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Projekt zur nachhaltigen Entwicklung in Jordanien

Schild des Gemeinschaftsprojektes

Rund 80% Jordaniens sind Wüste. Entsprechend dünn sind diese Regionen besiedelt. Lediglich auf den verbleibenden 20% der Landesfläche, vor allem im Norden und im Jordangraben im Westen, ist Landwirtschaft möglich. Hier lebt - neben dem Großraum Amman, der weiterhin stark im Wachsen begriffen ist - der größte Teil der heute rund 5,9 Millionen Jordanier, die zum überwiegenden Teil palästinensischer Abstammung sind. Mehr als 60% der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre und das Bevölkerungswachstum, das für die zurückliegenden Jahre mit durchschnittlich 2,6 bis 2,8% angegeben wird, wird auch künftig eine der wesentlichen Herausforderungen des Landes darstellen. Darüber hinaus zählt Jordanien zu den vier Ländern weltweit, die die geringsten Niederschlagsmengen zu verzeichnen haben.

Seit dem Jahr 2006 fördert die Hanns-Seidel-Stiftung mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union und zusammen mit ihrem jordanischen Partner, der Royal Society for the Conservation of Nature (RSCN), in der Region von Ajloun, ca. 80km nordwestlich der Hauptstadt Amman, ein Projekt zur Armutsbekämpfung. Der Regierungsbezirk Ajloun wurde 2002 seitens der jordanischen Regierung als einer der ärmsten der 12 Regierungsbezirke Jordaniens identifiziert. Zwar ist seit dieser Zeit eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung zu verzeichnen, doch hat ein nicht geringer Teil dieser Entwicklung zu Lasten der Umwelt stattgefunden. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der Schutz der Fauna und Flora in der Region Ajloun, die u.a. durch das größte zusammenhängende in Jordanien noch bestehende Waldgebiet und eine entsprechende biologische Artenvielfalt gekennzeichnet ist, integraler Bestandteil des Projektes.

Alternative Einkommen

Seifenherstellung

Da mit Jerash, Pella und Um Quais eine Reihe touristischer Attraktionen und mit den Dibeen und Ajloun Forest Reserves zwei der sechs Naturschutzgebiete Jordaniens, die von dem Projektpartner RSCN gemanagt werden, in der unmittelbaren bzw. näheren Umgebung liegen, hat man bei der Planung und Umsetzung der sozio-ökonomischen Aktivitäten den Tourismus und die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Möglichkeiten in die Überlegungen mit einbezogen. Um zu verhindern, dass die in der Region Ajloun lebende Bevölkerung die verbliebenen Waldgebiete und die dort noch vorhandene biologische Artenvielfalt durch Holzeinschlag, Jagd und Brandrodung zum Zwecke der wirtschaftlichen Nutzung weiter dezimiert, war es notwendig, dieser alternative Einkommensmöglichkeiten zu eröffnen und im Bereich der Landwirtschaft alternative Anbaumöglichkeiten aufzuzeigen, die durch einen geringeren Verbrauch natürlicher Ressourcen wie z.B. Wasser und Boden zum Schutz der Umwelt und zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

In den Jahren 2006 bis 2009 sind in den in das Projektvorhaben unmittelbar eingebundenen sechs Dörfern und Gemeinden eine Reihe von Maßnahmen realisiert worden, u.a.

  • die Unterstützung und Beratung bei der Einführung alternativer landwirtschaftlicher Anbau- und Bewässerungsmethoden,
  • die Entwicklung neuer Produktideen und Produkte sowie daraus resultierend die Einrichtung neuer Produktionsstätten, die berufliche Aus- und Weiterbildung der Zielgruppen, die Entwicklung und Umsetzung von Marketingstrategien,
  • die Unterstützung von (klein-) unternehmerischen Vorhaben im Bereich des Tourismus,
  • die Entwicklung und Umsetzung eines Programms zur Öffentlichkeitsarbeit für die in der Region lebende Bevölkerung - aber auch für Regierungs- und Nichtregierungsorganisation sowie politische Entscheidungsträger im Regierungsbezirk Ajloun,
  • die Etablierung eines Mechanismus’ zur Integration eines Modells zur nachhaltigen Nutzung landwirtschaftlicher Ressourcen in den landwirtschaftlichen Beratungsdienst
  • sowie die Aufnahme der Projekterfahrungen in die inzwischen umfassenden Tourismus- und Entwicklungsstrategien für die Region Ajloun, die aktuell von der jordanischen Regierung entwickelt werden.

Seife für Entwicklung

Seife aus Orjan

In den zurückliegenden Jahren wurde eine eigene Marke für Seife und andere Produkte entwickelt, die u.a. auf der Grundlage der in der Region Ajloun verbreitetet angebauten Oliven hergestellt werden (Oliven sind eines der Haupt- und Exportprodukte der jordanischen Landwirtschaft, die Ernte für 2009 wird mit rund 179.000 Tonnen beziffert). Die Produkte, die unter dem neu entwickelten Label "Orjan" vermarktet werden (Orjan ist der Name des Ortes, wo diese Produkte hergestellt werden), haben mittel- und unmittelbar Arbeitsplätze für mehr als 50 Menschen geschaffen bzw. gesichert, wobei die Produktion ausschließlich in weiblicher Hand liegt. Die Produkte werden heute landesweit, u.a. in den großen Hotels und Einkaufszentren in Amman, vertrieben. Bereits nach weniger als einem Jahr war das "Soap-House" in der Lage, kostendeckend zu arbeiten, sodass weitere Kleinstprojekte in Angriff genommen werden konnten.

So wurden ein Kalligraphie-Haus, in dem Touristen Einblicke in die Kunst der arabischen Kalligraphie bekommen und wo diese die Grundzüge der Kalligraphie erlernen können, ein Cafe mit angeschlossener Bäckerei für in der Region typische kleine Backwaren und Süßigkeiten (wobei die Zutaten wiederum aus den landwirtschaftlichen Betrieben der Region kommen), die künftig unter dem neu entwickelten Label "Tasali" vermarktet werden sowie ein Bed & Breakfast, in dem Touristen übernachten können, eingerichtet. Die in der Ortschaft Rassun befindliche Moschee bietet Touristen die Möglichkeit, Einblick in die islamische Religion zu bekommen. Auch diese Einrichtungen werden überwiegend von Frauen betrieben.

Integrative Vernetzung

Das Seifenhaus

Jedes der vorgenannten Kleinstprojekte wurde in einem anderen Dorf in der Region Ajloun angesiedelt. Um die Verbindung der Einrichtungen untereinander und zu dem angrenzenden Ajloun Forest Reserve herzustellen, wurden Wanderwege angelegt, die mit lokalen Führern begangen werden können und die den Touristen die Natur und die Sehenswürdigkeiten der Region (z.B. Ajloun Castle) nahe bringen. Entlang der Wanderwege haben sich wiederum kleine Restaurationsbetriebe angesiedelt, die ihrerseits von der zunehmenden Zahl der Touristen, die in die Waldregion Ajloun kommen, profitieren.

In allen Phasen des Projektes wurde eng mit der lokalen Bevölkerung und den lokalen und regionalen Entscheidungsträgern, aber auch mit dem jordanischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium zusammengearbeitet. Das Projekt, das im Sommer 2010 zum Abschluss gebracht und an den jordanischen Partner übergeben werden wird, ist heute fest in den Entwicklungsplan der jordanischen Regierung für die Region Ajloun integriert.

Unsere Arbeit in Jordanien