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Referat III/1 Politisches Management und Kommunikation, Medien und Innovation
Karl Heinz Keil
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Facebook, Twitter und Co.@Politik
US-Präsident Obama bediente sich der "social networks" in seinem Präsidentschaftswahlkampf 2008 bereits sehr geschickt. In jüngster Vergangenheit gab es viele andere Beispiele für die politische Relevanz von sozialen Netzwerken im Internet: Die Arabische Revolution, begünstigt durch Facebook und Twitter, die Kampagne "Kony 2012", ein Internetvideo, das innerhalb von fünf Tagen 70 Millionen Mal aufgerufen wurde, oder die Twitteraktivitäten der chilenischen Studentenführerin Camila Vallejo. Letzteres Beispiel wurde auch bei einer Podiumsdiskussion am 3. Mai 2012 im Konferenzzentrum München unter dem Motto "Facebook, Twitter und Co.@Politik: Veränderte politische Beteiligung und Kommunikation durch Social Media?" vom chilenischen Rechtsanwalt und Stipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung Tomás Vio Michaelis diskutiert.
Der Abend machte aber sehr schnell deutlich, dass auch die Politik in Deutschland auf das Phänomen "Social Media" reagiert und reagieren muss, vielleicht zusätzlich angetrieben durch das Phänomen der Piratenpartei. Die Diskutanten waren sich aber einig, dass es unabhängig von den Piraten Auswirkungen auf die politische Kommunikation gibt und sich letztlich auch die Rolle der "klassischen" Medien durch Facebook, Twitter und Co. ändert. Ohne Crossmedia als Kommunikation über mehrere inhaltlich, gestalterisch und redaktionell verknüpfte Kanäle geht es heute nicht mehr. Dies bestätigte der TV-Journalist Andreas Bachmann vom Bayerischen Rundfunk. Auch das von ihm geleitete Politmagazin "kontrovers" führt inzwischen den Dialog auf Facebook. Ein Modellprojekt des Bayerischen Rundfunks steht vor der Tür. Mit der "rundshow" startet der BR am 14. Mai zeitgleich in Fernsehen und Internet ein neuartiges vierwöchiges Social-TV-Format. Eine Redaktion entwickelt im Zusammenspiel mit "Internet-Usern" das Thema des Tages und diskutiert es dann mit Zuschauern, Internetnutzern und Studiogästen.
Aber wie sieht es nun mit den Politikern und deren Umgang mit Social Media aus? Renate Dodell, stv. CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, berichtete von der wachsenden Zahl von Politikern in sozialen Netzwerken. Wichtig dabei sei es, dass ein Politiker authentisch auf Facebook und Co. agiere und dies nicht nur an Mitarbeiter delegiere. Wenn er dies tue, muss er das auch öffentlich sagen, so Dodell. Dann und nur dann können die sozialen Netzwerke die Hemmschwelle "des Ansprechens" beim Bürger senken und damit wiederum dem Politiker zu mehr Nähe und Transparenz verhelfen. Dabei müsse immer auf einen fairen Ton geachtet werden, so Dodell. Anschaulich und sehr persönlich verdeutlichte sie zudem, wie sie mit Hilfe von Social Media der "klassischen" Printmedienberichterstattung begegnen konnte.
Prof. Dr. Daniel Michelis, Wissenschaftler an der Hochschule Anhalt, und der Blogger und Social-Media-Experte Matthias J. Lange verdeutlichen, welch große Rolle bei der wachsenden Bedeutung von Social Media der technische Fortschritt spiele. Viele Menschen haben heute bereits ein internetfähiges Smartphone, so Lange und Michelis pointierte dies mit der Aussage: "Wer hat heute noch einen Wecker, mit dem man nicht telefonieren kann?". Die Diskutanten waren sich einig: Der technische Fortschritt wird uns vermutlich noch einige Veränderungen in politischen Prozessen bescheren. Inwieweit aber das 2003 aus dem Kreis amerikanischer Online-Communitys entwickelte Konzept der "liquid democracy", in unserem politischen System relevant wird, blieb offen. Andreas Jungherr von der Universität Bamberg prognostizierte generell, dass viel von der Aufregung in zehn Jahren verschwunden sein wird. "Wir werden dann besser gelernt haben, damit umzugehen."
Weitgehend einig war man sich auf dem Podium aber, dass politische Prozesse und politische Kommunikation durch Social Media dynamischer und schneller werden. Dies bekräftigte Renate Dodell mit ihren einprägsamen Worten: "Langsame Politik geht mit Social Media nicht mehr!"
Viele der fast 150 Zuhörer verfolgten die Podiumsdiskussion auch ganz konkret in einem "sozialen Netzwerk". So gab es erstmals zur Diskussionsrunde nach den Statements eine sogenannte Twitterwall, das heißt eine Projektion mit Kurznachrichten der Mikroblogging-Anwendung Twitter. Alle von den Teilnehmenden geschriebenen Kurznachrichten ("Tweets") zu dem vorher bestimmten Hashtag #HSS0305 wurden angezeigt und können auf Twitter nachgelesen werden.

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