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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Bio, Nano und Co. – Schlüsseltechnologien im 21. Jahrhundert

Von Vögeln lernen: In einem Projekt analysieren Wissenschaftler des DLR, der RWTH Aachen und der Universität der Bundeswehr München den Flug von frei fliegenden Schleiereulen. (Quelle: DLR)
Knut Braun erläutert die lange Geschichte der Bionik
Nanoschaum (Bild: Pressefoto BASF)

So wie die Dampfmaschine das Leben im 18. Jahrhundert allmählich zu verändern begann, gibt es auch heute Schlüsseltechnologien, die auf dem Weg in unseren Alltag sind. Doch was sind die tatsächlichen Innovationsmotoren? Welche Technologien befinden sich im Wachstum und sind daher entscheidend für die Wirtschaft der Zukunft? Vom 18. bis 20. März wurden vor diesem Hintergrund in Wildbad Kreuth sechs ausgewählte Innovationsfelder und vermutliche Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts vorgestellt, ihre Hintergründe erklärt und die spezifischen Chancen und Risiken diskutiert. Die Vorträge zur Bionik, Nanotechnologie, Raumfahrt, Fusionsenergie, Gentechnik und dem Innovationsfeld Neurowissenschaften zeigten, dass praktisch jeder technische Fortschritt einerseits von der gesellschaftlichen Akzeptanz abhängt, andererseits aber auch vom politischen Willen und den damit verbundenen Projektmitteln abhängig ist.

In der Bionik, vorgestellt von Knut Braun, Vorstand des Internationalen Bionik Zentrums mit Sitz an der Universität des Saarlandes, heißt das Prinzip „Lernen  von der Natur“. Der Begriff „Bionik“ bringt „Biologie“ und „Technik“ zusammen und ist bekannt geworden durch Erfindungen wie zum Beispiel durch die des Schweizer Ingenieur Georges de Mestral, der mit seinen Hunden Spaziergänge in der Natur unternahm. Dabei kamen immer wieder einige Früchte der „Großen Klette“ mit dem Fell der Hunde in Kontakt, blieben darin hängen und so entstand der Klettverschluss. Andere bekannte Phänomene werden in der Luftfahrt genutzt. Flugzeuge können mit einer speziellen Folie beklebt werden (Riblet-Folie), die sich den Untersuchungen an Haien und deren „Schuppen“ bedienen.

Eng verknüpft mit der Bionik ist die Nanotechnologie. So ist der bekannte Lotusblüteneffekt, also die Unbenetzbarkeit und Selbstreinigung bestimmter Oberflächen, den Untersuchungen an Pflanzen zu verdanken. Dr. Lorenz Kampschulte, Kurator für Nano- und Biotechnologie am Deutschen Museum in München bestätigte, dass die Nanotechnologie in der öffentlichen Wahrnehmung an Bedeutung gewonnen hat. „Nano ist sicherlich auch ein Modewort! Dabei ist nicht immer Nano drin, wo Nano drauf steht!“ so der Referent. Aber was ist Nanotechnologie überhaupt? Nanotechnologie beschäftigt sich mit der Forschung und Konstruktion in sehr kleinen Strukturen: ein Nanometer (nm) entspricht einem Millionstel Millimeter. Nano (griech: Zwerg) umfasst Forschungsgebiete aus der belebten und unbelebten Natur. Damit ist Nano eine „Technologie im Größenbereich“ und eine Querschnittstechnologie, die verschiedene Naturwissenschaften einbezieht: Chemie, Physik, Biologie. Auch die „Gentechnik“ spielt sich im "unsichtbaren Bereich" ab. Als Gentechnik bezeichnet man Methoden der Biotechnologie, die auf den Kenntnissen der Molekularbiologie und Genetik aufbauen und gezielte Eingriffe in das Erbgut (Genom) ermöglichen. Häufig wird hier nach Anwendungsbereichen differenziert. So beschreibt die „Grüne Gentechnik“ Anwendungen bei Pflanzen und die „Rote Gentechnik“ Verfahren in der Medizin und Pharmazeutik. Dr. Klaus-Dieter Fascher vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit machte in diesem Kontext die unterschiedlich verlaufenden öffentlichen Diskussionen in diesen Segmenten deutlich.

Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum und das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeiten mit Hochdruck daran, möglichst viele Daten der beiden deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X für die Schadensanalyse des Tsunamis in Japan bereitzustellen. (Quelle: DLR)
Frank Jenko erklärt das Prinzip des Fusionsreaktors. Für insgesamt knapp 5 Milliarden Euro soll der Versuchsreaktor ITER in Cadarache (Südfrankreich) entstehen.

Die Bedeutung der Raumfahrt für Gesellschaft und Wissenschaft machte Dr. Rolf Densing vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) klar. Raumfahrt war früher sehr stark militärisch getrieben, hat sich aber heute als eigenes Wissenschafts- und Technologiefeld etabliert. Neben dem vielleicht eher anthropologisch zu erklärenden Menschheitstraum von der Erforschung des Weltraums, hängen heute ganz konkrete Anwendungen zur Meteorologie und Navigation dran. Bekannt ist in diesem Zusammenhang der Name des noch im Aufbau befindlichen europäischen Satellitennavigationssystems Galileo. Galileo soll weltweit Daten zur genauen Positionsbestimmung liefern und ähnelt im Aufbau dem US-amerikanischen NAVSTAR-GPS und dem russischen GLONASS-System. Neben diesem System der Zukunft gibt es aber ganz aktuelle Satellitenanwendungen: aktuelle Schadenskarten des DLR-Zentrums für Satellitengestützte Kriseninformation helfen in der Krisensituation in Japan. Mit den Aufnahmen von TerraSAR-X lässt sich zum Beispiel abschätzen, wie viele Menschen von der Tsunamiwelle betroffen sind.

Die Diskussion über die Situation in Japan und die Reaktorkatastrophe in Fukushima ging nahtlos in die energiepolitische Debatte über. Prof. Dr. Frank Jenko vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching machte deutlich, wie kontrovers das Thema „Energie“ global erörtert wird. Wichtig ist ihm dabei, angesichts eines weltweit dramatisch steigenden Energiebedarfs, die Frage nicht nur national zu erörtern. Jenko stellte die aktuell noch nicht kommerziell nutzbare Technologie von Fusionsreaktoren dar.

Als Fusionsreaktor werden Einrichtungen bezeichnet, die die Kernfusion kontrolliert ablaufen zu lassen. Derartige Kraftwerke hätten gegenüber den bisherigen, mit Kernspaltung arbeitenden Kernkraftwerken die Vorteile eines größeren Brennstoffvorrats, höherer Anlagensicherheit und weniger langlebiger radioaktiver Abfälle. In der Hoffnung, den künftigen Energiebedarf mittels der Kernfusion decken zu können, arbeiten einige größere Industrieländer bereits seit Längerem an der Entwicklung der erforderlichen Technologien. Der bekannteste Versuchsreaktor entsteht in Frankreich und trägt den Namen ITER.

Gentechnik-Experte Klaus-D. Fascher und der Neurobiologe Benedikt Grothe im Gespräch

"Wir wissen viel, verstehen aber nur wenig“ (Wolfgang Prinz), mit diesem Zitat lässt sich die Kernbotschaft des Münchner Neurobiologen Prof. Dr. Benedikt Grothe zusammenfassen. Grothe stellte die medizinischen und technischen Möglichkeiten der Neurowissenschaften vor und zeigte, wie in Zukunft eventuell Gelähmten geholfen werden kann. Aber auch die Gefahren, zum Beispiel die manipulative Kraft der Neuropharmakologie, kamen nicht zu kurz, so wie die Fragen nach Autonomie, die eine erhebliche Relevanz für die ethische und juristische Diskussion besitzen.

In Zukunft müssen sich die Utopien beeilen, wenn sie nicht von der Realität eingeholt werden wollen." (Wernher von Braun, 1912-77)