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Schutz des ungeborenen Lebens
Der Schutz des ungeborenen Lebens im Kontext moderner pränataler Diagnostik stand im Fokus einer Fachtagung am 25. April 2012 im Konferenzzentrum München. Rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter insbesondere Beratungsfachkräfte der 124 staatlich anerkannten Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen sowie der 24 katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen, wurden auf der gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen durchgeführten Fachveranstaltung begrüßt.
Sowohl Frau Ministerialdirigentin Johanna Huber, Leiterin der Abteilung Familie und Jugend, Bildung und Erziehung im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, als auch Frau Elisabeth Maskos als Landesvorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen – Landesverband Bayern e.V. hoben in ihren Grußworten die Herausforderungen für den Schutz des ungeborenen Lebens aufgrund des rasanten medizinischen Fortschritts und veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen hervor. Zwei besondere Herausforderungen, die Pränataldiagnostik und die Präimplantationsdiagnostik, wurden im Rahmen des Fachtags näher beleuchtet. Frau Dr. Birgit Mayer-Lewis, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg selbst auf umfangreiche Erfahrungen aufgrund von Forschungsprojekten im Bereich der pränatalen Diagnostik zurückblicken kann, führte und begleitete die Anwesenden fachkundig durch das Programm.
Der Vortrag eines hochkarätigen Referenten über die ethischen und rechtlichen Auswirkungen der modernen vorgeburtlichen Diagnostik auf unsere Gesellschaft bildete den Auftakt des Fachtags. Herr Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Mitglied des Deutschen Ethikrats, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth, stellte die Ziele, Rahmenbedingungen und Konsequenzen von Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik vor und plädierte für einen verantwortungsvollen Umgang mit den zunehmenden medizinischen und medizintechnischen Möglichkeiten pränataler Diagnostik.
Einen wesentlichen Schwerpunkt des Fachtags bildete die Vorstellung der Ergebnisse des vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen geförderten dreijährigen Modellprojektes des Sozialdienstes katholischer Frauen - Landesverband Bayern e.V. zur Verbesserung der psychosozialen Beratung bei Pränataldiagnostik mit dem Schwerpunkt der Frühschwangerschaft. Nachdem Frau Silvia Wallner-Moosreiner als Projektleiterin und Frau Anna Elisabeth Thieser als Leiterin der Fachberatung des Projektes die Projektgrundlage des multiprofessionellen, aktiven Beratungsansatzes vor Inanspruchnahme von pränataler Diagnostik vorgestellt hatte, fasste Frau Prof. Dr. Anke Rohde (Universitätsfrauenklinik Bonn) für die wissenschaftliche Begleitforschung des Projektes die wesentlichen Ergebnisse zusammen. Dabei wurde deutlich, dass das Thema Pränataldiagnostik von Ratsuchenden sehr ambivalent betrachtet wird. Vorgeburtliche Untersuchungen gehören heute – nahezu selbstverständlich – zur Schwangerenvorsorge, so dass werdende Eltern sich in diesem Kontext zunehmend mit schwierigen Fragen und Entscheidungen konfrontiert sehen. Psychosoziale Beratung in den Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen in Ergänzung zur ärztlichen Beratung und Betreuung kann Frauen und Paare in der Entscheidungsfindung unterstützen und entlasten.
Im Anschluss wurden die Ergebnisse der Evaluierung der Auswirkungen der Anfang 2010 in Kraft getretenen Neuregelungen des Schwangerschaftskonfliktgesetzes und des Gendiagnostikgesetzes zur Informationspflicht des Arztes über die Möglichkeit und den Anspruch auf weiterführende psychosoziale Beratung durch die Schwangerschaftsberatungsstellen beleuchtet. Frau Andrea Roth von der Forschungsstelle Ethik der Uniklinik Köln stellte exklusiv für die Tagungsteilnehmer ausgewählte Ergebnisse einer vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten und bisher noch nicht veröffentlichten empirischen Erhebung bei allen beteiligten Professionen vor.
In einer Podiumsdiskussion wurde mit den Referentinnen abschließend der Frage nachgegangen, wie eine Zusammenarbeit zum Schutz des ungeborenen Lebens gelingen kann. In der psychosozialen Beratung vor, während und nach pränataldiagnostischen Maßnahmen ist vor allem die Kooperation mit dem Medizinbereich von besonderer Bedeutung, da Ärzte den Erstkontakt zu schwangeren Frauen haben und viele Frauen und Paare erst durch ärztliche Empfehlung auf das psychosoziale Beratungsangebot aufmerksam werden. Mit den Statements der Podiumsteilnehmerinnen sowie durch vielseitige und interessante Diskussionsbeiträge wurden wichtige Impulse für die Beratungsarbeit gegeben. Es kann zusammengefasst werden, dass für eine gute Zusammenarbeit zwischen medizinischen und psychosozialen Beratungsangeboten vor allem ein persönliches Kennen, transparente Strukturen zwischen den beteiligten Arbeitsbereichen und die gegenseitige Akzeptanz der Professionen und unterschiedlichen strukturellen Gegebenheiten förderlich sind. So kann psychosoziale Beratung im Kontext von Pränataldiagnostik in Ergänzung der medizinischen Beratung als ein selbstverständlicher Teil in der Begleitung der Schwangerschaft angenommen werden.

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