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Interreligiöser Dialog statt „Clash of Ignorance“

Hans Zehetmair, Mehmet Aydin, Günther Beckstein, Martin Neumeyer
Nihal Aydin, Mehmet Aydin, Hans Zehetmair, Hidayet Eris, Oliver Rolofs

Auf Einladung des Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung, Staatsminister a.D. Prof. Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair diskutierten am 23. November der frühere Bayerische Ministerpräsident, Dr. Günther Beckstein, und der ehemals für die Auslandstürken zuständige Staatsminister a.D. Prof. Dr. Mehmet Aydin aus Ankara. Beide hatten Tags zuvor vom ebenfalls anwesenden Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, den „Integrationsbrief 2012“ erhalten. Eine schöne Gelegenheit für die Hanns-Seidel-Stiftung, um die Preisträger zu einem mittäglichen Arbeitsessen in englischer Sprache in das Eden Hotel Wolff einzuladen, in dem beide Herren 2006 schon einmal auf Einladung der Stiftung zu einem gemeinsamen Gedankenaustausch zusammengetroffen waren.

Inzwischen haben beide distinguierten Persönlichkeiten ihre politischen Karrieren hinter sich. Mehmet Aydin ist vergangenes Jahr nach neunjähriger Dienstzeit als Staatsminister aus der Politik ausgeschieden, um wieder wissenschaftlich zu wirken. Heute lehrt er Politikwissenschaften an der Elite-Privatuniversität Bilkent in Ankara. Günther Beckstein, amtierender Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands, wird sich nach der Landtagswahl 2013 aus der aktiven Politik zurückziehen.

Mehmet Aydin und Günther Beckstein initiierten das Arbeitsessen mit einem Vortrag über das Themengebiet „Integration und Religionsfreiheit“, jeweils aus islamischer und christlicher Perspektive. Aydin setzte den Schwerpunkt seines Vortrages auf das Toleranzgebot des Korans, welches keinen Zwang zur Missionierung von Nichtmuslimen vorsehe. Das Millet-System, als Rechtsordnung des Osmanischen Reichs, habe nichtmuslimische Religionsgemeinschaften respektiert und über Jahrhunderte ein florierendes multikonfessionelles Gemeinwesen ermöglicht. Der bekannten These Samuel Huntingtons, wonach das zukünftige Konfliktpotential in den kulturellen Widersprüchen zwischen „dem Islam“ und „dem Westen“ liege, widersprach Aydin.  Allein die Unterscheidung zwischen „Islam“ und „Westen“ hinke, zumal die Türken seit Jahrhunderten integraler Teil des westlichen Europas seien und gemeinsame europäische Geschichte mitgestaltet hätten. Nicht in einem „Clash of Civilizations“ liege das Kernproblem, sondern weit eher in einem „Clash of Ignorance“, das heißt, in einer fehlenden Kenntnis und in einem mangelnden Empathievermögen auf allen Seiten, welches in der Summe zu Polarisierungen und Abgrenzungen führe. Beckstein griff in seinem Vortrag die Toleranzgebot-These seines Vorredners auf und mahnte eindringlich die Möglichkeit einer freien und würdevollen Religionsausübung von christlichen Minderheiten in mehrheitlich islamischen Ländern an. Bezüglich der Situation der Muslime in Deutschland wünschte sich Beckstein starke institutionalisierte Ansprechpartner für die deutsche Politik. Er betonte, dass es zum interreligiösen Dialog keine Alternative gebe, machte aber auch deutlich, dass Gegner unserer demokratischen Ordnung und unserer Werte wie Freiheit, Recht und Menschenwürde für uns keine Dialogpartner sein könnten.

In die sich anschließende Diskussion brachten sich neben den Genannten unter anderem auch der Türkische Generalkonsul in München, Hidayet Eris, der bayerische Statthalter der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajans, Orhan Tinengin, der Historiker und Journalist des ARD-Politmagazins „Report München“, Dr. Stefan Meining, der Pressesprecher der Münchner Sicherheitskonferenz, Oliver Rolofs, die Kuratoriumsmitglieder des Bayerischen Integrationspreises Anna Güller-Frey und Dr. Ekaterina Skakovskaya, und der  Vorstandssprecher der Türkischen Gemeinde in Bayern, Dr. Vural Ünlü, ein. Das Themenspektrum reichte von der Lage in Syrien und ihren Konsequenzen für die dortige christliche Minderheit über separatistische Kurdenaktivitäten insbesondere im Nord-Irak bis hin zu einer im Kern durchaus kritischen Bewertung der international aktiven Gülen-Bewegung. Zum Abschluss betonten der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und Christian Hegemer, Leiter des stiftungseigenen Instituts für Internationale Zusammenarbeit, das erfolgreiches Engagement der Hanns-Seidel-Stiftung in muslimischen Ländern. Die Positionierung und institutionelle Verankerung der Stiftung in Ländern wie Indonesien und Ägypten sei ein Referenz- und Erfolgsmodell auch für andere deutschen Auslandsstiftungen.