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Without God – Where is Europe Heading?

Dr. Michael Ramsden

Skeptizismus und Werterelativismus sind europaweit im Vormarsch. Das, was in der Diskussion innerhalb der einzelnen Mitgliedsstaaten noch als nationale Vorlieben abgetan werden kann, bekommt, beispielsweise in der Diskussion um die Präambel im europäischen Verfassungsvertrag, in der es um die Richtung Gesamteuropas geht, eine ganz neue Relevanz. Jetzt, wo im Reformvertrag auf alle Symbole verzichtet wurde, stellt sich die Frage, was unter europäischer Identität, unter europäischen Werten zu verstehen ist. Kann man von einer gesamteuropäischen Identität sprechen? Wo werden in Zukunft "Europäer" ihre Identität verankern, in einer Welt, die immer schnelllebiger wird?

Im Rahmen des Symposiums "Without God - Where is Europe heading"? der Verbindungsstelle Brüssel in Zusammenarbeit mit dem ForumBrussels wurde am Donnerstag, den 28.Februar 2008 darüber nachgedacht, ob und wo christliche Werte in Gesellschaft und Politik heute noch relevant und bedeutsam sind und wie die Werteorientierung wieder stärker in die öffentliche und besonders auch politische Debatte eingebracht werden kann.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Dr. Ingo Friedrich, Quästor und Mitglied im Präsidium des Europäischen Parlaments und stellvertretender CSU-Parteivorsitzender. Dieser wies in seiner Einführung darauf hin, dass wir Gott als Kompass für eine "gute" Gesellschaft benötigen. So müssten gerade gesellschaftliche Themen auch unter religiöser Perspektive betrachtet werden. Daher nannte er als große Herausforderungen für Europa den demografischen Wandel in einem Atemzug mit einem aggressiver werdenden Atheismus, der sich in Büchern wie "Der Gotteswahn" von R. Dawkins ausdrückt. Er rief dazu auf, den "European way of life" zu verteidigen.

In einer ebenso humor- wie gehaltvollen Rede gab der Hauptredner Dr. Michael Ramsden  einen kurzen Abriss über die Rolle von Religion in Europa. Er stellte die philosophische Tradition Westeuropas, die religiöse Überzeugungen zuerst privatisiert und dann abgeschafft hätte, der Einstellung der ehemals kommunistischen Staaten Europas gegenüber, die die Beseitigung der Kirche als Notwendigkeit zur Erreichung ihres Endziels ansahen.  Heute seien die Gedanken vieler Personen bzgl. Gott, Religion und Politik durch die ansteigenden Spannungen mit dem Islam geprägt.

Die Frage "where is Europe heading" beantwortete er aufgeteilt in drei Hauptaspekte:

  • Ethos: In welche Richtung lenken wir bzgl. ethischer Fragen? Welche Werte dominieren, wenn Gott abwesend ist? Christliche Werte würden mittlerweile oftmals nicht nur als überholt angesehen, sondern sogar als gefährlich und bedrückend angeprangert.
  • Pathos: Warum steigt unsere Zufriedenheit nicht mit zunehmendem Wohlstand? Was motiviert uns und was macht unser Leben lebenswert?
  • Logos: Was ist der Rahmen und die Weltsicht, die wir verwenden, um unsere Welt zu beschreiben? Haben wir ein Mittel, eine Art und Weise, ein Logos, das uns hilft unsere Zeit adäquat zu interpretieren und zu verstehen?

Mit dem Vermerk, dass das Paradigma mit welchem wir die Welt, die Gesellschaft betrachten, enorme Einflüsse auf ihr Sein hat und Europa sich überlegen müsse, welche Brille es aufsetzen wolle, schloss Ramsden seine Rede und übergab das Wort an Katharina von Schnurbein, die die anschließende Diskussion leitete.

Die Diskussionsrunde

Auf eine der einleitenden Fragen "Is Europe without god"? antwortete Franck Debié, Generaldirektor der "Fondation pour l'innovation politique" in Paris, mit der Feststellung, dass in vielen der Mitgliedsstaaten der EU ein Gottesbezug in der Verfassung verankert sei und man somit nicht davon sprechen könne, in Europa ohne Gott zu sein. Er vertrat in der Diskussion klar die laizistische Position Frankreichs, dass Glauben seinen Platz nicht im öffentlichen, staatlichen Raum, sondern im privaten Bereich habe. Nur so könne die Neutralität des Staates gewährleistet werden.

Dem stellte Kathy Sinnoth, MEP aus Irland, die Behauptung entgegen, dass der Glaube an einen Gott und in erster Linie das Gottesbild, das man selbst habe, die eigenen Handlungen entsprechend präge. So beeinflusse der Glaube an einen persönlichen, liebenden Gott auch ihre Handlungen als Politikerin und die Themen, für die sie sich einsetze.

Hier schloss Dr. Frank Turner, Leiter des europäischen Verbindungsbüros der Jesuiten in Brüssel, an, dass es dementsprechend durchaus einen Unterschied mache, an welchen Gott man glaube, bzw. durch welche Religion eine Gesellschaft geprägt sei. Er forderte eine klare Position des Staates, gerade in religiösen Fragen: für ihn stelle das keinen Gegensatz zur notwendigen Neutralität des Staates dar.

Dr. Michael A. Köhler, stellvertretender Kabinettschef von Kommissar Borg, betonte ebenfalls dass der Glaube die Art der Politik beeinflusse. Auf die Frage, ob es denn überhaupt noch die Hoffnung auf ein Christentum in Europa gäbe, erwiderte er, dass Europa sich keineswegs auf dem Weg zum Atheismus befände, sondern sich nur die Art der Religion geändert habe. Diese sei nicht mehr stark an Kirchen und Öffentlichkeit gebunden, sondern privater geworden.

Die Diskutanten waren sich darin einig, dass es in Europa klarere Statements zu Religion geben müsse, da sonst, wie Ramsden es ausdrückte, kein respektvoller und freier Dialog möglich sei.

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