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Referat V/4 Lateinamerika
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„Die Galápagos-Inseln erklären ihre Unabhängigkeit“
Akademische Simulationen sind in Ecuador bekannt und beliebt. Jedoch wurde bisher stets die Arbeit internationaler Gremien oder Organisationen, wie z.B. der UN-Vollversammlung oder des UN-Sicherheitsrates, spielerisch dargestellt. Studenten simulierten jetzt zweieinhalb Tage lang die Arbeit des ecuadorianischen Parlaments und mussten mit einer handfesten Staatskrise fertig werden.
Die Hanns-Seidel-Stiftung in Ecuador und die Universität San Francisco de Quito haben in einem Pilotprojekt nun einmal versucht, die Arbeit der Asamblea Nacional, des ecuadorianischen Parlaments, als akademische Simulation von politisch interessierten Studenten nachzuvollziehen.
Vertreten in diesem Modell-Parlament waren 62 junge Studierende aus sechs Universitäten des Landes. Neben einem kompletten Tag der Vorbereitung verhandelten und debattierten die „Abgeordneten“ das gesamte Wochenende vom 19. bis 21. November 2010 über zwei Gesetzesprojekte und eine „ad-hoc-Staatskrise“.
Als reale Vorlagen für die zwei Gesetzesprojekte dienten das neue ecuadorianische Hochschulgesetz und das neue Mediengesetz des Landes.
Parteipolitik spielte bei dieser Simulation einmal keine Rolle. Vielmehr sollten die beiden Gesetze aus der Sicht der 24 Provinzen des Landes diskutiert werden. Jeweils zwei bis drei Studenten schlüpften also in die Rolle als Abgeordnete einer bestimmten Provinz und vertraten deren spezifische Interessen bei der Diskussion der Gesetzestexte. Hierbei stellte sich schnell heraus, dass sich die kleineren, strukturschwacheren Provinzen zu einem Block gegen die „übermächtigen“ und bevölkerungsreichen Provinzen wie Guayas und Pichincha zusammen-schlossen, um ihre Interessen besser wahren zu können.
Während bei formalen Sitzungen des Parlaments Laptops und Handys strikt verboten waren, wurde während der informellen Sitzungspausen auf den Gängen intensiv im Internet recherchiert und mit anderen Abgeordneten verhandelt sowie um genaue Formulierungen für neue Gesetzespassagen gefeilscht.
Die Studenten gewannen einen intensiven Einblick in die Plenararbeit von Abgeordneten; sie lernten rhetorisch durchdacht zu argumentieren, ihre Positionen zu verteidigen, aber auch Kompromisse einzugehen, zu verhandeln und gemeinsam mit Verbündeten im Plenum ihre Position durchzusetzen.
Während die zu behandelnden Gesetzestexte schon während der Vorbereitung den Studenten bekannt waren, traf sie die inszenierte Krise um die „Unabhängigkeitserklärung“ der Galápagos-Inseln völlig unvorbereitet. Hier waren die Fähigkeiten zum Krisenmanagement gefragt, und inwieweit sich alle „Provinzen“ zu einer schnellen und vor allem friedlichen Lösung des Konflikts zusammenschliessen könnten.
Nach einigen harten Debatten und Verhandlungen konnten die Vertreter der restlichen 23 Provinzen die Abgeordneten der Galápagos-Inseln zu einem Verbleib bei Ecuador bewegen. Die „Staatskrise“ konnte also abgewehrt werden.

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