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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Aktuelle Veranstaltungen

Montag, 21. Januar 2013 bis Freitag, 25. Januar 2013

Wildbad Kreuth

Grundseminar Rhetorik

Montag, 21. Januar 2013

Parsberg

Kurzveranstaltung zur Vereinspraxis (Steuer)

Montag, 21. Januar 2013

Wonfurt

Pflegeversicherung

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

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Erneuerbare Energien und ihre Möglichkeiten

Birgit Seeholzer, Energiebeauftragte Lkr. Traunstein

Energieeinsparung, Verbesserung der Energieeffizienz sowie die Einsatzmöglichkeiten Erneuerbarer Energien wie Wasser, Windkraft und Sonnenenergie waren die Schwerpunkte bei einem Energieseminar in Wildbad Kreuth vom 14. bis 16. Oktober. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand dabei eine ganztägige Exkursion nach Traunstein, um dort vorbildhafte Energieprojekte in Augenschein zu nehmen. Zur Vorbereitung der Exkursion hatte Seminarleiter Andreas Brunner, Umweltschutzingenieur im Landratsamt Haßberge, der Gruppe am Vortag wichtige Grundlageninformationen zur Energieproblematik vermittelt.

Gegen 10 Uhr trafen die Seminarteilnehmer aus Wildbad Kreuth in Traunstein ein. Nach der Begrüßung und Einführung durch den stellvertretenden Landrat Georg Klausner stellte die Energiebeauftragte Dr. Birgit Seeholzer die Energiestrategie des Landkreises Traunstein im Detail vor. Danach begann der (Energie-)Prozess im Landkreis Traunstein bereits im Jahr 2005 mit der Erfassung der Energieströme in dieser Region. Im Jahr 2007 fasste der Landkreis dann den Beschluss, bis zum Jahre 2020 dieses Gebiet energieautark versorgen zu können. Zur Koordinierung dieser Aufgabe wurde ein Sachgebiet Energiemanagement eingerichtet, welches seither von Dr. Seeholzer äußerst engagiert geführt wird. Sie berichtete über die Aktivitäten auf den Gebieten Wärmedämmung, Biogasanlagen, Unterstützung/Koordinierung von Kraft-Wärmekopplungsprojekten und weiteren Projekten im Landkreis. Danach begann die Exkursion zu den einzelnen Besichtigungsstationen.

Zwei Blockheizkraftwerke im Annette-Kolb-Gymnasium

Erste Station war das Annette-Kolb-Gymnasium. Nach der Begrüßung durch Schulleiter Bernd Amschler ging es in den Keller zur Energiezentrale der Schule. Im Rahmen des Neubaus dieser Schule im Jahr 2008 hat man größere Flächen mit Solarthermieelementen bestückt, deren Wärme in der Übergangszeit direkt in den Flächenheizungen der Schule genutzt wird. Zum Ende des Sommers hin heizt man damit den Boden unter der Kellersohle bis über 20°C auf. Reicht die Solarthermiewärme nicht mehr zur Beheizung aus, gehen zwei kleine Blockheizkraftwerke in Betrieb, die zum einen Strom erzeugen und zum anderen Wärme in die Heizungen einspeichern. Sollte auch dies nicht mehr ausreichen, springt eine Wärmepumpe an, die aufgrund der (hohen) Bodentemperatur mit sehr großer Effektivität einen weiteren Teil des Wärmebedarfs abdeckt.

Wasserkraftanlage am Triftweg an der Traun

Nächste Station war das alte Stauwehr an der Traun. Als das Wehr zur Sanierung anstand, kam man zum Schluss, dieses abzureißen und ein kleines Wasserkraftwerk zu errichten, um die Wasserkraft für die Erzeugung von Strom nutzbar zu machen. Dabei galt es, sich mit den anderen an diesem Fluss liegenden Kraftwerksbesitzern abzustimmen, um das Vorhaben verwirklichen zu können. Seit dem Frühjahr 2012 ist nun diese Wasserkraftanlage am Triftweg in Betrieb, die inzwischen Strom für rund 200 Haushalte in Traunstein liefert.

Seminarteilnehmer vor Michaelshof am Froschsee

Weiter ging die Fahrt zum Froschsee im Gebiet der Gemeinde Ruhpolding. Hier wurde ein Jahrhunderte alter Bauernhof von den Besitzern renoviert. Es wurde gezeigt, wie auch bei denkmalgeschützten Gebäuden der Einsatz erneuerbarer Energien verwirklicht werden kann. Nicht einsehbar hat man hinter dem Haus eine 50 Quadratmeter große Solarthermieanlage aufgeständert, womit ein im Haus sich über mehrere Stockwerke erstreckender und 50 Kubikmeter großer Pufferspeicher beheizt wird. Hierdurch verbleiben entweichende Wärmeverluste im Haus. Fassadenbedingt musste man hier auf die etwas ungünstigere Innendämmung zurückgreifen. Außerdem erfolgt die Beheizung mittels einer Niedertemperaturwandheizung.

Kleinwindkraftanlage in Bergen

Die Firma Envento in Bergen beschäftigt sich seit 2010 mit der Herstellung von vertikalen Kleinwindkraftanlagen. Die Kosten liegen je nach Leistungsklasse bei mehreren 10.000 Euro. Für diese genehmigungsfreien und äußerst leisen Anlagen benötigt man für einen rentablen Betrieb aber durchaus windreichere Standorte, die im südlichen Bayern nur ganz selten gegeben sind. Deshalb setzt die Firma auf Kunden im windreichen Norden und in Italien.

Biomassehof in Grassau

Letzte Station war der Biomassehof in Grassau. Dieser verarbeitet Holz und Holzabfälle aus der Region zu Hackschnitzel und trocknet diese auf einen für die Verbrennung optimalen Wassergehalt von etwa 20 % herunter, wozu in den unterschiedlichen großen Lagerboxen am Boden entsprechende Öffnungen für die Zuführung der warmen Trocknungsluft vorhanden sind. Ferner ist die Firma als Brennstofflieferant an der Fernwärmeversorgung für große Teile von Grassau beteiligt. Die benötigte Wärme wird mit einem 3 MW großen Hackschnitzelkessel als Grundlast erzeugt. Ferner ist neuerdings ein Holzvergaser mit einer elektrischen Leistung von 400 kW und einer Wärmeleistung von 600 kW im Einsatz. Hierbei wird das Holz unter Luftabschluss vergast, und mit diesem Gas wird das vorgenannte BHKW betrieben. Bei diesen Rahmenbedingungen ist also eine optimale Kraft-Wärme-Kopplung, d.h. eine äußerst hohe Energieeffizienz, gegeben.

Am Dienstag Vormittag wertete die Gruppe unter Moderation des Seminarleiters Andreas Brunner die vielen hilfreichen Anregungen der sehr informativen Exkursion im Hinblick auf die praktikable Lösung unserer zukünftigen Energieproblematik aus.