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Die Zukunft der Informationsgesellschaft: Innovation im Dienst der Kultur

Von den Anfängen des Buchdrucks bis hin zu Rundfunk und Fernsehen trug der technologische Fortschritt dazu bei, den Zugang zu kulturellen Inhalten zu verbreitern. Die Kunstschaffenden erschlossen sich neue Märkte und nutzten die neuen Medien zur Verbreitung ihrer Werke. Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich mit dem Internet. Informationen werden global und eine breite Öffentlichkeit erhält ein umfängliches Angebot von Inhalten unterschiedlicher Natur. Im Spannungsfeld von Urheberrechten der Autoren, Leistungsschutzrechten der Verleger und Informationsbedürfnissen vor allem der jungen Generation müssen weitreichende Fragen sich ändernder Mediennutzungsgewohnheiten geklärt werden. Das kulturelle Erbe Europas wandelt sich und verlangt nach Antworten der Politik.

Zur Diskussion über die Zukunft der Informationsgesellschaft lud die Hanns-Seidel-Stiftung am 1. Juli 2010 in die Bayerische Vertretung in Brüssel ein. Die Vorträge übernahmen die französische Europaabgeordnete Marielle Gallo sowie der Google-Vizepräsident und Europachef Philipp Schindler. Am anschließenden, von Focus-Korrespondent Stefan Borst moderierten, Podiumsgespräch nahm auch Herve Dupuy, Kabinettsmitglied der EU-Kommissarin Neelie Kroes, teil.

Marielle Gallo
Marielle Gallo

Marielle Gallo charakterisierte die Gegenwart als eine neue Etappe der Technologisierung. Das Internet trage maßgeblich zur Globalisierung der Welt bei, womit sich Chancen, aber natürlich auch Herausforderungen und Risiken verbänden. Ihr grundsätzliches Ja zum Internet verknüpfte die Europapolitikerin mit der Mahnung, die intellektuellen Rechte von Autoren zu respektieren. Das Netz müsse der wilden Aneignung von Autorenrechten Einhalt gebieten. Zweifellos wirke die Perspektive der Digitalisierung ganzer Bibliotheksbestände wie ein Faszinosum und eröffne durch den kostenlosen Zugang für alle Nutzer neue Businessmodelle. Doch die offenen Rechtsfragen bedürften klarer juristischer Regelungen, damit innovative Entwicklungen wirklich im Dienste der Kultur und der Kulturschaffenden stünden. Aus ihrer Skepsis gegenüber der ausschließlich digitalisierten Form der Informationsgewinnung bis hin zur Bücherlektüre machte Gallo keinen Hehl. Die Politik werde jedoch die Entwicklung neuer Medien nicht aufhalten. Die Einrichtung einer Arbeitsgruppe Internet in der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament unterstreiche die Bedeutung dieses neuen Mediums. Eindeutig sprach sich Marielle Gallo gegen Steuerregelungen im Rahmen der notwendigen ordnungspolitischen Regulierung des europäischen Internetmarktes aus.

Google-Vizepräsident und Europachef Philipp Schindler
Google-Vizepräsident und Europachef Philipp Schindler

Philipp Schindler wies mit Zahlen über Internetnutzer, Suchanfragen, Mobiltelefone und neue Kommunikationsmittel wie Smartphones auf die laufende Revolution in der Informationsgesellschaft hin. Dieser Trend zur digitalisierten Welt und zur intensiven Techniknutzung werde anhalten. Der Konsument gebe die Geschwindigkeit vor, Google erarbeite die konkreten Umsetzungsmöglichkeiten einschließlich der jeweiligen Monetarisierungsmodelle, ohne Zensur auszuüben. Damit werde ein demokratischerer Zugang zu Informationen geschaffen und eröffneten sich neue Bildungschancen. Google habe sich die Wahrung des Weltkulturerbes zum Ziel gesetzt und kooperiere mit ausgewählten Bibliotheken, um etliche Millionen Bücher zu scannen. In diese Großprojekte seien bislang fast ausschließlich gemeinfreie Bücher, also Bücher mit erloschenen Autorenrechten, einbezogen, auch wenn es bereits Grundsatzverträge zur Honorierung von Autorenrechten gebe. Bei Google nehme, so Schindler, der Schutz des intellektuellen Eigentums einen hohen Stellenwert ein. Der globale Informationszugang stoße häufig noch auf technologische und sprachliche Zugangsbarrieren, an deren Überwindung das Unternehmen arbeite. Es liege auf der Hand, dass traditionelle Geschäftsmodelle Veränderungen scheuten. Ein Blick auf den Zeitungsmarkt, der durch den Online-Vertrieb innovative Impulse erfahre, indiziere deutlich die Chancen der Digitalisierung. Die Zeitungsbranche würde nicht davon profitieren und mehr gedruckte Exemplare verkaufen, wenn es den Internetmarkt nicht gäbe. Diese Win-Win-Situation gelte laut Philipp Schindler auch für andere Medienbereiche.

Das Podium
Philipp Schindler, Stefan Borst, Marielle Gallo und Herve Dupuy

Herve Dupuy erläuterte die Position und die Initiativen der Europäischen Kommission, um den Chancen und Risiken der digitalen Agenda richtig zu begegnen. Zur Förderung von Innovationen, Forschung und Entwicklung im digitalen Sektor habe die Europäische Kommission ein milliardenschweres Investitionsförderprogramm aufgelegt, das die Markteinführung neuer Technologien in den nächsten 10 bis 15 Jahren erleichtern solle. Eine spezielle Arbeitsgruppe, der auch Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, angehöre, werde bis Ende des Jahres einen Bericht zur Regelung praktischer Fragen der Digitalisierung vorlegen. Grundsätzlich herrsche in der Kommission die Auffassung, dass der Staat und die Privatunternehmen keine Konkurrenten seien. Das privatwirtschaftliche Projekt Google Books und der Aufbau einer digitalen europäischen Bibliothek Europeana seien parallele, komplementäre Initiativen, die beide den schnellen und offenen Kulturzugang zum Ziel hätten.

In der abschließenden Diskussion artikulierten die Konferenzgäste die Sorge, dass die Marktdominanz von Google auch zu Machtmissbrauch durch das Unternehmen führen könne. Die Datenspeicherung bei der Erstellung der WLAN-Listen sei zwar von Google bedauert worden und werde auch offen als Fehler bezeichnet. Die Angst vor der Omnipräsenz von Google habe dadurch aber neue Nahrung erhalten. Der Datenschutz müsse beim Nutzer beginnen, indem Daten, von denen man nicht wolle, dass sie in falsche Hände gelangten, erst gar nicht ins Netz kämen. Der verantwortungsvolle Umgang mit den neuen Medien im digitalen Zeitalter müsse richtig gelernt und gelehrt werden. Das große Schlagwort der Zukunft laute Medienkompetenz, so das übereinstimmende Fazit von Referenten und Publikum.