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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Starke Frauen Starke Worte. Im Gespräch mit Hildegund Holzheid

Ursula Männle, stv. Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung
Hildegund Holzheid, ehemalige Präsidentin des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes

Die ehemalige Präsidentin des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes und des Oberlandesgerichts München, Hildegund Holzheid, war am 30. Oktober 2012 zu Gast bei Starke Frauen Starke Worte und gab den Zuhörerinnen einen Einblick in ihr berufliches und ehrenamtliches Engagement.
Die stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Prof. Ursula Männle, eröffnete die nunmehr zehnte Veranstaltung der Reihe Starke Frauen Starke Worte. Über 70 Damen und einige Herren waren im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung zusammen gekommen, um mehr über das Leben und Wirken von Hildegund Holzheid zu erfahren.

Die Moderatorin Daniela Arnu ließ zu Beginn des Gesprächs die entscheidenden biographische Stationen im Leben von Hildegund Holzheid Revue passieren: Holzheid wurde 1936 in Nürnberg geboren und ist in Parsberg in der Oberpfalz aufgewachsen. Sie besuchte das Gymnasium in Regensburg und hat in Nürnberg Abitur gemacht. Holzheid studierte von 1954 bis 1958 Rechtswissenschaften an der Universität Erlangen und an der Universität München und machte 1962 das zweite Staatsexamen. Sie arbeitete dann bei der Staatsanwaltschaft München und wurde 1965 als erste Frau allgemeine Strafrichterin. Zwei Jahre später wechselte sie ins Justizministerium und war dort u.a. Referentin im Strafvollzug. 1992 wurde sie Präsidentin des Oberlandesgerichts München. Als sie im selben Jahr zur Präsidentin des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes gewählt wurde, war sie damit bundesweit die erste Frau, die einem Verfassungsgericht vorstand. Im Jahr 2000 wurde sie wiedergewählt.

(v.l.n.r.) Daniela Arnu (Moderation), Hildegund Holzheid

„Wann haben Sie das erste Mal an das Wort ‚Karriere‘ gedacht?“ so die Eingangsfrage der Moderatorin. Hildegund Holzheid erwiderte, dass sie keine strategische Karriereplanerin sei, sondern dass es ihr Berufswunsch war, Richterin zu werden. Dass ihr Vater selbst Richter am Amtsgericht in Parsberg war, hat ihre Berufswahl jedoch nicht beeinflusst. Ihre Eltern haben ihr sehr viel Freiraum gegeben und so durfte Holzheid als 15-Jährige zum Schüleraustausch in die USA. Nach dem Austauschjahr wollte sie „etwas Internationales im Bereich Wirtschaft machen“, aber ein Freund ihres Vaters riet ihr zum Jurastudium, weil sie dann später breitere Anstellungsmöglichkeiten hätte. Sie beherzigte den Rat und ihre Referendarzeit an der bayerischen Justiz überzeugte sie letztendlich davon, Richterin zu werden.
Hildegund Holzheid merkte in diesem Zusammenhang an, dass Männer ihre berufliche Karriere eher strategisch planen und ungestüm vorwärts drängen, wohingegen Frauen eher zögerlich sind und Maß halten. Studien besagen, dass von Frauen geführte Unternehmen langsamer wachsen, aber nachhaltiger bestehen, d.h. seltener Insolvenz anmelden. Ihre persönlichen Erfahrungen haben Holzheid gezeigt: „Frauen muss man nachlaufen, denn sie kommen nicht von selbst!“ Frauen trauen sich häufig zu wenig zu und sind zu ängstlich, man muss sie daher ermutigen und motivieren, sich auf bestimmte Stellen zu bewerben oder Jobangebote auch anzunehmen. Auch schrecken Frauen vor einer verantwortungsvollen Position eher zurück als dass sie sich darüber freuen. 

(v.l.n.r.) Susanne Schmid, Ursula Männle, Hildegund Holzheid, Daniela Arnu

Als Präsidentin des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes wie auch als Mitglied des Deutschen Ethikrats war ihr ein offener und freier Meinungsaustausch auf Augenhöhe immer wichtig.

Auf die Frage, warum Holzheid seit ihrer Pensionierung in Jahre 2001 ihren Ruhestand nicht ausgiebig genieße, antwortet sie, dass ihr ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten sehr viel Freude bereiten. So gehört sie seit 2002 dem ZDF-Verwaltungsrat an und war von 2008 bis 2012 Mitglied des Deutschen Ethikrats. Des Weiteren ist sie u.a. Mitglied der Hanns-Seidel- Stiftung e.V., Mitglied im Wissenschaftsrat, Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung zur Förderung der Wissenschaften in Bayern und Vorsitzende des Kuratoriums der Technischen Universität München sowie Mitglied der bayerischen Bioethikkommission und der Diätenkommission des Bayerischen Landtags.

Am Ende der Veranstaltung wollte Daniela Arnu wissen, welchen Herzenswunsch ihr eine gute Fee denn noch erfüllen könnte. Darauf antwortete Hildegund Holzheid, sie wünsche sich, dass ihr langjähriger Lebenspartner, der seit 1992 aufgrund eines Schlaganfalls im Rollstuhl sitzt, wieder gesund werde.
Selbstkritisch merkte sie noch an, dass sie nicht unbedingt als Vorbild für junge Frauen dienen könne, da sie in beruflicher Hinsicht nicht immer aufstiegsorientiert und flexibel war. So war sie beispielsweise nicht bereit, zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe zu wechseln, weil sie ihrem Partner in München beistehen wollte.

Für Hildegund Holzheid hatten die Liebe zu ihrem Lebenspartner und ihre Tätigkeit als bayerische Richterin immer Priorität. Sie ist eine mutige, unabhängige und starke Frau, die ihrem Herzen gefolgt ist!