Kontakt

Referat II/5 Technologie, Medien und Kultur, Jugend und Gesundheit
Prof. Dr. Siegfried Höfling
Tel.: 089 1258-246 | Fax: -469
E-Mail: hoefling@hss.de

Publikationen

Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Aktuelle Veranstaltungen

Dienstag, 22. Januar 2013

Krumbach

Profi mit Handy, Internet und Medienrecht

Dienstag, 22. Januar 2013

München

Eurokrise / Währungskrise

Dienstag, 22. Januar 2013

München, Konferenzzentrum

US Pivot towards Asia? Will Obama´s Second Term Bring New Developments?

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Meine HSS

Seite hinzufügen
löschen
 

Stromübertragung für den Klimaschutz

Die von der Bundesregierung eingeleitete Energiewende ist ein großes Experiment, die Frage der Energiegewinnung aber auch von hoher gesellschaftspolitischer Brisanz. Über mögliche Lösungsansätze und Alternativen der Energiegewinnung diskutierten Experten am 8. Februar 2012 im Konferenzzentrum München.

Markus Blume, Heinrich Wienold, Martin Pokojski

Die Energiefrage ist zwar mittelfristig eine gesamteuropäische und in jedem europäischem Land eine gesellschaftspolitische Frage größter Tragweite, aber Deutschland hat als erste europäische Nation beschlossen, aus der Kernenergieversorgung auszusteigen und zugunsten des Klimaschutzes verstärkt auf alternative Energien zu setzen. Deutschland wird somit diesen Weg als erstes bestreiten, erst danach wird  Europa folgen. Deutschland ist somit das Versuchslabor für ganz Europa.

Bei der Verfolgung dieses Ziels, vermehrt alternative Energien zu nutzen, muss zwangsläufig eine zukunftsfähige, realisierbare und finanzierbare Lösung für ein neues Energietransportsystem entwickelt werden, um die Problematik der Erzeugungsfluktuation bei Sonnen- und Windenergie kompensieren zu können. Herrscht über längere Zeit Wind oder Sonnenscheinflaute, muss Energie aus anderen, nicht betroffenen Regionen beschafft werden können. Dies geht nur, wenn von Anfang an großräumige Transportwege geschaffen werden, statt bevorzugt in lokale Versorgung zu investieren.

Für dieses Thema hat der VDE mit einer Gruppe aus dreizehn hochrangigen Experten ein Realisierungskonzept zum Netzausbau entwickelt, das als Grundlage für die politische Entscheidungsfindung dienlich sein könnte. Diplomingenieur Martin Pokojski, Experte der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, geht davon aus, dass für den Netzausbau ca. 3.600 bis 4.500 Trassenkilometer neu gebaut werden müssen. Für die Umsetzung dieses Netzausbaus wurden in der VDE-Studie mehrere Alternativen untersucht. Um eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung sicher zu stellen, ist eine Lösung  entlang von Autobahnen und Bahntrassen in einem Overlay-Netz vorteilhaft. Am besten wäre hierbei ein  Tunnelsystem als Basis für weitere Innovationen geeignet. Die Anfangsinvestitionen seien zwar sehr hoch - um ca. 300 % teurer als Freileitungen -  das Tunnelsystem würde sich aber langfristig als innovationstauglich, weil stets nachrüstbar, erweisen, weil neue technologische Entwicklungen ohne neue und teure Umbaumaßnahmen eingeführt werden könnten. Darüber hinaus ist bei einer Tunnellösung eine gesellschaftliche Akzeptanz am wahrscheinlichsten.

Als technischer Lösungsansatz wird daher in der VDE-Studie ein Gleichspannungsnetz mit Gleichspannungsschalter in einem Tunnelsystem vorgeschlagen. Ziel ist dabei eine Overlaystruktur für Deutschland, die als Kern eines europäischen Netzes dienen könnte.

Die Bayerische Staatsregierung setzt für den Fall, dass der zügige Netzausbau für Deutschland zu langsam vorangeht, sicherheitshalber auf eine dezentrale Zwischenlösung, erläutert der Bayerische Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der CSU Wirtschaftskommission, Markus Blume. Die lokale Lösung sieht dabei den Ausbau von Energiespeichern vor. Entscheidend wird hierbei sein, Energie aus unterschiedlichen Quellen (Biomasse, Fotovoltaik, Windenergie, Erdgas) intelligent umzuwandeln, einzuspeisen und zu verteilen.

In Bayern ist zudem die Erdgasstruktur gut ausgebaut. Gastavernen könnten genutzt werden, um Energie zu speichern. Das Kombinieren von Infrastrukturen zusätzlich zum verstärkten Ausbau von Windparks wäre eine solide und finanziell leistbare Übergangslösung. Die Politik will alles daran setzen, dass neben der Netzstabilität und Versorgungssicherheit die Bezahlbarkeit von Energie sichergestellt bleibt. Bayern ist ein Produktionsstandort und schon heute gefährdet der Energiepreis die globale Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Industrie. Andererseits dürften die Kosten der Energiewende nicht dem Privatanwender aufgebürdet werden. Der Umbau der Energieerzeugung und Energieversorgung darf aber nicht nur von Stromerzeugungs- und Verteilungsseite, sondern muss auch von der Verbrauchsseite gesehen werden. Die energetische Sanierung im öffentlichen und privaten Bereich ist politisch zu regeln, Energiesparen muss insgesamt stärker belohnt werden, Energie-Effizienz bedarf der ständigen Verbesserung.

Martin Pokojski fasste die abschließende Diskussion mit dem Fachpublikum kurz und prägnant in einem Satz zusammen: Realisieren statt diskutieren! Dies könnte der Leitsatz für die nächsten Jahre politischen Wirkens und Handelns sein.

Präsentation Martin Pokojski