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Gefühlte Sicherheit

„Warum beschäftigt sich eine politische Stiftung mit dem Konzept der Gefühlten Sicherheit?“ Diese Frage stellte Prof. Dr. Reinhard Meier Walser, Leiter der Akademie für Politik und Zeitgeschehen, zu Beginn der interdisziplinären Expertentagung „Gefühlte Sicherheit. Worauf wir unsere Entscheidungen stützen“, die am 29./30. März 2012 in Wildbad Kreuth 35 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammenbrachte. Gemäß der Staatsbildungstheorie ist es eine Kernaufgabe des  Staats, Sicherheit nach innen und außen zu gewährleisten. Dabei sei Sicherheit kein Ein-Ressort-Thema mehr, sondern betreffe alle Bereiche, so Meier-Walser.

Teilnehmer im Festsaal

In seinem Vortrag gab Prof. Dr. Franz Porzolt, Universität Ulm, einen Überblick über das gesellschaftliche Verständnis von Sicherheit. Sicherheit sei ein zentrales Kriterium für Alltagsentscheidungen.  Die Sicherheitseinschätzung hänge dabei von vielfältigen Valenzen sowie der Wahrnehmung von Sicherheit ab. Porzolt betonte: „Gefühlte Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis und damit Teil unserer Lebensqualität. Sie wird durch Informationen und Vertrauen beeinflusst, bindet Ressourcen und kann objektivierbare Risiken reduzieren oder steigern.“

Prof. Dr. Martin Eisemann, Universität Tromsø, beschäftigte sich mit dem Sicherheitsverständnis aus dem Blickwinkel der Psychologie. „Die Gefühlte Sicherheit ist das Ergebnis der Abwägung von Chancen und Risiken der Bedürfnisbefriedigung“, so Eisemann. Durch die Wahrnehmung und Interpretation von Signalen gestalte sich für den Einzelnen die Qualität der Gefühlten Sicherheit, die dann die alltäglichen Entscheidungen maßgeblich bestimmen. Als praktisches Beispiel stellte Eisemann das Forschungsprojekt „Gefühlte Sicherheit von Extremskifahrern“ vor. Bezeichnend sei, dass Reklame von Lawinenrucksäcken, die eine 98% Überlebenschance verspricht, die Gefühlte Sicherheit im Verhältnis zum vorhandenen Risiko unverhältnismäßig erhöhe.

„In der Bevölkerung ist die Gefühlte Sicherheit in Bezug auf ionisierende Strahlung sehr gering,“ so Prof. Dr. Werner Burkart, Vize-Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) a.D., in seinem Vortrag, der sich mit nuklearen Sicherheitsstrategien und deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit beschäftigte. Die Ursachen für die „diffusen Ängste“ liegen für ihn in verschiedenen Faktoren: Ionisierende Strahlung ist unsichtbar, nicht beeinflussbar, hoch-komplex und zudem eine Projektionsfläche für latent vorhandene Probleme. Rationale und naturwissenschaftlich basierte Sicherheitskonzepte bieten dabei nicht immer eine Garantie für Gefühlte Sicherheit.

Christian Pfeiffer

Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, ging in seinen Ausführungen der Frage nach, warum die gefühlte Kriminalitätstemperatur so weit entfernt ist von der Wirklichkeit und stellte die Ergebnisse seiner aktuellen Studie vor: Aufgrund von verschiedenen Faktoren sind Kriminalitätsdelikte in fast allen Bereichen sehr stark rückläufig. Das Bildungsniveau, das Alter, die Herkunft aus Ost- bzw. Westdeutschland und insbesondere der Medienkonsum beeinflussen die Objektivität der Einschätzung der Kriminalitätszahlen. Vor allem der Konsum von Privatfernsehsendungen führt zur Realitätsverzerrung.

General a.D. Klaus Naumann, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzender des NATO-Militärausschusses, betonte im Kamingespräch, dass sich heute die Mehrheit der deutschen Bevölkerung sicher fühle, obwohl die Sicherheitslage diffuser sei als im Kalten Krieg. Um dies zu illustrieren zeigt er die aktuellen Problemfelder auf, die Europa betreffen: Zentral sei der Krisenbogen von Marokko bis zum Indischen Ozean. Zudem müsse sich die Europäische Staatengemeinschaft auf neue Formen der Gewalt von nichtstaatlichen Akteuren, die Gefahren der Proliferation und die Möglichkeit der Cyberoperations vorbereiten. „Sicherheit ist nur mehr mit multinationalen Kooperationen zu erhalten. Dazu wird es notwendig sein, dass Nationalstaaten einen Teil der Souveränität abgeben.“ Wie könne das Konzept der Gefühlten Sicherheit helfen, diesen Herausforderungen Herr zu werden, so die Frage, die Naumann abschließend stellte.

Am zweiten Veranstaltungstag standen praktische Anwendungsbeispiele im Vordergrund: Ulrich Chiellino, ADAC München, erläuterte anhand eines Pilotprojekts einen Aspekt der Gefühlten Sicherheit von Verkehrsteilnehmern, indem er der Frage nach der subjektiven „Schutzfunktion“ von Falschfahrer-Schildern an Autobahnanschlussstellen nachging. Mit der Gefühlten Sicherheit von Frauen beschäftigte sich Dr. med. Ursula Rochau, Private Universität für Gesundheitswissenschaften, medizinische Informatik und Technik Hall, indem Sie eine Studie zu Frauen mit Brustkrebs vorstellte: Durch die gegenseitige Information und die psychische Unterstützung in Selbsthilfegruppen erhöhe sich die Gefühlte Sicherheit.

Prof. Dr. Benedikt Friemert, Leitender Arzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im Bundeswehrkrankenhaus Ulm, sprach über Gefühlte Sicherheit von Soldaten in Krisengebieten, ein Thema, zu dem es bisher noch keine wissenschaftliche Untersuchungen gibt. Die objektive Sicherheit könne durch Material und Ausbildung verstärkt, die subjektive durch z.B. Kameradschaft und Rituale zumindest positiv beeinflusst werden. Ein weiterer entscheidender Faktor sei, dass Kommunikation nach außen gewährleistest ist. „Die Gefühlte UNsicherheit ist jedoch bei den Angehörigen viel größer als bei den Soldaten selbst“, so Friemert. Über die Gefühlte Sicherheit aus Sicht der Bundespolizei referierte Dietrich Schleimer, Bundespolizeipräsidium. Das Sicherheitsempfinden der Sicherheitskräfte habe Einfluss auf die Gefühlte Sicherheit der Reisenden. Technische Hilfsmittel könnten hierbei erfolgreich eingesetzt werden.

Tagungsbericht "Gefühlte Sicherheit"