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Referat III/1 Politisches Management und Kommunikation, Medien und Innovation
Karl Heinz Keil
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Luftfahrtstandort Deutschland
„Luftfahrtstandort Deutschland - Chancen, Herausforderungen und Perspektiven“, so lautete das Thema des 11. Luftfahrt-Podiums der Hanns-Seidel-Stiftung am 15. November 2012 im Konferenzzentrum München. Die Veranstaltungsreihe greift seit vielen Jahren die verschiedenen wirtschafts-, umwelt-, sicherheits- und technologiepolitischen Aspekte einer bayerischen Schlüsselbranche auf.
Der Luftverkehr ermöglicht es Unternehmen, Teil einer globalen Produktions- und Lieferkette zu sein. Doch der Luftverkehr spielt auch für die persönliche Mobilität der Menschen eine wichtige Rolle. Seien es Urlaubsreisen, Familien- oder Freundesbesuche, die Welt ist durch das Fliegen näher zusammengerückt. Für den Standort Deutschland hat die Luftfahrt eine ganz spezielle Bedeutung: Es gibt hierzulande den komplexesten Luftraum mit dem höchsten Verkehrsaufkommen Europas. Zudem besitzt die Luftfahrtindustrie eine zentrale Bedeutung für die heimische Volkswirtschaft. Eine herausragende Rolle spielt dabei der Standort Bayern. Ca. 60000 Arbeitsplätze, etwa 550 Unternehmen und 6,5 Milliarden Umsatz: Das sind beeindruckende Zahlen der Luftfahrtbranche in Bayern. Viele wesentliche Systemfirmen der Branche haben ihren Sitz im Freistaat. Aber es sind nicht allein die bekannten Namen, die den heimischen Luftfahrtstandort ausmachen Eine besondere Stärke des Standorts Bayern ist der Mittelstand. Die mittelständischen bayerischen Unternehmen der Luftfahrt gehören zu den Vorzeigebeispielen in Deutschland. Diese Bedeutung machte der verkehrspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Eberhard Rotter auf dem 11. Luftfahrt-Podium sehr deutlich. Michael Stock, der selbst ein kleines Unternehmen der Branche -„Stock Flight Systems“- leitet, unterstrich die Innovationskraft mit vielen technologischen Alleinstellungsmerkmalen und betonte, dass fast alle klein- und mittelständischen Unternehmen international ausgerichtet sind und auf dem Weltmarkt bestehen können.
Angesichts der Krisen des Finanz- und Wirtschaftssektors sowie vor dem Hintergrund von Globalisierungsängsten und zunehmendem Umweltbewusstsein ist unsere Gesellschaft zunehmend wachstumskritisch geworden, so der Unternehmenssprecher der Flughafen München GmbH, Hans-Joachim Bues. „Die Luftverkehrsbranche wird in Deutschland weder von der Politik noch von der Bevölkerung in ihrer realen Bedeutung für Wohlstand und Wirtschaftswachstum wahrgenommen.“, so Bues wörtlich. Eine gesellschaftliche „Licence to grow“ werde der Luftverkehr hierzulande nur noch bekommen, wenn er seine Energieeffizienz mit Hilfe technischer Innovationen so verbessert, dass negative Klima- und Umweltauswirkungen nicht nur relativ, sondern auch absolut reduziert werden. Hierin stimmten die Podiumsteilnehmer weitgehend überein. Dr. Jörg Sieber von MTU Aero Engines, also ein Vertreter des Unternehmens, das an fast jedem modernen Triebwerk in der zivilen Luftfahrt als Partner beteiligt ist, erinnerte an die ehrgeizigen Klimaschutzziele des Branchenverbands „International Air Transport Association“ (IATA), wonach Fluglinien und Flughäfen, die Kerosineffizienz bis zum Jahr 2020 um jährlich 1,5 Prozent erhöhen wollen. Ab dann will die Branche auch ohne zusätzlichen C02-Ausstoß wachsen. Zur Mitte des Jahrhunderts sollen die Emissionen im Vergleich zum Bezugsjahr 2005 halbiert werden. .Auch MTU arbeitet an diesem Thema. Dr. Sieber stellte in diesem Zusammenhang das technische Antriebskonzept eines „Getriebefans“ vor, mit dem Verbrauchswerte und Geräuschpegel deutlich reduziert werden können. Dabei sei der Luftverkehrsstandort Deutschland aber auch dabei, durch gesetzliche Reglementierungen wie Luftverkehrssteuer und Zertifikatshandel zunehmend ins Hintertreffen zu geraten. Dr. Michael Engel, Geschäftsführer im Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) bezeichnete diese Problematik als das „Kostensandwich“ der Airlines. Einerseits die hohen ordnungs- und fiskalpolitischen Standortkosten, andererseits die steigendenden Kerosin- und Personalkosten. Dabei solle man nicht vergessen: „Jedes Flugzeug hat die Beschäftigungswirkung eines mittelständischen Unternehmens mit bis zu 500 Arbeitsplätzen bei den Fluggesellschaften und in nachgelagerten Bereichen.“, so Dr. Engel.
Dass der Luftverkehr in der Öffentlichkeit ein Image- und Akzeptanzproblem hat und von weiten Kreisen der Bevölkerung immer noch als Branche wahrgenommen wird, die ein Luxusgut produziert, kristallisierte sich als wichtiger Diskussionspunkt der Expertenrunde heraus. Der Journalist und Sprecher des Regionalkreises Süd im Luftfahrt-Presse-Club (LPC), Harald Stocker, nahm sich dieses Phänomens der medialen Vermittlung ganz besonders an. Er verglich die Luftfahrt aber auch mit den historischen Entwicklungen der Automobilbranche, die sich zunehmend des Themas Energieverbrauch und Umweltverträglichkeit gestellt habe und heute in diesen Fragen bei der Entwicklung von technischen Lösungen schon sehr viel weiter sei als die Luftfahrt. Ideen seien gefragt, so Stocker, Ideen wie die von „Bauhaus Luftfahrt e.V.“, das auf der diesjährigen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin erstmals sein neuestes Flugzeugkonzept, den „Ce-Liner“ vorstellte: ein vollständig elektrisches Kurzstrecken-Passagierflugzeug, mit dem die ambitionierten „Flightpath 2050“-Emissionsziele der Europäischen Kommission nicht nur erreicht, sondern mit potenziell emissionsfreiem Betrieb - bei regenerativer Gewinnung der Elektrizität - sogar übertroffen werden könnten.

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