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Frühjahrsempfang für Wissenschaftler
Am 11. Mai 2012 folgten rund achtzig Wissenschaftler der Einladung Hans Zehetmairs zu einem vorabendlichen Frühjahrsempfang im Konferenzzentrum München. In seiner Begrüßung betonte der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister und jetzige Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung die große Bedeutung des intensiven Kontakts zur Welt der Wissenschaft für die Arbeit der Stiftung. „Grundsätzliche und grundlegende Fragen können nur in einem interdisziplinären Gedankenaustausch gelöst werden. Wir sind dankbar für diesen Dialog mit der Wissenschaft.“
Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, leitete das lockere Beisammensein dann mit einem Impulsreferat zum Thema „Der Wahrheit verpflichtet? Werte und Normen der Wissenschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ ein. Im Fokus seines Vortrags standen dabei Grundfragen der Wissenschaftsethik. „Francis Bacon betonte bereits im 15. Jahrhundert die externe Verantwortung der Wissenschaft“, so Schockenhoff. Durch die Wissenschaft solle das Wohlergehen der Menschen gefördert und ihre Lebensverhältnisse verbessert werden.
Für Schockenhoff ist aber nicht nur die externe, gesellschaftliche Verantwortung für die Folgen, die sich aus der Anwendung der wissenschaftlichen Ergebnisse für den Menschen ergeben, von großer Bedeutung. Er stellt auch die Frage nach der internen Verantwortung der Wissenschaft, die sich im Einstehen für die fachliche Qualität des erzielten Wissens äußert. Die Wissenschaftler haben eine persönliche Verantwortung und müssen sich folglich an einem Wissenschaftsethos orientieren.
„Schon der Entschluss zur wissenschaftlichen Tätigkeit und die Bereitschaft zum beruflichen Wagnis am Anfang einer akademischen Laufbahn setzen eine Lebenseinstellung voraus, die sich nicht allein von persönlichem Vorteil leiten lässt“, so Schockenhoff. In den meisten Bereichen böten sich außerhalb des Wissenschaftsbetriebs bessere und lukrativere Berufschancen. Die Wahl des Wissenschaftlerberufs zeuge daher von persönlicher Bescheidenheit und erfordere sowohl einen langem Atem, als auch kollegiale Fairness.
Es gab viele Ideen für einen Verhaltenskodex der Wissenschaft. Schockenhoff führte unter anderen die sieben Grundhaltungen eines persönlichen Wissenschaftsethos (von André F. Cournand und Harriet Zuckermann) an: intellektuelle Redlichkeit, Toleranz, Selbstzweifel, Bereitschaft zum Eingeständnis eigener Irrtümer, Selbstlosigkeit, Sinn für Zugehörigkeit zur Wissenschaftsgemeinschaft und die Anerkennung fremder Leistungen. „Nur dadurch, dass man sich solchen Verhaltensregeln verpflichtet fühlt, kann man der Gesellschaft gerecht werden“, führte der Theologe weiter aus.
Schockenhoff problematisierte zudem die institutionalisierten Bedingungen des gegenwärtigen Wissenschaftsbetriebs. Vor allem der harte Konkurrenz- und Erfolgsdruck, die sich beide aus den institutionellen Rahmenbedingungen ergeben, fördere mangelnde Sorgfalt und „Fehltritte“. Der Appell an das persönliche Ethos des Wissenschaftlers solle allerdings die nachdrückliche Forderung nach Strukturänderungen nicht überdecken.
„In erster Linie dienen Wissenschaftler der demokratischen Gesellschaft nicht dadurch, dass sie deren Bedürfnisse nach Erleichterung und Bequemlichkeit und Sicherheit erfüllen, sondern indem sie ihr gesichertes Wissen als Grundlage anstehender Entscheidungen zur Verfügung stellen.“ In einer immer komplizierter werdenden Welt werde somit das Verständnis für wichtige Zusammenhänge vermittelt. Hier verortete Schockenhoff auch eine Schnittstelle zur Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung: In der wissenschaftlichen Politikberatung gehe es um die „uneigennützige Wahrheitssuche“, damit der gesellschaftliche Auftrag bestmöglich erfüllt werden könne.

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