Kontakt
Referat V/6 Nordostasien
Willi Lange
Tel.: 089 1258-326 | Fax: -340
E-Mail: lange@hss.de
Publikationen
Aktuelle Veranstaltungen
„Brinkmanship“ - Spiel am Abgrund in Korea?
Granatenbeschuss auf Yongpjong im Gelben Meer
Am Dienstag, den 23. November 2010, hat Nordkorea am frühen Nachmittag mehrere Salven Artillerieschüsse im Gelben Meer (koreanisch: Westmeer) abgefeuert. Im Gegensatz zu ähnlichen Vorkommnissen Anfang dieses Jahres sind die Geschosse dieses Mal nicht nur im Gelben Meer versenkt worden, sondern haben die Insel Yeongpyeong getroffen.
Der südkoreanische Generalstabschef Lee Bung-woo meldete, dass die Granaten von den beiden Stützpunkten Gaemeori und Mudo in Nordkorea in Richtung Südkorea ins Gelbe Meer und auf die Insel abgefeuert worden sind. Das südkoreanische Militär habe entsprechend den Gefechtsregeln zurückgeschossen. Der Generalstab habe Nordkorea vor einer weiteren Provokation gewarnt und warte auf eine Reaktion aus Nordkorea. Der Norden eröffnete das Feuer am Nachmittag um 14:34 für etwa 20 Minuten. Die zweite Runde Artillerieschüsse fing um 15:11 an und dauerte etwa eine halbe Stunde. Die traurige Bilanz am Ende des Tages waren zwei getötete Soldaten, zwei getötete Zivilisten und 19 Verletzte, darunter auch Zivilisten. Auch sind Wohnhäuser auf der Insel beschädigt worden und in Flammen aufgegangen. Ebenso sei ein Feuer im Wald ausgebrochen, hieß es. Dies war das erste Mal seit dem Koreakrieg, dass Nordkorea bei militärischen Aktionen den Tod von Zivilisten bewusst in Kauf genommen hat (vorher, etwa bei der Erschießung einer Touristin im Geumgangsan-Gebirge oder beim Ertrinken südkoreanischen Wanderer, nachdem Nordkorea ohne Vorankündigung die Schleusen eines Stausees im Grenzbereich geöffnet hat, waren es eher zufällige Opfer gewesen).
Das südkoreanische Militär führte seit dem Vormittag des 23. November. eine Routineübung im Westmeer durch. Es ist eine der drei größten Verteidigungsübungen, die Südkorea einmal jährlich durchführt. Die Schießübungen fanden wie gewohnt nur in Richtung Süden statt und begannen auch schon am Tag zuvor. Insgesamt nehmen etwa 70.000 Soldaten daran teil. Möglicherweise war der nordkoreanische Beschuss eine Antwort auf diese sogenannte „Hoguk exercise“, denn bereits am Vormittag hatte sich Nordkorea über diese Übungen als „Vorbereitung auf eine Invasion“ beklagt. Nordkoreas Rhetorik ist routinemäßig blutrünstig, allerdings haben sich in den letzten Monaten in nordkoreanischen Berichten Schlusssätze gehäuft, dass die Rhetorik nicht leer sei und man bereit sei, zu schießen.

Themen
