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Referat V/4 Lateinamerika
Christina Müller-Markus
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Ecuador: Parlament würdigt 25-jähriges Engagement der Stiftung
Im Namen des ecuadorianischen Parlaments überreichte die Abgeordnete Lourdes Tibán am 10. November 2010 den Orden „Dr. Vicente Rocafuerte“ im ehemaligen Senatssaal der Nationalversammlung an Christian Hegemer, Leiter des Instituts für Internationale Begegnung und Zusammenarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung. Mit dem Preis ehrt das Parlament die Arbeit der Stiftung in den letzten 25 Jahren für mehr soziale Integration und die Stärkung der Zivilgesellschaft in Ecuador.
Die Hanns-Seidel-Stiftung ist in Ecuador seit 1985 tätig. Sie widmet sich in erster Linie der Aus- und Fortbildung des unter Armut leidenden Teils der Bevölkerung. In Ecuador leben mehr als 50 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Besonders schwer von Armut betroffen sind die Indigenen, die schätzungsweise 25 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Stiftung hat sich in Ecuador zur Aufgabe gemacht, die Aufstiegschancen von aus einfachen Verhältnissen stammenden Personen zu verbessern. Seit vielen Jahren vergibt sie Stipendien an begabte und gleichzeitig bedürftige Studenten, welche an renommierten ecuadorianischen Hochschulen studieren.
Mehr als 550 junge Menschen haben seit dem Beginn des Stipendienprogramms im Jahr 1992 mit Hilfe der Hanns-Seidel-Stiftung studieren können. Heute bekleiden viele ehemalige Stipendiaten Führungspositionen in Politik und Gesellschaft.
In seiner Dankesrede betonte Hegemer im Beisein zahlreicher ecuadorianischer Abgeordneter sowie des deutschen Botschafters in Ecuador, Peter Linder: „Den uns heute verliehenen Preis verstehen wir als Ansporn und auch als Verpflichtung, unsere Arbeit in diesem Sinne, im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung in Deutschland, in Ecuador und weltweit fortzusetzen und zu intensivieren.“
Präsentation eines neuen Buches zur „Plurinationalität in Ecuador“
Die Preisverleihung wurde auch zum Anlass genommen, das neue Buch der indigenen Abgeordneten und Alt-Stipendiatin Lourdes Tibán vorzustellen. Mit der Publikation soll ein Beitrag zu einer der fundamentalen politisch-gesellschaftlichen Debatten des Landes geleistet werden: Was genau ist ein interkultureller und plurinationaler Staat? Und wie muss dieser Staat konstruiert und gestaltet werden, damit alle gesellschaftlichen Schichten und Gruppen sich darin wiederfinden?
Politische Gespräche
Christian Hegemer traf sich während seines zweitägigen Aufenthaltes in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito mit zahlreichen Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft. Die Abgeordneten Leonardo Viteri und César Montúfar sprachen mit Hegemer über die jüngsten Gesetzesprojekte der Regierung Correa sowie über die geringen Einflussmöglichkeiten auf die immer autoritärer agierende Regierung. Beim Treffen mit Luis Fernando Torres, dem Vorsitzenden der neuen moderat-konservativen Partei „Movimiento Cambio“, ging es in erster Linie um die Frage, wie man die zerstrittene bürgerliche Opposition in Ecuador wieder stärken könne, damit diese die Rolle der Opposition wieder ernstzunehmend auszufüllen vermag.
Der Generalsekretär der staatlichen nationalen Indígena-Behörde CODENPE, Angel Medina, ebenfalls ein Alt-Stipendiat der Stiftung, sprach mit Christian Hegemer über die Idee des „plurinationalen Staates“ sowie die Herausforderungen bei der Umsetzung dieser Idee in praktische Politik. Er dankte Hegemer ausdrücklich für die Unterstützung der indigenen Völker in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten. Die Stiftung habe mit ihrer Arbeit entscheidend dazu beigetragen, den indigenen Völkern Ecuadors eine kräftige und laute Stimme zu verleihen.
Beim Besuch bei der ehemaligen Interims-Staatspräsidentin und heutigen Vorsitzenden der Partnerorganisation FIDAL (Fundación para la Integración de América Latina), Rosalía Arteaga, stand die Bildungspolitik im Vordergrund. Stiftung und FIDAL führen in Zusammenarbeit mit UNDP seit 2009 ein landesweites Programm zur politischen Bildung von jugendlichen Erstwählern durch.
Intensivere Kooperation mit der Pontificia Universidad Católica de Quito
Seit Jahren arbeitet die Stiftung bereits im Bereich der Begabtenförderung mit der Pontificia Univeridad Católica del Ecuador (PUCE) zusammen. Diese Zusammenarbeit wird nun erweitert. Mit der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät wird die Hanns-Seidel-Stiftung im Jahr 2011 eng kooperieren: Geplant sind gemeinsame Aktivitäten im Bereich des Wissenschaftsaustausches, die Durchführung gemeinsamer sozialer Projekte, insbesondere die Förderung kleiner indigener Wirtschaftskooperativen sowie die Unterstützung des akademischen Nachwuchses mit dem Ausschreiben des Hanns-Seidel-Preises für die beste Abschlussarbeit im Themenkomplex „Soziale Marktwirtschaft“.
Mit Manuel Corrales S.J., dem Rektor der Universität, sprach der Leiter des IBZ auch über das neue ecuadorianische Hochschulgesetz; welches alle Universitäten des Landes stärker dem Willen der Zentralregierung unterwerfen soll.
25-Jahr-Feier
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Engagements der Hanns-Seidel-Stiftung in Ecuador lud die Stiftung zu einer kleinen Feier in die historische Altstadt Quitos ein. In seiner Festsprache würdigte Christian Hegemer die Spuren, welche die Stiftung in den letzten 25 Jahren hinterlassen habe und dankte den lokalen Projektpartnern für ihr herausragendes Engagement. Vom ersten Projektpartner, der Escuela Politécnica Nacional, über eine enge Kooperation mit dem Büro des ecuadorianischen Vize-Präsidenten in den späten 80-er Jahren sowie einer Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von Quito in den 90-ern, entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vielfältiges und buntes Spektrum der Kooperation. Die Stärkung der demokratischen Strukturen des Landes sowie eine bessere soziale Integration aller gesellschaftlichen Schichten sind – damals wie heute – die Säulen der Projektarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung in der Andenrepublik. Für die Zukunft versprach Christian Hegemer, dass die Stiftung in Ecuador auch weiterhin „Spuren hinterlassen“ wolle.

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