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Internationale Migration – Zwischen Braindrain, Entwicklungshilfe und Steuerungsversuchen

Dr. Stefan Luft

Welche Auswirkungen hat Migration auf das jeweilige Herkunfts- und Einwanderungsland? Lassen sich dabei Unterschiede in der Immigration Hoch- oder Niedrigqualifizierter erkennen? Welche Folgen zeigen sich insbesondere für die nationalen Arbeitsmärkte? Wie kann erfolgreiche Integration der Immigranten von politischer Seite unterstützt werden und welche eventuellen Risiken sind mit diesen Wanderungsbewegungen verbunden? Diesen und weiteren Fragen der aktuellen Braindrain-Debatte stellten sich die Teilnehmer der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung "Internationale Migration –  Zwischen Braindrain, Entwicklungshilfe und Steuerungsversuchen" am 6. Dezember 2007 in Brüssel. Die Veranstaltung zur Migrationsthematik zeigte verschiedene Aspekte der polemischen Diskussion um eine restriktivere deutsche Einwanderungspolitik in Verbindung mit einer Europäischen Einwanderungspolitik auf.

Dr. Stefan Luft, Migrations- und Integrationsexperte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen, widmete sich in seinem Vortrag zunächst den Ursachen und der Entwicklung der internationalen Migration. Anschließend verdeutlichte er am Beispiel der Türkei die Bedeutung von Migration für die jeweiligen Herkunftsländer und ging anschließend auf die Auswirkungen der Migration von Hochqualifizierten sowie die allgemeine Integrationsproblematik ein. Der Wissenschaftler wies darauf hin, dass gerade niedrig qualifizierte Zuwanderer häufig die Situation der nationalen Arbeitsmärkte verschärfen und forderte entsprechend restriktivere Kriterien für deren Zulassung. Es müssten zunächst die "gravierenden Probleme" der bereits langfristig aufhältigen Immigranten gelöst werden, bevor eine weitere Aufnahme erfolge könne, so Luft. Der Autor zahlreicher Publikationen zum Thema plädierte entsprechend für eine Verbesserung der Integration der Niedrigqualifizierten im Bildungswesen und damit zusammenhängend auf dem Arbeitsmarkt. Für die hoch qualifizierten Immigranten stelle sich die Situation anders dar. Diese Gruppe könne in Form einer "brain circulation" zu einer Rückkehr in ihre Herkunftsländer motiviert werden und damit zu der erforderlichen Annäherung der strukturellen Rahmenbedingungen zwischen Herkunfts- und Einwanderungsland beitragen. Nur durch diese Abnahme von ökonomisch-sozialen Unterschieden sei eine, Win-win-Situation für beide Seiten zu erreichen.

Dr. Stefan Luft und Jakob von Weizsäcker

Jakob von Weizsäcker, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bruegel Instituts in Brüssel, unterstütze in seinem Kommentar zu Dr. Lufts Aussagen dessen Forderung nach einer stärkeren Unterstützung des Staates für die Integration niedrig qualifizierter Einwanderer in Deutschland. Kritisch sah er hingegen die Kernthese, eine restriktive deutsche Einwanderungspolitik zu verfolgen, solange das Integrationsproblem ungelöst ist. Er warnte vor der Tendenz, allgemeine gesellschaftliche und soziale Probleme auf Migration zurückzuführen. Die Migrationsthematik müsse stets aus drei Perspektiven (Herkunftsland, Einwanderungsstaat und Immigranten selbst) betrachtet und entsprechend politisch angegangen werden. Der Wirtschaftswissenschafter erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass mehrere wirtschaftliche Erfolge in Deutschland dank der Unterstützung von hoch und niedrig qualifizierten Einwanderern erzielt wurden. Durch eine restriktive Migrationspolitik im "globalen Wettbewerb um die besten Köpfe" würde sich Deutschland entsprechend selbst schaden. Von Weizsäcker plädierte stattdessen für einen guten Qualifikationsmix von Einwanderung in die EU, der auch der Integration Abhilfe verschaffen könnte. Darüber hinaus bezeichnete er die kürzlich von der Europäischen Kommission vorgeschlagene "Blue Card" - welche die Zulassung von Hochqualifizierten auf den EU Arbeitsmarkt regeln soll ? als eine Möglichkeit, einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Qualifikationsmixes der Einwanderung in die EU zu leisten.

In der anschließenden Diskussion brachte Bernd Hemingway, Regionaler Repräsentant der  Internationalen Organisation für Migration (IOM) bei der EU, den wichtigen Aspekt der umfangreichen Süd-Süd-Migration auf dem afrikanischen Kontinent hinzu. Gleichzeitig warnte er vor einer zu restriktiven Einwanderungspolitik. Eine Verbindung von gelungener Migrations- und Integrationspolitik sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene sei die Grundvoraussetzung für die von allen Seiten angestrebte Win-win-Situation, so Hemingway. Andere Diskussionsteilnehmer merkten zudem kritisch an, dass politische Restriktionen zu einer Verstärkung der illegalen Einwanderung führten. Zudem wiesen sie auf die Bedeutung der Bildung für eine erfolgreiche Integration hin und forderten eine verstärkte Förderung der Mehrsprachigkeit, angelehnt am Vorbild der Europaschulen.

Die Experten und Teilnehmer waren sich einig, dass eine erfolgreiche Integration nur als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen und geleistet werden könne. Diesen Aspekt unterstrich Martin Kastler, Referatsleiter für Entwicklungspolitische Grundsatzfragen und EU-Projektkoordinierung der Hanns-Seidel-Stiftung in München, in seinem Schlusswort zur Veranstaltung. Gerade die Hanns-Seidel Stiftung als christliche politische Stiftung sehe sich in der Verantwortung beim Thema "Migration, Flüchtlinge, Vertriebene und Opfer des Menschenhandels". Entwicklungspolitik sei ein Stück weit Innenpolitik und damit auch Migrations- und Sozialpolitik. Papst Benedikt XVI. gab unlängst anlässlich des Welttages der Migranten und Flüchtlinge am 13. Januar 2008 bekannt, dass es "die größte Herausforderung sei, jungen Menschen zu helfen, [...] sich das anzueignen, was ihrer menschlichen  kulturellen und beruflichen Bildung diene.? Dies, so der Papst, sei die "nötige Grundlage für eine korrekte Eingliederung in die neue soziale, kulturelle und berufliche Umwelt". Daher unterstütze die Hanns-Seidel-Stiftung weltweit viele Berufsbildungsmaßnahmen, um jungen Menschen berufliche und persönliche Perspektiven zu eröffnen, so Kastler.