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Referat III/5 Recht, Geschichte und Kultur
Dr. Birgit Strobl
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Wallfahrten - ein Weg zu sich selbst
Nicht erst seit Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ sind Wallfahrten in aller Munde. Fernwallfahrten nach Santiago de Compostella, Rom oder Jerusalem sind heute wieder gefragt. Dieser Trend lässt sich auch bei den regionalen Wallfahrtsorten beobachten. Ursprünglich waren es religiöse Gründe, Bußübung und die Hoffnung auf Sündenerlass, die den Einzelnen dazu bewegten, sich „auf den Weg“ zu machen. Heute ist es oftmals auch der Weg zu sich selbst und die Sinnsuche, die den Anstoß zu einer Wallfahrt gibt.
Die christliche Pilgerreise unterscheidet sich von derjenigen in anderen Religionen, wie zum Beispiel dem Islam. Die Pilgerfahrt nach Mekka, „Hadsch“ genannt, zählt zu den fünf Säulen des Islam und ist für Muslime Pflicht. Christliches Wallfahren jedoch ist nicht zwingend nach der Bibel vorgegeben, sondern geprägt durch Volksfrömmigkeit, Heiligenverehrung und die Lehre von Heil und Erlösung.
Eine dieser – auf Heiligenverehrung zurückzuführenden – Wallfahrten wurde auch im Rahmen eines Seminars vom 18. bis 20. März 2011 in Wildbad Kreuth besichtigt: Im nahegelegenen Eben wird die Bauernheilige Notburga verehrt. Hier hat sich zur Wallfahrtskirche auch ein Wallfahrtsmuseum entwickelt, das inzwischen schon einen Tiroler Staatspreis erhalten hat.
Auch Marienwallfahrten spielen im Rahmen der Wallfahrtsbewegung eine wichtige Rolle. Das Beispiel Lourdes zeigt, dass relativ neue Marienheiligtümer von den Gläubigen ebenfalls angenommen werden. Nach den Visionen des Bauernmädchens Bernadette und ersten Berichten von Wunderheilungen im 19. Jahrhundert entstand dort eine neue Wallfahrtskultur: die organisierte Massen- und Volkswallfahrt.
Für Bayern ist Altötting als eine der wichtigsten Marienwallfahrten zu nennen. Sie ist eng mit dem Hause Wittelsbach verbunden. Im Zuge der Gegenreformation beteiligten sich die bayerischen Herzöge als persönliche Vorbilder aktiv am Wallfahrtsleben. Dies beweist auch eine ungewöhnliche Bestattungstradition. Kurfürst Maximilian lies als erster Wittelsbacher sein Herz in Altötting beisetzen. Diese Gepflogenheit reichte bis in das 20. Jahrhundert hinein und verhalf Altötting zu einer besonderen Position. Diese ist zum Wirtschaftsfaktor für die Region geworden. Viele Handwerksbetriebe, Devotionalienhändler und die Gastronomie leben von der regelmäßigen Ankunft der Wallfahrer.

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