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Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

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Islam und die westliche Welt: Gemeinsame Herausforderungen für eine Partnerschaft

Ingo Friedrich bei der Eröffnung der Veranstaltung

Am 16. April 2008 veranstaltete die Verbindungsstelle Brüssel der Hanns-Seidel-Stiftung eine Podiumsdiskussion zum Thema ?Islam und die westliche Welt: Gemeinsame Herausforderungen für eine Partnerschaft?. Die Konferenz in den Räumen der deutschen Botschaft widmete sich dem besonderen Verhältnis zwischen Orient und Okzident und den Grundlagen einer Zusammenarbeit zur Lösung der gemeinsamen Probleme und Herausforderungen.

Zur Eröffnung wandte sich Dr. Ingo Friedrich, Quästor und Mitglied im Präsidium des Europäischen Parlaments und stellvertretender CSU-Parteivorsitzender, an das Publikum. Er beschäftigte sich mit einer zentralen Frage im interkulturellen Dialog: Der Kompatibilität von islamischen und westlichen Werten. Dazu formulierte er ein "europäisches Lebensmodell" unter den Stichpunkten sozialorientierte Marktwirtschaft, fairer Wettbewerb, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung. Auch wenn auf diesen Gebieten noch keine Einigkeit herrsche, betonte der Parlamentarier die Erklärung von gemeinsamen "unverrückbaren Weisungen" der Weltreligionen: Gewaltlosigkeit, Solidarität, Toleranz und Chancengleichheit. Auf dieser Grundlage sieht er die Möglichkeit, dass die westliche und die islamische Welt die Probleme der Zukunft gemeinsam bewältigen können, denn Stabilität und Menschenrechte seien gemeinsame Herausforderungen.

Prof. Dr. Mohamed Kerrou

In seiner Rede urteilte Prof. Dr. Mohamed Kerrou, Sozialwissenschaftler an der Universität Tunis, dass die Vorstellung eines "clash of civilizations" einer gründlichen Überarbeitung bedürfe, da es sich eher um ein Aufeinanderzusteuern als um eine Kollision handle. Diese Theorie bestätige die jüngste Entwicklung in der Region: Eine wachsende Alphabetisierung, ein Rückgang der Geburtenrate und die Krise der islamischen Familie mit einer schwindenden Autorität des Vaters zeichne die europäischen Entwicklungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach.

Den Karikaturenstreit und den Film "Fitna" des niederländischen Politikers Geert Wilders ordnet der Redner als undienliche Affären im Dialog der Kulturen ein, denn viele Muslime sähen in ihnen eine offizielle Kriegserklärung, die eine Verständigung unmöglich mache. Im Falle des Wilders Film ließe sich aber eine Veränderung im Verhalten beider Seiten erkennen: Sogar die öffentliche Meinung in Europa sei negativ und die europäischen Muslime hätten gelassener auf die Provokationen reagiert, ja teilweise sogar humorvoll. Diese Entwicklung griff der Redner in seinen Schlussworten wieder auf, in denen er den europäischen Islam als Vorbild für eine Öffnung und Modernisierung des gesamten Islams hervorhob.

Podium der Veranstaltung

Der deutsche Botschafter und Hausherr Prof. Dr. Reinhard Bettzuege hob die jahrzehntelangen Bemühungen der Bundesrepublik um einen Dialog mit dem Islam hervor, zudem sich in jüngster Zeit die Deutsche Islamkonferenz gesellt hat. Dieser Dialog solle nicht zu einer gemeinsamen Meinung, aber zu einer verbesserten gesellschaftlichen Integration führen, damit sich die Muslime als Deutsche fühlen könnten. Im außenpolitischen Dialog sieht der Botschafter die gemeinsamen Interessen des Westens und der islamischen Welt an einem Interessensaustausch, um Stabilität und Sicherheit für die Menschen zu gewährleisten. Auch die Globalisierung verängstigt die Menschen auf beiden Seiten und ist  ein wichtiger Themenkomplex im Diskurs.

Dr. Michael Köhler, Islamexperte und Professor am College of Europe, betonte, dass die Qualität der Beziehungen eines Landes zu Deutschland nicht von der Religion abhängig sei, sondern vielmehr von den politischen Interessen. So seien viele Fragen, die die beiden Kulturkreise Islam und Westen gemeinsam lösen müssten, wie etwa Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung, Friedenssicherung und Migration, keine islamischen sondern nachbarschaftliche Themen. Ein Beispiel für die Verbindung von westlichen mit islamischen Werten sei die afghanische Verfassung. Die traditionellen Kräfte, die in der Loya Jirga versammelt waren, suchten die Scharia in der Verfassung zu verankern, während gleichzeitig die USA die Menschenrechte in ihr manifestiert haben wollten. Den entstandenen Kompromiss bezeichnet Köhler hoffnungsvoll als Vorbild für die Zukunft.

Teilnehmer der Veranstaltung

Die Diskussion eröffnete Moderator Martin Kastler, Leiter des Grundsatzreferats des Instituts für internationale Begegnung und Zusammenarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung, in deren Verlauf der Botschafter von Eritrea die Situation in seinem Heimatland, welches jeweils zu 50 % christlich und islamisch geprägt sei, als gelungenen interreligiösen Dialog darstellte. Allerdings wies ein anderer Diskussionsteilnehmer auch auf die dort immer schwieriger werdende Situation zwischen den Konfessionen hin. Prof. Kerrou betonte die Bedeutung der Imame bei der Modernisierung des Islams. Eine tolerante Ausbildung und eine Autonomie von der Politik seien auch im Hinblick auf die Multiplikatorenrolle der Geistlichen wichtig. Die Vertreterin des Verbandes der Muslimischen Frauen in Europa rief dazu auf, dass die in Europa lebenden Muslime ihren Platz in der Gesellschaft aktiv wahrnehmen sollten.

Die lebhafte Diskussion zeigten die Aktualität des Themas und die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit komplexen Fragen, die im Zeitalter der Globalisierung alle Menschen, ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit, betreffen und für die es nur gemeinsame Lösungen auf der Basis einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit geben kann.