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Öko-Siegel nach Clausewitz: Energiewende des Pentagon
Keine Organisation weltweit verbraucht mehr Energie als die amerikanischen Streitkräfte. Dieser Energiehunger gefährdet jedoch zunehmend die militärische Position der Vereinigten Staaten, so dass im Pentagon die Signale auf Grün stehen für eine strategische Energiewende zu mehr Öko samt Klimaschutz. Mit Umweltzonen in Kampfgebieten samt Fahrverboten für veraltetes Kriegsgerät muss nicht gerechnet werden, aber Biomasse-Kampfjets sind mittlerweile ebenso Realität wie Solar-Marines. Dieser Bericht beleuchtet die Hintergründe und zeigt Parallelen sowie Differenzen zwischen den USA und Deutschland.
Das Pentagon in Washington lenkt die mächtigste Armee dieser Welt – und zugleich den größten globalen Energieverbraucher. Zur Veranschaulichung: Mehr als die Hälfte aller UNO-Mitgliedstaaten weisen einen geringeren Energieverbrauch auf als die US-Streitkräfte. Dieser immense Energiehunger entwickelt sich seit geraumer Zeit zu einem wachsenden Problem für das amerikanische Militär – insbesondere der hohe Erdölanteil von 77 Prozent. Laut Pentagon liegt der aktuelle Tagesbedarf an erdölbasierten Treibstoffen bei über 52 Millionen Litern! Zum Vergleich: der Jahresverbrauch der Bundeswehr lag 2009 bei ca. 500 Millionen Litern, was nicht einmal zehn Tagesrationen der US-Armee entspricht.
Trotz des enormen Treibstoffverbrauchs waren die damit verbundenen Kosten lange Zeit kein Thema für das amerikanische Verteidigungsministerium, schließlich machten diese nur einen vergleichsweise geringen Teil der Gesamtbelastungen aus. Mit dem dramatischen Preisanstieg Mitte 2008 auf über 140 Dollar je Barrel Rohöl änderte sich dies schlagartig, bedeutete doch jeder Dollar Preisanstieg für das Pentagon eine jährliche Kostensteigerung von 130 Millionen Dollar, wie US-Verteidigungsminister Robert Gates damals beklagte. Sollte die damalige Preisrallye beim Öl auch nur von kurzer Dauer sein, offenbarten aber die Kosten für den Treibstofftransport der militärischen Einsätze im Irak und Afghanistan ebenfalls eine geradezu explosionsartige Entwicklung. Und dies im doppelten Sinne des Wortes.
So hatten die Gegner der Koalitionstruppen in deren Treibstoffnachschub, mit seinen langen Versorgungsrouten durch unwegsames Gelände, die Achilles-Ferse erkannt und schlugen zu. Insbesondere die Versorgungskonvois aus Pakistan über den berüchtigten Chaiber-Pass des Hindukusch für die ISAF-Truppen in Afghanistan wurden zum beständigen Angriffsziel der Taliban. Entsprechend bindet seither die militärische Sicherung solcher Konvois in zunehmendem Maße militärische Ressourcen.
So berichtete Anfang Oktober bereits die New York Times, dass für manche Gallone Treibstoff – aktuelle Einkaufskosten ca. 1 Dollar – weitere 400 Dollar an Transportkosten anfallen, bevor sie an entlegenen Stützpunkten getankt werden kann. Schwerer als die finanziellen Belastungen wiegen jedoch die personellen. Gemäß einer Studie des Pentagon wird derzeit jeder 24. Treibstoffkonvoi in Afghanistan und Irak mit einem Menschenleben bezahlt!

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