Antisemitismus im Netz kommt oft ohne das Wort „Jude“ aus: Ein Saftpäckchen-Emoji, das englisch „juice“ und „Jews“ verbindet, oder „271k“, zu lesen als 271.000 und gemeint als angebliche Opferzahl der Schoa, genügen Eingeweihten, weil sie die Erzählung dahinter kennen, während technische Kontrollen solche Zeichen oft übersehen. Solche Codes sind Umwegkommunikation, und diese ist bereits älter als das Netz. Weil offene Judenfeindschaft in der Bundesrepublik Sanktionen mit sich bringt, weicht sie in Andeutungen aus, ein Antisemitismus, der öffentlich schweigt und privat weiterlebt, wie ihn Werner Bergmann und Rainer Erb als Kommunikationslatenz beschrieben haben. Der Code verbirgt die Botschaft vor Außenstehenden und verbindet die Eingeweihten. Neu ist im Netz, dass der Umweg eine zweite Instanz täuschen muss, die automatische Kontrolle. So wie auf TikTok das Trauben-Emoji für „rape“ steht, um Sperren zu umgehen, steht das Saftpäckchen für „Jews“. Der jüdische Bezug bleibt für Unwissende unklar, und für Filter ebenso.
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