Kontakt
Referat II/3 Wirtschaft und Finanzen
Dr. Claudia Schlembach
Tel.: 089 1258-309 | Fax: -469
E-Mail: schlembach@hss.de
Publikationen
Aktuelle Veranstaltungen
Visionen für Europa I

- Roland Berger, Hans Zehetmair, Theo Waigel, Markus Ferber und Clemens Verenkotte
Wo liegen die Chancen, wo die Risiken, wo die Gelegenheiten für das Gebilde Europa? Die neue Veranstaltungsreihe „Visionen für Europa“ beschäftigte sich in ihrer Auftaktveranstaltung am 16. Februar 2012 im Konferenzzentrum München mit einer Sondierung der Gemeinsamkeiten und Trennungslinien unter politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlichen Aspekten und stellte die Frage: Haben wir neue Visionen für diesen Kontinent?
Die „Vereinigten Staaten in Europa“, mehr als ein Staatenbund, aber kein Bundesstaat früherer Prägung – das könnte ein Modell für das moderne Europa werden, skizzierte Schirmherr Dr. Theo Waigel bei seiner Auftaktrede zu der Veranstaltungsreihe „Visionen für Europa“. Es fand Zuspruch bei den Podiumsteilnehmern Prof. Dr. Roland Berger und Markus Ferber, die gekommen waren, um gemeinsam über den Tellerrand der momentanen europäischen Misere zu schauen.
Die Reihe soll die Herzensangelegenheit „Europa“ aus unterschiedlichen Blickpunkten beleuchten und eine Orientierung, eine Vision für dieses Gebilde herausschälen, betonte der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Prof. Dr. Hans Zehetmair, bei seiner Begrüßungsrede und übergab an den Moderator des Abends, Dr. Clemens Verenkotte. Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass der Informationsbedarf der Menschen in Sachen Europa immer noch sehr hoch ist, dass mehr Transparenz Not tut, dass die fundamentalen Errungenschaften des Gebildes Europa, allem voran eine jahrzehntelange Phase des Friedens, zu einer Selbstverständlichkeit wurden und damit als Vision nur noch bedingt herangezogen werden können.
Eine Vision aber sei notwendig, betonte Roland Berger: „Europa ohne Vision ist nicht vorstellbar. Nur eine gemeinsame Vision kann die Leute auch mitnehmen.“ Verträge allein, so der Kuratoriumsvorsitzende der Roland-Berger-Stiftung weiter, würden in Europa nichts nützen. Er plädierte für ein klares und sanktionsfähiges Regelwerk, das in entsprechenden Institutionen reflektiert werden sollte.
Dass da von allen Beteiligten noch ein paar Hausaufgaben zu machen seien, konnte Markus Ferber, Europagruppenchef der CSU, sehr eindringlich darlegen. Europa schwingt in seiner Sicht im Spannungsverhältnis von Solidarität, Identität und Subsidiarität. Und das Pendel ist noch unruhig, die Positionen innerhalb der europäischen Institutionen, aber auch der zwischen den „Vereinigten Staaten von Europa“ einerseits und den globalen Herausforderungen unterschiedlicher Mächte, die das Europa einer Stimme fordern, andererseits, sind noch nicht zufriedenstellend diskutiert.
Institutionelle, kommunikations- bzw. medienpolitische Defizite, Schwierigkeiten beim Abgreifen einer immer noch abstrakten europäischen Öffentlichkeit – das sind die aktuellen Probleme. Allen voran, die Euro- Debatte, die, so Berger, eine emotionale ist, und deshalb schnell beendet werden solle. Damit war ein Schlagwort gefallen, das bei aller Sachlichkeit der Diskussion dann doch sehr intensiv mitschwang an diesem Abend. Europa ist, wie Zehetmair zu Anfang betonte, eine Herzensangelegenheit. Wir werden das Projekt immer auch darunter zu betrachten haben. Das macht es nicht einfacher, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir am Ende der Reihe dann doch so etwas wie eine Vision entwerfen können. Dass es an Ideen nicht mangelt, hat der Abend gezeigt.

Themen



