Kontakt
Referat II/7 Arbeit und Soziales, Demographischer Wandel, Familie, Frauen und Senioren
Dr. Susanne Schmid
Tel.: 089 1258-213 | Fax: -469
E-Mail: schmids@hss.de
Publikationen
Aktuelle Veranstaltungen
Antworten auf den demographischen Wandel – Möglichkeiten politisch-sozialer Gestaltung
Die Antworten auf den demographischen Wandel standen im Fokus einer am 06. Juli 2012 von der Hanns-Seidel-Stiftung durchgeführten Fachtagung im Konferenzzentrum München. Rund 100 Teilnehmer informierten sich über die Chancen und Herausforderungen des demographischen Wandels und die politisch-sozialen Gestaltungsmöglichkeiten auf Bundes- und Landesebene.
Der demographische Wandel ist die wohl meistdiskutierte gesellschaftliche Veränderung in Deutschland. In ihm wirken Geburtenzahlen unterhalb des Generationenersatzes und kontinuierlich steigende Lebenserwartung zusammen und lassen die Bevölkerung schrumpfen und altern. So soll die Bevölkerung Deutschlands bis 2060 von derzeit 82 Millionen auf rund 65 Millionen abnehmen, das Durchschnittsalter soll sich von aktuellen 44 Jahre auf 52 Jahre erhöhen. Wir werden weniger und älter!
Prof. Dr. Josef Schmid, der als ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Bevölkerungswissenschaft an der Universität Bamberg selbst auf umfangreiche Kenntnisse im Bereich demographischer Forschung und Politikberatung zurückblicken kann, führte und begleitete die Anwesenden fachkundig durch das Programm.
Zu Beginn der Veranstaltung stellte Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe (BMI) die von Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich Ende April 2012 vorgelegte „Demografiestrategie der Bundesregierung“ vor. Die Handlungsfelder der Strategie lauten: (1) Familie als Gemeinschaft stärken, (2) Motiviert, qualifiziert und gesund arbeiten, (3) Selbstbestimmtes Leben im Alter,
(4) Lebensqualität in ländlichen Räumen und integrative Stadtpolitik fördern, (5) Grundlagen für nachhaltiges Wachstum und Wohlstand sichern und (6) Handlungsfähigkeit des Staates erhalten. Die „Demografiestrategie“ formuliert für diese Handlungsfelder konkrete Ziele und zeigt Maßnahmen zu deren Verwirklichung auf. Diese Maßnahmen sollen sowohl ressortübergreifend auf Bundesebene als auch zusammen mit den Ländern und Kommunen, Verbänden, Sozialpartnern und anderen Akteuren der Zivilgesellschaft realisiert werden. Um die Voraussetzungen für eine gelungene Kooperation zu schaffen, wird die Bundesregierung einen breiten Dialogprozess anstoßen. Dazu werden die Gestaltungspartner regelmäßig zu einem „Demografiegipfel“ eingeladen. Zur Vorbereitung dieser Treffen sollen Arbeitsgruppen zu Schwerpunktthemen Lösungsvorschläge entwickeln. Die Arbeitsgruppen werden auf dem ersten Demografiegipfel im Herbst 2012 eingesetzt.
Am Nachmittag referierte Ministerialdirektor Friedrich Seitz, Amtschef des Bayerischen Sozialministeriums, über die Zukunftsaufgabe Demographie in Bayern. Er macht deutlich, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Bayern besser als in jedem anderen Bundesland sind, der demographische Wandel jedoch eine der größten Herausforderungen für die Zukunft Bayerns und seiner Regionen darstellt. Aus diesem Grunde hat das Bayerische Kabinett 2011 einen Kabinettsausschuss unter Leitung von Ministerpräsident Horst Seehofer zur Bewältigung des demographischen Wandels in den Regionen eingesetzt. Ergebnis ist das Strategiepapier „Aufbruch Bayern. Aktionsplan demografischer Wandel“. Wichtige Maßnahmen zur Bewältigung des demographischen Wandel sind demnach die Stärkung von Familien, Bildung und Infrastruktur sowie finanzielle Unterstützung für Wirtschaft und Kommunen. So wurden 2012 die Ausgaben für Familien in Bayern auf 2,4 Milliarden Euro erhöht, was einer Steigerung um 50% gegenüber 2008 entspricht. Zur Bewältigung des demographischen Wandels in den ländlichen Regionen setzt Bayern auf eine Doppelstrategie, nämlich auf (a) Erhalt und Ausbau starker Wirtschafts- und Industriezentren („Arbeitsplätze zu den Menschen“) sowie auf (b) die Schaffung zukunftsfester Rahmenbedingungen für kleiner werdende Kommunen. Ziel ist es, für gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Regionen Bayerns zu sorgen. 1,3 Milliarden Euro werden für die Gesamtstrategie zur Bewältigung des demographischen Wandels bis 2016 aufwendet.
Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion aller Referenten zum politischen Handlungsspielraum des demographischen Wandels. Die Diskussion ergab, dass die Bewältigung des demographischen Wandels die Eigenverantwortung und den Beitrag jedes Einzelnen voraussetzt. Zugleich müssen jedoch auch von Seiten der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft Anpassungen erfolgen, die sowohl Jugendschwund wie Alterung Rechnung tragen. Die gute Nachricht dabei lautet: Die Gestaltung des demographischen Wandels wurde inzwischen auf allen Gesellschaftsebenen als eine der großen politischen Zukunftsaufgaben Deutschlands erkannt!
Um sich den Herausforderungen des demographischen Wandels stellen zu können, ist ein multiperspektivischer, interdisziplinärer und offener Diskurs unabdingbar. Die Fachtagung hat hierfür eine Plattform geboten. Die Tagungsbeiträge werden im Herbst 2012 in einem Sonderheft der Politischen Studien veröffentlicht.

Themen




