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Welt ohne Weltordnung - die Deutschen Interessen
Am 7. Mai 2012 lud die Hanns-Seidel-Stiftung in Kooperation mit der Clausewitz-Gesellschaft e.V. und der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik zu einer Vortragsveranstaltung über die Deutschen Interessen in einer Welt ohne Weltordnung in das Literaturhaus München ein. Redner war Prof. Dr. Michael Stürmer, Chefkorrespondent „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“, Professor für Mittlere und Neuere Geschichte sowie ehemaliger Berater Bundeskanzler Helmut Kohls.
In seiner Begrüßung verwies der Leiter der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung, Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser, darauf, dass sich in Zeiten, in denen „altbekannte“ Machtpotentiale wie militärische „hard power“ keine Garantie zur Durchsetzung nationalstaatlicher Interessen mehr seien, weltwirtschaftliche Interdependenzen die internationalen Beziehungen immer mehr die Null-Summen-Logik der bipolaren Großmachtkonfrontation ad absurdum führten, aufstrebende Mächte wie China die internationale Landschaft prägten und komplexe, transnationale Herausforderungen von Klimawandel bis Cyber-Bedrohungen nationalstaatliche Alleingänge fruchtlos machten, die Frage stelle, ob sich die Welt auf eine non-polare Weltordnung (Richard N. Haass) zubewege?
Moderiert von Dr. Susanne Fischer vom Institut für Politikwissenschaft an der Universität der Bundeswehr München, zeichnete Prof. Dr. Michael Stürmer ein tendenziell pessimistisches Bild einer Welt ohne Weltordnung. Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges sei nicht das von vielen erwartete „Ende der Geschichte“ (Fukuyama) eingetreten. Stattdessen hätten aufstrebende, aber ihre eigenen Interessen verfolgende, Mächte wie Russland und China, neue sicherheitspolitische Herausforderungen wie islamistischer Terror, Energieknappheit, Proliferation von Massenvernichtungswaffen oder Cyber-war weiterhin einer konzertierten Ordnungsleistung auf internationaler Ebene bedurft, zu welcher der Hegemon USA aufgrund eigener Fehleinschätzung und nachlassender Unterstützung selbst kaum mehr bereit war.
Europas und insbesondere Deutschlands Interessen – freie Handelswege, Sicherheit in Europa und an der Peripherie, Energiesicherheit – würden aber genau einer solchen Ordnungsleistung bedürfen. Da jedoch Berlin und Brüssel nicht über die entsprechenden Machtpotentiale verfügen würden, können weder Deutschland noch die EU jetzt oder auf lange Sicht diese Interessen durchsetzen. Dies sei insbesondere deswegen fatal, weil die transatlantische Schutzmacht USA ohne qualifizierte europäische Unterstützung sich auf ihre eigenen Interessen konzentrieren müsse. Angesichts relativer Machtschwankungen im internationalen Bereich sei Washington also gezwungen sich wesentlich stärker in Richtung des asiatisch-pazifischen Raumes zu orientieren, wodurch Europa und Deutschland noch stärker ins Hintertreffen gerieten.
Die Europäische Union müsste dringend weitere Integrationsschritte vorantreiben, insbesondere auf dem Feld der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Dazu fehle es aber den europäischen Gesellschaften an Bewusstsein und somit an politischem Willen, so Stürmer.
Im Anschluss an die Diskussion, an der sich u.a. General a.D. Klaus Naumann und Staatsminister a.D. Peter M. Schmidhuber beteiligten, rundeten weitere Gespräche bei einem Empfang in den Räumlichkeiten des Literaturhauses den die Veranstaltung ab.

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