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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Manipulation in Film und Fernsehen der DDR

Manipulation in Filmkunst und im Fernsehen des DDR-Unrechtssystem standen im Mittelpunkt eines Seminars vom 13. bis 15. April 2012 in Wildbad Kreuth. 40 Teilnehmer wurden von Vera Lengsfeld, einer der führenden Bürgerrechtlerinnen der DDR, und Thomas Lukow, der für seine Überzeugungen ebenso wie Vera Lengsfeld im Gefängnis saß, fachkundig durch die Welt der Films und Fernsehens in einem repressiven System geführt.

Die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld
Thomas Lukow, vom Stasi-Museum Berlin
Vera Lengsfeld und Thomas Lukow im Gespräch
Die Teilnehmer in Wildbad Kreuth hörten interessiert zu.

Die Filmproduktionsgesellschaft DEFA, die aus dem Erbe der nationalsozialistischen UFA entstand, wurde schon bald der Kontrolle des Staates und der Partei unterworfen. Im Laufe der Geschichte der DDR wurde diese Zensur, die für einzelne Filme vom Politbüro direkt erteilt wurde, in unterschiedlichem Maße ausgeübt. So wurde Mitte der 1960er Jahre, als vor allem die Kulturschaffenden im Zuge der Entstalinisierung durch Chruschtschow auf eine Liberalisierung hofften, die Zensur eher verstärkt. Die sogenannten „Kaninchenfilme“ waren Filme, deren Aufführung verboten wurde. Benannt nachdem Film von Kurt Maetzig „Das Kaninchen bin ich“ umfassten diese Filme schon mal die Hälfte der Jahresproduktion der DEFA. Die jeweiligen Regisseure wurden dann meist mit Berufsverbot belegt, indem sie keinen Auftrag mehr erhielten. Ein typisches Beispiel für die Manipulation, die auch dem Wechsel der politischen Ansichten  unterworfen war und dadurch heute so aberwitzig wirkt, ist ein Film über den KPD-Chef Ernst Thälmann. Aus politscher Opportunität musste eine Begegnung mit Stalin, die tatsächlich so nie stattgefunden hat, eingefügt werden und dann aus eben der gleichen Opportunität nach der Geheimrede von Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU wieder herausgeschnitten werden.

Ein weiteres Feld der Propaganda war der Sport und seine Berichterstattung im Fernsehen. Die Anerkennung der DDR und die Überlegenheit seines poltischen Systems sollte über die Erfolge in den internationalen Sportwettkämpfen gezeigt werden. Und  so gelang es der DDR innerhalb von 4 Jahren bei den olympischen Sommerspielen in München die Medaillenanzahl  gegenüber den Spielen 1968 in Mexiko fast zu verdreifachen und auf Rang 3 aller Staaten zu landen. Dass das nur mit rigorosem Doping möglich war, wissen wir heute. Die Sportreporter, die über diese Erfolge berichten durften, waren natürlich nicht nach journalistischen Kriterien ausgesucht, sondern nach politischen. Da sie reisen durften, kamen nur besonders regimetreue Reporter in Frage, die speziell ausgewählt und ausgebildet wurden. Bekanntester Sportreporter war Heinz Florian Oertel, der anlässlich des Sieges des Marathonläufers Waldemar Cierpinski ausrief: “Liebe junge Väter oder angehende, haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar! Waldemar ist da!“

Gegen Ende der DDR wurden dann auch Filme erlaubt, die gesellschaftskritisch waren. In dem Film „Solo Sunny“, einem Film über das schwierige Leben einer Sängerin, wurden viele zwischenmenschliche Probleme thematisiert, die es so nach dem idealen sozialistischem Menschenbild ja gar nicht geben durfte. Der Film „coming out“ über das Leben eines homosexuellen Lehrers hatte am 9. November 1989 Premiere und ging dann natürlich in den Ergebnissen der Maueröffnung unter.