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Afrikas Rohstoffreichtum - Fluch oder Segen?

Eröffneten gemeinsam die Expertentagung: Stefan Mörsdorf und Reinhard Meier-Walser.
Jan Rieländer: "Der Anstieg der Rohstoffpreise wird wohl abflachen. Welche Auswirkungen hat dies auf Afrika?"

Afrika ist ein Kontinent mit vielen Bodenschätzen, etwa Kupfer, Diamanten oder Öl. Dieser Reichtum könnte eine Quelle für Wohlstand und Entwicklung sein, doch stattdessen herrscht in vielen dieser Länder Armut. Im globalen Wettkampf um die Ressourcen treten in Afrika inzwischen auch neue Akteure mit eigenen Strategien auf. Sie bieten Investitionen und Infrastruktur gegen den Abbau der Rohstoffe. Wie beeinflussen sie die wirtschaftliche und politische Entwicklung in Afrika? Welche Konsequenzen hat die neue Konstellation für eine europäische Afrikapolitik? Diesen und anderen Fragen gingen gut 40 Experten auf Einladung der Hanns-Seidel-Stiftung und der ASKO EUROPA-Stiftung vom 18. bis 20. Januar 2012 nach.

Die Teilnehmer bestimmten zunächst, welche Faktoren die Entwicklung von Afrika beeinflussen. Interne Faktoren, etwa Fläche, Rohstoffvorkommen und Infrastruktur, Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsplätze und Einkommensverteilung, Staatlichkeit, Gemeinwohlorientierung und Partizipation, spielen dabei ebenso eine Rolle wie externe Faktoren, etwa Wirtschafts- und Entwicklungspolitiken von Geberländern, die Dynamik der Weltwirtschaft und der Rohstoffpreise oder der globale Klimawandel.

Der Handel mit traditionellen Partnern, so zeigte Jan Rieländer von der OECD anhand von Karten auf, nimmt ab. Neue Partner treten auf die Bühne, etwa China, Indien, Korea, Brasilien und Türkei. Während OECD-Staaten ihrer Entwicklungshilfe in Afrika eher im sozialen Sektor investieren, widmet sich China in seiner Entwicklungskooperationen v.a. dem Ausbau von Infrastruktur. „Aus der Sicht von Afrika also komplementäre Investitionen“, so Rieländer. Überdies gebe es in den Ländern, in denen China investiert, durchaus Fortschritte in den governance Indikatoren. Bei der Beurteilung, ob China nun einen wirksamen Beitrag zur Entwicklung Afrikas leistet oder sich vor allem den Zugriff auf Rohstoffe und neue Absatzmärkte sichern will,  müsse allerdings berücksichtigt werden, dass es hierzu bislang kaum robuste Daten gibt. In der weiteren Diskussion wurde jedoch auch der langfristige Nutzen des Infrastrukturausbaus diskutiert, bei denen Fragen der Qualität und der Unterhaltungskosten auftauchten.

Sammual Mabikke (Uganda): "Unfortunately, many African countries that are rich in natural resource are suffering from weak governance."
Dirk Küster, Siegmar Schmidt und Helmut Asche

Prof. Dr. Rainer Tetzlaff (Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg) legte das Hauptaugenmerk seines Vortrags auf die strukturellen Faktoren und verwies insbesondere darauf, dass die Staaten Afrikas nicht organisch gewachsen seien und kein erfolgreiches nation building stattgefunden habe. Er plädierte für eine mehr subsidiäre Entwicklungshilfe - für „afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme“.

Sammual Mabikke (Uganda), Generalsekretär des African Good Governance Network und Doktorand am Lehrstuhl Bodenordnung und Landentwicklung der TU München, betonte die Rolle, die die verschiedenen Interessensgruppen, vor allem die „Eliten“, rund um den Rohstoffabbau in Afrika einnehmen, und ging auf die Bedeutung von good governance ein –nach der sich Regierungen um Prinzipien wie Rechtstaatlichkeit, Transparenz, Verlässlichkeit, Effizienz, Sicherheit, Bekämpfung von Korruption etc. bemühen.

Dr. Petrus de Kock, Wissenschaftler mit Schwerpunkt Rohstoffe am South African Institute of International Affairs (SAIIA), forderte, dass die Wertschöpfung aus der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung mehr im Fördergebiet selbst verbleiben solle. Nur in wenigen Ländern wie Südafrika gibt es überhaupt eine Weiterverarbeitung der Rohstoffe im eigenen Land.

Tatsächlich liegen die größten Metallerz-Bergbaugebiete der Welt woanders. So relativierten Dr. Michael Scharp vom Berliner Institut für Zukunftsfragen und Technologiebewertung und Dirk Küster von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe die Bedeutung der Rohstoffe aus Afrika: Nur bei zehn von 65 Metallen spiele Afrika eine bedeutende Rolle. Allerdings könne der afrikanische Kontinent noch einige Überraschungen bieten, da er hinsichtlich seiner Geologie und mit Blick auf Exploration noch gar nicht systematisch untersucht wurde. Auch die Neubewertung von Rohstoffen dank Zukunftstechnologien könne neue Nachfrage generieren.

Mathias Jopp

Prof. Dr. Mathias Jopp, Direktor des Instituts für Europäische Politik in Berlin, gab einen Überblick über Prioritäten der Europäischen Union in Afrika. Sein Resümee: „Die EU tritt nicht als einheitlicher Akteur auf, sondern ist vielmehr in einzelne Politiken gesplittet. Die ökologischen und sozialen Folgen des Abbaus - aufgrund auch unseres fortwährend hoher Rohstoffverbrauchs - bleiben weitgehend unbegleitet“.

Gleichzeitig betonte Botschafter Dr. Heinrich Kreft, dass die Afrikapolitik Deutschlands in eine europäischen und eine internationale Afrikapolitik eingebunden sei. “Deutschland steuert nicht nur den größten Beitrag zum EU-Entwicklungsfonds bei, sondern prägt die Gremienarbeit der europäischen Afrikapolitik!“

Afrika, soviel stand fest, ist ein vielfältiges Land, man kann nicht von dem Afrika sprechen und schwer regionale Kategorien bilden. Bei jedem Land, so die Experten, müsse man die Geschichte und Charakteristika berücksichtigen und dem entsprechend spezifische Strategien entwickeln.

Tagungsbericht "Afrikas Rohstoffreichtum – Fluch oder Segen?"
Lutz Neumann und Stefanie Rauscher "Die Africa Mining Vision (AMV)"
Dr. Michael Scharp "Rohstoffe für Zukuntstechnologien"
Samuel B. Mabikke "Africa's Wealth of Resources, Blessing or Curse"
Dr. Dirk Kuester "Investitionen in Rohstoffexploration und Regierungsführung"