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Internationale Konferenz: Menschenrecht Religionsfreiheit
Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beginnt mit den bekannten Worten: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit“. Die Realität sieht jedoch insbesondere für die Angehörigen religiöser Minderheiten in vielen Ländern dieser Erde anders aus. Unter den religiös Verfolgten weltweit macht allein die Gruppe der verfolgten Christen 80 Prozent aus. In mindestens 50 von etwa 200 Staaten der Welt werden tagtäglich Kirchen und Gebetshäuser zerstört, Menschen aufgrund ihres Glaubens verfolgt, bedrängt, mit dem Tode bedroht.
Um die Situation dieser Menschen zu verbessern, bedarf es allem voran eines fundierten Wissens über die konkrete Lage vor Ort. Gemeinsam mit der Gemeinschaft Sant’Egidio hat die Hanns-Seidel-Stiftung deshalb exemplarisch religiöse Minderheiten in verschiedenen Weltteilen in den Blick genommen und im Rahmen einer internationalen Konferenz am 5./6. November 2012 in München danach gefragt: Wie steht es konkret mit dem Menschenrecht Religionsfreiheit und welche Herausforderungen ergeben sich daraus für Politik und Kirchen?

- Klaus Reder, Cesare Zucconi, Marco Impagliazzo, Andrea Riccardi, Susanne Bühl, Hans Zehetmair
Es referierten politische und kirchliche Vertreter aus Nigeria, Pakistan, Indonesien, Israel und dem Libanon. Darüber hinaus nahmen Wissenschaftler und NGO-Vertreter den Sudan, Südsudan, China und Nordkorea in den Blick. Zum Auftakt gab der UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit einen Überblick über die internationale Lage der Religionsfreiheit heute. In einem abendlichen Festvortrag sprach der Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio über Glaubenszeugnis und Christenverfolgung im 21. Jahrhundert. Im Anschluss an den Vortragsteil diskutierten Vertreter aus Politik und Kirche im Rahmen einer Podiumsdiskussion über die Herausforderungen, die sich aus dem Menschenrecht Religionsfreiheit für Politik und Kirchen ergeben. Zum Abschluss wurde ein gemeinsames Kommuniqué von Hanns-Seidel-Stiftung und Sant’Egidio präsentiert.
Eine lesenswerte Zusammenfassung der wichtigsten Kernaussagen der Konferenz gab die Journalistin Michaela Koller unter der Überschrift „Ökumene des Martyriums“ in der „Tagespost“ vom 15. November 2012:
„... Der Leiter der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bambergs Erzbischof Ludwig Schick, empfahl, grundsätzlich für die Anhänger aller Religionsgemeinschaften einzutreten. ‚Weil Religionsfreiheit eine Sache der Menschenwürde ist‘. ‚Interreligiöser Dialog und das deutliche Eintreten für Religionsfreiheit als universales und unveräußerliches Recht sind zwei Grundpfeiler für den weltweiten Aufbau des friedlichen Zusammenlebens von Anhängern unterschiedlicher Religionen‘, hieß es in einer Abschlusserklärung. Die Organisatoren hatten Vertreter aus dem Irak, Israel, Pakistan, Indonesien, Nigeria sowie Experten für China, Nordkorea und den Sudan eingeladen, um Informationen aus erster Hand weiterzugeben.
Mindestens zwei davon waren unmittelbar in ihrem Leben von Fanatismus betroffen, einer der Hauptgefahren für dieses nach Papst Benedikt XVI. grundlegendste aller Freiheitsrechte. Basilios Georges Casmoussa, Kurienerzbischof der syrisch-katholischen Kirche im Patriarchat von Antiochien, erlebte die islamistische Bedrohung am eigenen Leib: Am 17. Januar 2005 entführten ihn Bewaffnete vor seiner damaligen Kirche im nordirakischen Mossul für einen Tag und drohten, ihn zu erstechen. ‚Als sie mir das Messer an den Hals hielten, sagten sie, das geschehe im Namen Gottes‘, berichtete er im Gespräch mit dieser Zeitung. Er habe daraufhin im Stillen zu sich selbst gesagt: ‚Schneid mir den Hals durch, aber doch nicht im Namen Gottes.‘ In Anspielung auf die Gewaltakte von Islamisten im September aus Anlass des verunglimpfenden Videos über den islamischen Religionsstifter Mohammed warnte Casmoussa vor ,schlechten verbalen Äußerungen‘. ‚Wir müssen dafür den Preis bezahlen‘, mahnte er eindringlich.
... Nichts hilft den Verfolgten und Diskriminierten so sehr, als wenn ihr Schicksal zum Gegenstand der öffentlichen Debatte in den Demokratien wird und letztlich im Interesse der Politik einflussreicher Staaten und ihrer Bündnisse verteidigt wird. Darüber waren sich alle Mitwirkenden einig. Dazu Zeugen aus aller Welt zu eindringlichen Stellungnahmen einzuladen, erklärte der frühere bayerische Staatsminister und jetzige Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung Hans Zehetmair mit einem Zitat des russischen Dichters Maxim Gorki: ‚Man muss dem Menschen einen Igel unter die Schädeldecke setzen, damit er sich nie beruhige.‘“
Kommuniqué von Hanns-Seidel-Stiftung und Sant’Egidio

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