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Hochschulpolitik in Deutschland und Großbritannien

Mit einer hochaktuellen Frage beschäftigte sich die diesjährige deutsch-britische Expertentagung der Hanns-Seidel-Stiftung und des Centre for British Studies der Universität Bamberg am 3./4. Mai 2012: Wie kann in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftkrise eine erfolgreiche Hochschulpolitik gestaltet werden? 

Felix Grigat, Jack Grove und Jakob Schulz
Winfried Schulze (l.), Greg Wade, Dieter Mehl und Stephan Bierling

35 Experten aus Wissenschaft, Medien und Politik waren in Wildbad Kreuth zusammengekommen, um unter dem Motto „Hochschulpolitik: Deutschland und Großbritannien im Vergleich“ die Frage nach den Gestaltungsmöglichkeiten erfolgreicher Hochschulpolitik in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftkrise zu diskutieren. Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser, Leiter der Akademie für Politik und Zeitgeschehen, und Prof. Dr. Christa Jansohn, Leiterin des Centre for British Studies, begrüßten in diesem Jahr das British Council als dritten Kooperationspartner der Veranstaltung.

Zu Beginn stand der von Jakob Schulz, Deutsche Journalistenschule, moderierte Blick auf die derzeit bedeutendsten Entwicklungen und Herausforderungen für die britischen und deutschen Hochschulen. Jack Grove, Journalist der Times Higher Education, betrachtete in seinem Vortrag v.a. die Finanzierung der englischen Hochschulen. Eine Konsequenz der staatlichen Sparmaßnahmen sei die Begrenzung der verfügbaren Studienplätze und die den Universitäten gegebene Möglichkeit, künftig Studiengebühren in Höhe von bis zu 9.000 Pfund pro Jahr zu erheben. Gleichzeitig versuche die Regierung verstärkt, auch private Anbieter am Bildungswesen zu beteiligen.

Felix Grigat, Redakteur von „Forschung & Lehre“, beschäftigte sich demgegenüber mit den Veränderungen im ebenso traditionsreichen deutschen Hochschulsystem. Angesichts stetig wachsender Studierendenzahlen schultere dieses eine „Massenlast ohne Kompensation“ auf Investitionsseite. Über den Diskussionen um Exzellenzinitiativen, Akkreditierungsverfahren, Wettbewerbsfähigkeit und Studiengebühren steht für Grigat jedoch die Frage, wie es „den Menschen in der Universität“ geht. Der Gedanke der „Bildung durch Wissenschaft“ dürfe auch an der ökonomisierten Hochschule mit ihrer Orientierung an berufsqualifizierenden Kompetenzen nicht ins Hintertreffen geraten.

Prof. em. Dr. Winfried Schulze, Vorsitzender des Hochschulrats der Universität Paderborn und Direktor des Mercator Research Center Ruhr, eröffnete mit seinem Beitrag die Diskussion der deutschen Hochschulautonomie. Traditionelle Bestandteile dieser sind - neben der Freiheit von Lehre und Forschung - vor allem die organisatorische und finanzielle Selbstbestimmung der Universitäten. Gleichzeitig sehen sich die Hochschulen den Ansprüchen von Staat und Gesellschaft ausgesetzt, ihre Geldgeber erwarten eine Berücksichtigung der eigenen Interessen. Der Referent verteidigte in diesem Zusammenhang die vermittelnde Rolle der Hochschulräte als Hüter der Hochschulautonomie. Durch Beratung und Kontrolle der Universitäten ermöglichen die Hochschulräte die Übertragung von Kompetenzen an die Bildungseinrichtungen, so Schulze.

Paula Dicken (l.), Viola Schenz, Barbara M. Kehm, Karina Urbach R.ichard Stöckle-Schobel und Loveday Wright
Sean Hand (l.), Libby Hackett und Jack Grove

Im weiteren Verlauf des von Prof. em. Dr. Dieter Mehl, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, moderierten Panels wurde deutlich, dass auch die Verfügbarkeit eigener Geldmittel ein wesentliches Kriterium für die Unabhängigkeit der Hochschulen darstellt. Prof. Dr. Stephan Bierling, Universität Regensburg, plädierte daher für die Beibehaltung von Studiengebühren in Bayern und Niedersachsen. Diese hätten zu deutlichen Verbesserungen in der Lehre geführt. Der Kommentar von Greg Wade, Universities UK, bilanzierte, dass die hohen Studiengebühren im von der Finanzkrise gebeutelten Vereinigten Königreich vor allem der Gegenfinanzierung staatlicher Kürzungen im Bildungsetat dienen.

Um die Ökonomisierungsprozesse an den britischen Hochschulen ging es in der letzten Diskussionsrunde des Donnerstags. Prof. Séan Hand, University of Warwick, verdeutlichte, dass sich diese Prozesse längst nicht mehr in der Betrachtung des „Studierenden als Kunden“ erschöpfen. Die „spending review“ der Regierung habe auch zu einer Betonung der sogenannten „STEM-Fächer“ (Science, Technology, Engineering, Mathematics) geführt und die Universitäten seien generell angehalten, ihre Finanzierung jenseits der staatlichen Unterstützung zu finden. Forschung solle auf ihre Wirkung hin ausgerichtet sein. Seine eigene Universität beziehe nur noch 18% ihres Budgets aus der Staatskasse und sei inzwischen unter dem Spitznamen „Warwick plc“ („Warwick AG“) bekannt. Libby Hackett, Leiterin der britischen University Alliance, ergänzte diese Einschätzungen durch ihren Überblicksvortrag über die britischen Hochschulreformen seit Mitte der 1990er-Jahre. Dabei wurde deutlich, dass die Ökonomisierungsprozesse in beiden Ländern auf ein komplexes Geflecht aus notwendigen Sparmaßnahmen, politischen Entscheidungen, universitären Ansprüchen und gesellschaftlichen Veränderungen zurückzuführen sind.

Kontinuitäten, nicht Veränderungen, waren hingegen das Thema der abendlichen „Dinner-Speech“ von Thomas Kielinger, „Die Welt“, London. Der von Prof. Dr. Roland Sturm, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, eingeführte Journalist und Queen-Biograph sprach über die vereinende und bewahrende Rolle Elizabeths II. in der „königlichen Republik Großbritannien“.

Nachdem am ersten Sitzungstag der Vergleich der nationalen Hochschulsysteme im Vordergrund stand, widmete sich der Freitag deren Interaktion vor europäischem Hintergrund. „Mehr Unterschiede als Parallelen“, gibt es dabei laut Prof. Dr. Barbara M. Kehm vom Internationalen Zentrum für Hochschulforschung, Kassel, in der Umsetzung des Bologna-Prozesses. Für die Briten sei dieser weitestgehend eine „Reformbewegung der anderen.“ Dies bestätigten auch die im zweiten Teil des von Viola Schenz, Süddeutsche Zeitung, moderierten Panels vorgetragenen Erfahrungsberichte aus den beiden Hochschulländern. „Vor meiner Anstellung in München hatte ich noch nie etwas vom Bologna-Prozess gehört,“ so Dr. Paul Dicken, Philosoph an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach Deutschland hätten ihn vor allem die gegenwärtig besseren Berufsaussichten geführt.

Die englische Austauschstudentin Loveday Wright betonte hingegen ihre positiven Erfahrungen mit der weniger verschulten deutschen Hochschule. Richard Stöckle-Schobel beschrieb, wie ihn das gute Abschneiden in internationalen Hochschulrankings und die „Verbindung von Tradition und Moderne“ zum Doktorstudium an der Universität von Edinburgh bewegt hatten.  PD Dr. Karina Urbach, Journalistin und Forscherin am Institute of Historical Research der University of London, äußerte sich positiv über die auf der Insel bestehenden „flachen Hierarchien“ und die gute Betreuung der Studierenden in kleinen Seminargruppen und Tutorien. Wie Deutschland und Großbritannien voneinander lernen können, war Thema des abschließenden Vortrags von  Prof. Dr. Rüdiger Görner, Queen Mary University, London. In beiden Systemen gelte es, leere Worthülsen zu vermeiden und Forschungssynergien zu bündeln, um die akademische Vielfalt zu erhalten.

Tagungsbericht