kamen 100 Stuntleute nach Finnland, viele russische Panzer (T 34) kaufte der Regisseur ein, um sie nach dem Dreh in Finnland an die zahlreichen Interessenten wieder zu verkaufen.

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