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Referat II/6 Umwelt, Klima, Ländlicher Raum, Ernährung und Verbraucherschutz
Silke Franke
Tel.: 089 1258-226 | Fax: -469
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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Unsere Verantwortung im Umwelt- und Verbraucherschutz

Dioxin in Lebensmitteln, Weichmacher in Spielzeug, Massentierhaltung und Kinderarbeit in Produktionsstätten sind Schlagzeilen, die uns empören. Unser Konsumverhalten hat Folgen, die uns oft gar nicht bewusst sind. Die Fachtagung am 17. Februar 2011 in Berlin warf einen Blick hinter die Kulissen der globalen Herstellungskette. Namhafte Referenten, darunter Bundesministerin Ilse Aigner, diskutierten, wie Politik, Unternehmen und Konsumenten umwelt- und sozialgerechtes Verhalten fördern können.

Hans Zehetmair
Alois Heißenhuber

„Made in Germany wird international mit einer hohen Produktqualität und einem hohen Verantwortungsbewusstsein in Verbindung gebracht – darauf sind wir natürlich stolz! Wir exportieren jedoch nicht nur Waren, sondern auch Werte. Und im Menschenbild der christlich-europäischen Wertetradition ist die Bewahrung der Schöpfung und die uneigennützige Solidarität ebenso wichtiges Handlungsmodell, wie etwa Wirtschaftswachstum und globaler Wohlstand“, so Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair in seiner Begrüßung.

Angesichts der fortschreitenden Umweltzerstörung und der Verletzung von Tier- und Menschenschutzbestimmungen werden Standards in der Konsumwelt immer wichtiger, glaubt der Agrarökonom Prof. Dr. Alois Heißenhuber. Die Beurteilung von Qualität erfolgt nicht nur anhand des Endprodukts, sondern zunehmend auch über die Berücksichtigung von Aspekten der Nachhaltigkeit im Herstellungsprozess. Diese Qualität sollte durchaus honoriert werden und für den Kunden erkennbar sein. Derzeit verwenden Unternehmen zunehmend eigene Siegel, so dass, ähnlich wie beim Bio-Siegel, ein einheitliches Dach-Label entwickelt mit gemeinsame Standards und wirksame Kontrollen werden müsste, fordert Heißenhuber.

Gerd Billen, Lisa Kirfel-Rühle, Tanja Busse, Christian Grugel, Ingeborg Wick, Ingo Schoenheit

Fertigungsprozesse werden massiv aus den Industrieländern in die Entwicklungsländer verlagert, bevorzugt in die Freihandelszonen. Die Liberalisierung verschärft den Konkurrenzdruck und dieser Druck wird an die Arbeitnehmer weiter gegeben, beobachtet Ingeborg Wick vom SÜDWIND Institut für Ökonomie und Ökumene. Die Anprangerung dieser Verhältnisse in den Medien sei sehr wichtig. Trotz der Erfolge, die das gestiegene Bewusstsein und die CSR-Richtlinien für die Verbesserung des Arbeitsalltags mit sich gebracht haben, hält Wick die bestehenden Sozialaudits für „unter dem Strich nicht ausreichend“: Was fehlt, ist die Einbeziehung der gesamten Lieferkette bis in das System der Sub-Unternehmer - und der Beschäftigen selbst. Wo der Ansatz der Freiwilligkeit an Grenzen stößt, brauche es außerdem klare Verbindlichkeiten.

Wie mühsam es ist, weitere Fortschritte bei den Standards und Zertifizierungsmechanismen zu erzielen, wusste auch Lisa Kirfel-Rühle vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu beichteten. „Standards werden unterwandert, vor allem in Ländern mit Korruption“. Das BMZ versucht, auch im Rahmen der Freihandelsabkommen verstärkt soziale Aspekte zu verankern und fördert Internationale Organisationen und Initiativen, wie etwa Rainforest Alliance oder Fair Trade.

Rainer Hengstmann
Josef Sanktjohanser

Dass es Unternehmen gibt, die mit positivem Beipiel vorangehen, zeigten Rolf Heimann für den Naturtextilhersteller „hess natur“, Dr. Rainer Hengstmann für das Sportlifestyle-Unternehmen PUMA und Vorstandsmitglied Josef Sanktjohanser für den Handelskonzern REWE Gruppe. Sie sind der Überzeugung, dass Nachhaltigkeit und ethisches Handeln für Unternehmen immer wichtiger werden und dass es um mehr gehen muss, als um Marketing und Greenwashing: „Es ist eine ethische Notwendigkeit, trägt aber auch zu  Rentabilität und Akzeptanz bei“, so Hengstmann.

Dies bestätigt auch der Verbraucherschützer Gerd Billen: „Trotz Wirtschaftskrise haben die Verbraucher ein zunehmendes Interesse an Ethik; diese Werteorientierung ist vor allem bei der so genannten Generation der Babyboomer verhaftet, weniger bei den 14- bis 28jährigen“. Angesichts der Siegelflut sowie der Trittbrettfahrer und der Irreführung der Werbung sei es wichtig, dem Verbraucher eine Orientierung zu geben. Billen fordert daher Verbraucherbildung an Schulen, gut aufbereitete und vergleichbare Produktinformationen und betont die Bedeutung von Stiftung Warentest, die den Markt systematisch beobachtet.

Angst vor einer „Überinformierung“ muss man nach Ansicht von Dr. Ingo Schoenheit nicht haben: „Die Informationen müssen ja nicht alle gelesen werden, aber dem Verbraucher ist wichtig, dass er überhaupt eine neutrale Informationsmöglichkeit hat“. Vertrauen entscheidet darüber, ob ein Kunde eine Marke gut findet oder nicht. „Wird unser Vertrauen verletzt, sind wir nicht nur als Verbraucher, sondern auch in unserer Rolle als Bürger empört. Die Empörung richtet sich nicht gegen ein einzelnes Produkt, sondern gegen das ganze Unternehmen“, hat der Markt- und Konsumforscher herausgefunden.

Ilse Aigner

Für Bundesministerin Ilse Aigner ist der „Dioxin-Skandal“ ein Beispiel für einzelne Unternehmen, die in maßlosen, kurzfristigen und egoistischen Gewinnstreben auch vor kriminellen Handlungen nicht abschrecken. Bei einer recht verstandenen sozialen Marktwirtschaft gehe es aber um Mäßigung, Langfristigkeit und Partnerschaft. Der „Konsum für alle“ war eine Errungenschaft der freiheitlichen Wirtschaftsordnung, so Aigner weiter. Heute jedoch bemühe man sich um einen ganzheitlichen Begriff, der über das Quantitative hinausgeht, wie die neu eingerichtete Enquete-Kommission für Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität zeige. Aigner glaubt, dass es tatsächlich ein Umdenken in der Wirtschaft gibt. So würden sich in Deutschland immerhin 150 Unternehmen am Global Compact der Vereinten Nationen beteiligen, der weltweit größten Initiative, die sich für Menschenrechte und Umweltschutz einsetzt. Auf Seiten der Verbraucher sei zu beobachten, dass der „moralische Konsum“ eine immer größere Rolle spiele. Dies sei auch gut so, schließlich wolle man weder eine Verrechtlichung des Wirtschaftens und des Lebens noch eine „Ökodiktatur“. Vielmehr würden positive Entwicklungen und freiwilliges Engagement sowie Verbraucherkompetenz unterstützt. „Markt, Macht und Moral – dieses Spannungsfeld kann auch konstruktive Kräfte freisetzen. Unsere gemeinsame Verantwortung, zur Verbesserung der Welt beizutragen, wird auf mehreren Schultern aufgeteilt“.