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Referat V/1 Grundsatzfragen, Büro Brüssel, östliches Mittelmeer
Dr. Dietmar Ehm
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Afrika 2025
Die Entwicklung Afrikas bis 2025 sei laut Dr. Jakkie Cilliers, Direktor des renommierten südafrikanischen Thinktanks "Institute for Security Studies", nicht losgelöst von großen globalen Trends wie Klimawandel, multipolare internationale Ordnung, Einfluss nicht-staatlicher transnationaler Akteure und Interdependenz der Staaten.
Die Zukunftsaussichten Afrikas waren Gegenstand einer Expertenrunde um Dr. Christian Ruck, entwicklungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, am 11. Februar 2009 in Berlin. Die Veranstaltung bildete den Auftakt für das ins Leben gerufene Forum der Arbeitsgruppe ?Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung? der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und des Instituts für Internationale Begegnung und Zusammenarbeit (IBZ) der Hanns-Seidel-Stiftung. Christian Hegemer, Leiter des IBZ, betonte bei der Begrüßung, Ziel des Forums sei es, noch stärker als bisher wissenschaftliche Expertise und praktische Erfahrung, die u.a. die Hanns-Seidel-Stiftung mit ihrem weltweiten Engagement sammle, zu verknüpfen und den entwicklungspolitischen Entscheidungsträgern in Berlin zur Verfügung zu stellen.
Die positive Prognose Dr. Cilliers für Afrika basierte vor allem auf den innerafrikanischen Trends der letzten Jahre. In ihnen zeige sich das Potenzial für eine Verbesserung der Situation des Kontinents. Zu oft werde allerdings nur Negatives über Afrika berichtet; zu wenig Augenmerk liege in der Berichterstattung auf Fortschritten und Positivem. An erste Stelle sei hier die rückläufige Zahl an gewaltsamen Konflikten vor allem für Subsahara-Afrika zu nennen. Zwar erstrecke sich ein Gürtel von innerstaatlichen Konflikten von Senegal, Guinea, Mali, Niger und Nigeria, über Tschad, Sudan, DR Kongo Richtung Äthiopien und Somalia, doch sinke vor allem im Vergleich zu den frühen 1990er Jahren die Zahl der Auseinandersetzungen und Toten.
Auch die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas sei in den letzten Jahren in Gang gekommen. Besonders für die Länder mit Rohstoffvorkommnissen zeige sich ein positiver Trend, der auch Investoren anlocke. Allerdings sei im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise wieder mit steigender Armut zu rechnen und bleibe die überwiegende Mehrheit der afrikanischen Staaten auf Importe aller Art angewiesen. Auch weiterhin sei der Kontinent deshalb von äußere Hilfe abhängig.
Angesichts der rund 625 Milliarden US-Dollar staatlicher Entwicklungshilfeleistungen (ODA), die seit 1960 nach Afrika geflossen sind, stellte Dr. Ruck die Effektivität der Entwicklungshilfe in Frage und bat um eine Strategieempfehlung aus Sicht der Wissenschaft. Dr. Cilliers plädierte hier vor allem für eine langfristige Perspektive. Neben der Investition in Infrastrukturmaßnahmen empfahl er, die Regierungen in Afrika zu unterstützen, die notwendige Funktionalität von staatlichen Institutionen zu schaffen.
Dabei werde der europäische "Good Governance"-Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit vor allem durch die Desillusionierung der Afrikaner selbst herausgefordert. Nur ein Prozent der Afrikaner glaube noch an eine positive Korrelation von Demokratie und wirtschaftlichem Wohlstand. Deshalb erscheine Chinas eigene Entwicklung wie auch seine Unterstützung für afrikanischer Staaten als attraktive Alternative. Gemäß Cilliers werde Afrika im Jahre 2025 nur ein "Zaungast" in der Weltpolitik sein. Die Reduzierung Afrikas auf die in Europa als bedrohlich empfundene Flüchtlingsproblematik vernachlässige dabei die Chancen, die für das "alternde Europa" in der demographischen Entwicklung Afrikas steckten (2008 lebten 14 % der Weltbevölkerung in Afrika, 2050 werden es 25 % sein). Durch den Aufstieg asiatischer Länder wie China und Indien werde sich die internationale Machtverteilung verschieben und infolgedessen auch Afrika mit seinen 54 Staaten mehr Aufmerksamkeit zu Teil werden. Afrika sei wichtig als Rohstofflieferant, aber auch für Investitionen attraktiv.
Zum Abschluss seines Vortrages stellte Dr. Cilliers heraus, dass das Vertrauen der Afrikaner zu sich selbst von entscheidender Bedeutung für das Wohl des Kontinents sei. Die Menschen müssten zur Überzeugung gelangen, dass sie es schaffen können.

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