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Wasser und Gerechtigkeit - Eine globale Herausforderung

- Martin Grabow, Peter A. Wilderer, Hans Zehetmair, Max Lehmer, Hans Huber und Franz-Peter Heidenreich
Wasser ist auf der Erde ungleich verteilt. Kommt nach dem „landgrabbing“ nun das „watergrabbing“? Diese Frage stellten sich anlässlich des bevorstehenden Weltwassertages auf einer Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung am 21. März 2011 in Berlin der renommierte „Wasserprofessor“ Peter Wilderer mit seiner International Expert Group on Earth System Preservation sowie weitere Experten.
„Wasser ist Lebensgrundlage und Wirtschaftsfaktor zugleich. Wer Wasser hat, hat auch Macht. Wir alle brauchen es. Wir tragen daher eine gemeinsame Verantwortung. Als Politische Stiftung treten wir weltweit für „Demokratie, Frieden und Entwicklung" ein. Mit diesem Motto überschreibt die Hanns-Seidel-Stiftung ihre Arbeit und ihren Auftrag. Das Thema Wasser spielt dabei für die Entwicklungsfähigkeit und für den sozialen Frieden eine zentrale Rolle“, so Stiftungsvorsitzender Hans Zehetmair in seiner Begrüßung.
Nach den Erfahrungen von Friedrich Barth (United Nations Development Programme) ist es selbst in Regionen, die sich das Wasser mit mehreren Anrainern teilen müssen, bislang kaum zu Gewaltanwendungen gekommen. Zu verdanken sei dies zahlreichen Verträgen, Kooperationstätigkeiten und supranationalen Verantwortungsstrukturen. Wasser gelte daher eher als positives Beispiel für Konfliktbewältigung. Doch der Wasserstress werde zunehmen. Für Barth lautet die Schlussfolgerung: „Schritte zur Nachhaltigkeit sind Schritte zur Konfliktprävention!“.

- Franz-Theo Gottwald
Dass Wasser ein profitables Wirtschaftsgut sein kann, war Thema von Franz-Theo Gottwald: „Das Tafelwasser, das in edlen Glasflaschen oder beim Discounter um die Ecke verkauft wird, unterscheidet sich kaum von dem Leitungswasser. Einziger Unterschied: Es ist bis zu 1.000 Mal teurer“. Mit Skepsis betrachtet der Umweltethiker die Liberalisierungs- und Privatisierungsdiskussionen in Europa, die in manchen Ländern auch vor dem Gemeingut Wasser nicht halt machen. So habe die vollständige Privatisierung der Wasserversorgung in England und Wales zwar die Wasserqualität verbessert, allerdings führte sie zu Preisanstieg und Arbeitsstellenabbau bei gleichzeitiger Erhöhung der Gewinne, Aktienkurse und Managergehalte. Obwohl weltweit die Wasserversorgung überwiegend in der öffentlichen Hand liege, bestimmten wenige, große Konzerne den Wassersektor. „Wir sollten es nicht zulassen, dass Wasser zu einem kommerziellen Handelsgut wird“, so seine Mahnung.

- Beate Rudolf
Nach Schätzungen internationaler Organisationen fehlt es 2,6 Milliarden Menschen an ausreichendem Wasser sowie an Abwasseranlagen – mit gravierenden Auswirkungen nicht nur auf die Gesundheit der Menschen, sondern auch für die Entwicklung und die Wirtschaft. Und doch ist das Recht auf Wasser und Sanitärversorgung ein relativ neues Thema: Erst letztes Jahr wurde es durch die UN-Vollversammlung und den Menschenrechtsrat explizit anerkannt. Deutschland hat sich dafür eingesetzt und die Resolution nachdrücklich unterstützt. „Das war harte Arbeit“, weiß Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Der symbolische Charakter dürfe nicht unterschätzt werden. Nun komme es allerdings darauf an, wie sich die weitere Konkretisierung und die Umsetzung durch die Staaten gestalte. Für die Menschenrechtsexpertin ist wichtig, dass Menschen die Möglichkeit erhalten, mitzuentscheiden. Voraussetzung dafür ist Transparenz.
Franz-Peter Heidenreich von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und Hans Huber (HUBER SE Waste Water Solutions – Umweltpreisträger) wissen: Made in Germany ist wieder ein Thema. Unsere Lösungen im Bereich der Umwelttechniken sind gefragt und genießen positiven Ruf. Die Welt schaut auf Deutschland. Daher spielt nicht nur der Wissens- und Technologietransfer eine wichtige Rolle, sondern auch die Tatsache, dass wir uns nicht auf den Erfolgen ausruhen. Obwohl wir in Deutschland bereits einen herausragenden Standard haben, suchen Unternehmer immer noch nach weiteren Verbesserungen für die Einsparung des Wasserverbrauchs, ob in Papier- und Textilfabrik oder beim Gemüseanbau und in der Aquakultur.
Die beiden Wasserexperten Peter A. Wilderer und Martin Grambow bestätigen: „Wir leben in Deutschland in einem Wasserparadies. Uns geht es aber nicht allein deswegen so gut, weil wir so viel Wasser haben, sondern auch, weil wir so sorgsam damit umgehen“. Wasser sei ein Gemeingut und müsse bewusst als solches wahrgenommen werden. Und es sei nicht nur ein Gemeingut, auf der Mensch ein Recht habe, sondern auch die Natur. Wenn die Ökosysteme ihre Fähigkeit zur Selbstregulierung verlieren, könne dies fatale Folgen für unser Überleben haben. Wilderer: „Wir sollten wieder Demut gegenüber der Schöpfung lernen“. Das Leitbild der Nachhaltigkeit verlange einen kulturellen Wandel, denn sie weist die Verantwortung nicht allein dem Staat oder der Privatwirtschaft zu, sondern ruft alle gesellschaftlichen Akteure dazu auf, dies als Gemeinschaftsaufgabe anzunehmen.
Auch für Max Lehmer, Umweltpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, ist die integrierte Sicht wichtig. Wasser- und Landnutzungsfragen müssen im Zusammenhang gesehen werden, so der Focus seiner Ausführungen. Die Landwirtschaft ist von Wasser abhängig und zugleich der größte Wasserverbraucher. „Die Pflanze“, so ist der Agraringenieur überzeugt, „wird in Zukunft unser zentraler Organismus sein. Sie liefert Nahrungsmittel, Energie und Fasern und ist für den Kohlendioxid- und Sauerstoffhaushalt wichtig“. Für Lehmer spielt eine „zukunftsfähige Agrarwissenschaft“ und ihr Beitrag zur produktiven, effizienten und nachhaltigen Nutzung der Ressource Wasser eine besondere Rolle. Jeder Euro, der in die Erfüllung der Millennium Development Goals investiert werde, spare spätere Schäden in vielfach höherem Umfang ein.

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