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aktuelle analysen Nr. 58: Politik mit "Kind und Kegel"
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Politik mit Kind und Kegel

Zur Vereinbarkeit von Familie und Politik bei Bundestagsabgeordneten

Autorin Isabelle Kürschner und die stv. CSU-Generalsekretärin, Bundestagsabgeordnete und zweifache Mutter Dorothee Bär

Ganz im Zeichen der aktuellen Debatte über Quotenregelungen und Frauenstärken auf deutschen Vorstandsetagen lud die Hanns-Seidel-Stiftung am 18. Oktober 2011 die Medien zur Vorstellung der Studie „Politik mit ‚Kind und Kegel‘ – Zur Vereinbarkeit von Familie und Politik bei Bundestagsabgeordneten“ in die Bayerische Landesvertretung in Berlin.

Angesichts der lebhaften Diskussion bezüglich Frauen in Führungspositionen und die Vereinbarkeit von Karriere und Familie im Kontext hätte es kaum einen besseren Zeitpunkt für die Vorstellung der Studie geben können. Durch ihre Analyse geben die Autorinnen Isabelle Kürschner und Jasmin Siri einen Einblick in die Situation von Abgeordneten, die versuchen, Familienleben und Berufspolitik zu vereinbaren. Gerade für weibliche Mandatsträger ist dies oft problematisch. Zahlen belegen, dass Parlamentarier mit statistisch 1,22 Kindern noch unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von derzeit 1,36 Kindern liegen. Fast ein Drittel der Abgeordneten haben keine Kinder und gerade in den Reihen junger MdBs gibt es wenige Mütter und Väter. Die Fraktion der jüngeren Väter und Mütter im Deutschen Bundestag ist also überschaubar.

Neben der soziodemographischen Erhebung geben anonymisierte Interviewausschnitte in der Studie persönliche Einblicke und unterstreichen besondere Problembereiche. Besonders die Distanz zwischen Wohnort und Regierungssitz stellt eine große Belastung für die Familie dar. Durch das öffentliche Interesse besteht ferner ein Rechtfertigungszwang, insbesondere Parlamentarierinnen müssen ihre privaten Organisationsmodelle verteidigen. Anfeindungen kommen aber nicht nur aus der Bevölkerung, sondern auch aus den eigenen Reihen. Der vorausgesetzten Allzeitpräsenz als Politikerinnen können junge Mütter oftmals nicht in der Art nachkommen, wie es kinderlosen oder männlichen Kollegen möglich ist. Öffentlichem Druck und Beobachtung ausgesetzt, scheuen sich viele Politikerinnen und Politiker davor, das Thema Elternschaft auf persönlicher Ebene zu thematisieren. Dies erkläre die geringe Bereitschaft der Parlamentarier, auf Anfragen bezüglich ihres Familienlebens zu reagieren, so Isabelle Kürschner. Die Studie gelangt zu der Erkenntnis, dass sich Familie und Berufspolitik nach wie vor nur schwer arrangieren lässt. Insbesondere weibliche Abgeordnete haben es schwer, ihrem Wunsch nach eigener Familie nachzukommen.

Im Anschluss an die Präsentation vor der Presse diskutierte die stv. CSU-Generalsekretärin, Bundestagsabgeordnete und zweifache Mutter Dorothee Bär mit Journalisten über ihr Konzept, Karriere und Kinder zu managen. Dorothee Bär war die erste Frau in der CSU Landesgruppe, die in ihrer Zeit als Abgeordnete ein Kind bekam. Ihre Devise lautete immer, keine private Entscheidung von der Politik abhängig zu machen, erläuterte sie. Die Wahrung ihrer Privatsphäre sei auch ihr wichtig, sie verstehe aber, dass man den Wähler nicht komplett aus dem Privatleben ausschließen könne. Dieser gebe schließlich einem „Gesamtpaket“ seine Stimme und da sei die private Situation auch wichtig.

Ihre Mutterschaft habe unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen, insgesamt sei aber ihr Betreuungsmodell, welches hauptsächlich die eigene Familie in mehreren Generationen einbeziehe, wenig kritisiert worden. Betreuung durch Fremde würde für einen ländlichen Wahlkreis wie ihren hingegen für manche „den Untergang des Abendlandes“ bedeuten, so Bär. Bestehende Strukturen zum Besseren zu verändern sei ihr Ziel, bei dem sie, bisweilen auch innerparteilich und trotz der Unterstützung des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, an Grenzen stößt. Sie ermuntere ihre eigenen Mitarbeiterinnen durch flexibelste Arbeitszeitmodelle dabei, Mutter zu sein und gleichzeitig erfolgreich im Beruf zu stehen Dabei möchte Sie nicht als streitbare „Vorzeigemutter“ wahrgenommen werden. Ein Politiker müsse sich in seiner Rolle als Elternteil keine Vorteile verschaffen. Es sei ihr aber wichtig, dass man dadurch auch keine Nachteile erhalte. Die Kanzlerin, in deren Umfeld viele Mitarbeiter in hohen Positionen Kinder haben, sende durch ihre unterstützende Haltung ein wichtiges Signal. Notwendig seien Vorbilder, die zeigen, dass es funktioniere, Mutter und gleichzeitig Karrierefrau zu sein.