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Power Vision 2050 – Europas Energiesicherheit in der Zukunft

Europas Energiepolitik steht heute vor entscheidenden Weichenstellungen. Die grundsätzliche Zielrichtung ist eindeutig: CO2-freie Energieversorgung zu vertretbaren Preisen. Daraus folgen konkrete Fragen: Wie sieht Europas Energiemix 2050 im energiepolitischen Zieldreieck von Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit aus? Welche Chancen bieten Smart Grids und E-Mobility für die optimale Einbindung regenerativer Energien? Wie groß ist das Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz? Wo liegen prioritäre Forschungs­aufgaben? Und welche Perspektiven eröffnen sich für Europas Industrie und Export?

Das Podium

Vor diesem Hintergrund lud die Hanns-Seidel-Stiftung in Kooperation mit dem VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.) am 2. Juni 2010 zu einer öffentlichen Diskussion über Europas Energiesicherheit ein. Den zentralen Vortrag übernahm Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schröppel, Vorsitzender der Elektrotechnischen Gesellschaft und Leiter der Task Force Power Vision der europäischen Elektroindustrie. Podiumsreferenten waren Markus Blume, MdL, Christophe Schramm, Mitglied der Taskforce 2050 der Generaldirektion Energie in der Europäischen Kommission, sowie Tom Brookes, Direktor des Energie Strategie Zentrums in der Europäischen Klimastiftung. Die Diskussion wurde von Dr. Tom Weingärtner, Brüsseler Korrespondent des Deutschen Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, geleitet.

Langfristig müsse Europa auf die Energieträger Öl, Gas und Uran verzichten, so Wolfgang Schröppel.

Prof. Wolfgang Schröppel verdeutlichte einleitend, aus welchen Gründen Energie zu einem prioritären Thema der politischen Diskussion geworden sei. Die drastischen Folgen der Erderwärmung zeichneten sich immer deutlicher ab, der steigende Ölpreis habe Energie insgesamt verteuert und die fossilen Energieträger verfügten über eine begrenzte Ressourcenreichweite, gingen also in zwei bis drei Generationen zu Ende. Die Europäische Union habe 2007 mit der Zielsetzung 20-20-20 (Energieeffizienz, erneuerbare Energien, CO2-Reduktion) die Richtung vorgegeben, das Europäische Parlament verfolge inzwischen weiter gehende Energieziele. Vor dem Hintergrund der steigenden Energieabhängigkeit Europas und der Instrumentalisierung von Energie als politisches Druckmittel sei Europa aufgefordert, drohende Ressourcendefizite zu vermeiden. Europa müsse innovativ vorgehen und erneuerbare Energien in den Energiemix integrieren. Gewaltige Anstrengungen seien erforderlich, da erneuerbare Energien im Moment nur eine relativ schwache Rolle spielten. Nur zwei von den weltweit führenden fünf Ländern in der Nutzung von erneuerbaren Energien seien EU-Mitgliedstaaten: Deutschland und Spanien. Handlungsbedarf bestehe ferner in den Bereichen Energieeinsparung und Speichertechnologien. Keine Lösung sah Prof. Schröppel im Projekt „Desertech“, da die politische Stabilität in den afrikanischen Standortländern nicht gewährleistet sei und mit einem zunehmenden afrikanischen Energiebedarf gerechnet werden müsse, sowie in der Kernfusion, die sicherlich Perspektiven, allerdings keine Garantie biete. Die Schlussfolgerungen seien für Prof. Schröppel daher eindeutig. Langfristig müsse Europa auf die Energieträger Öl, Gas und Uran verzichten und heute bereits eine ideologiefreie, entpolitisierte Energiediskussion führen.

Markus Blume untermauerte den Anspruch Bayerns auf eine Vorreiterrolle im Klimaschutz.

Der Landtagsabgeordnete Markus Blume untermauerte den Anspruch Bayerns auf eine Vorreiterrolle im Klimaschutz, indem er einen Überblick über die konkreten energiepolitischen Ziele Bayerns bis 2030 gab. Die Kosten des Klimawandels in Höhe von ca. 120 Milliarden Euro erforderten ein konsequentes Gegensteuern. Bayern werde bis 2020 in die Umsetzung der Energiestrategie und des Klimaschutzprogrammes 750 Millionen Euro investieren. Die mittelfristige Zielsetzung laute mehr erneuerbare Energien und höhere Energieeffizienz. Zielkonflikte in den Bereichen Wirtschaftlichkeit, Grundlastfähigkeit und Netzeinspeisung von erneuerbaren Energien seien nicht auszuschließen. Der Schlüssel für innovative Konzepte liege in der Dezentralisierung der Energieversorgung und in vielen kleinen Maßnahmen zur Gebäudedämmung und zur Förderung der Elektromobilität. Diese Gesamtschau vorzunehmen, so Markus Blume, sei originäre Aufgabe der Politik. Ein kritischer Blick auf die Photovoltaiksubventionen offenbare, dass die Gelder besser in Wärmedämmungsmaßnahmen investiert worden wären, um eine energiepolitische Wirkung zu erzielen.

Tom Brookes, Direktor des Energy Strategy Center, stellte wissenschaftliche Studien zum Thema Energieeffizienz vor, die den Zusammenhang zwischen dem Anteil erneuerbarer Energien und den Kosten der Stromversorgung untersuchten. Laut simulierter Szenarien mit entsprechend 40-, 60-, 80- und 100-prozentigen Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromproduktion würde sich das Mehr an regenerativer Energie lediglich in einem 10-prozentigen Strompreisanstieg niederschlagen. Eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien habe keine signifikante Auswirkung auf den Strompreis. Daraus folge, dass wirtschaftliche Bedenken kein Hindernis für Investitionen in erneuerbare Energien seien. Die großen Themen der Zukunft seien Energieeffizienz und Vernetzung Europas. Nationale Regulierungsmaßnahmen brächten keine Lösungen, vielmehr sei die Schaffung eines europäischen Energiebinnenmarktes notwendig, dem ein gemeinsames Netz zum Transport und zur Speicherung von Energie zu Grunde liege.

Christophe Schramm von der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission unterstrich die Wichtigkeit der Energieunabhängigkeit Europas und erläuterte die Strategieplanung der Kommission vor dem Hintergrund einer Energierevolution, für die in den nächsten Jahren die Weichen zu stellen seien. Schlüsselakteure seien die Sektoren Privathaushalte, Städte, Regionen und Industrie, die Christophe Schramm zur öffentlichen Diskussion einlud. Denn nur auf der Basis eines gesellschaftlichen Konsenses könne Europa die verschiedenen Energiemixszenarien realisieren. Die steuernde Hand der Europäischen Union konzentriere sich auf die Bereiche intelligente Netze und Speicherkapazitäten.

Der Einschätzung einer kommenden Energierevolution pflichtete Tom Brookes bei. Europa stehe vor einer grundlegenden Reform des europäischen Energieproduktionsmarktes. Die zentrale Frage, so Prof. Schröppel in seinem Schlusswort, bleibe, ob eine langsame Bürokratie zu schnellem Handeln fähig sei. Integrative Ansätze und gezielte, richtige Anreize durch die Politik könnten aber den nötigen Umsteuerungsprozess bewirken und ein Umdenken in den Köpfen der Menschen veranlassen. Das Fazit der Referenten lautete übereinstimmend, dass in allen Bereichen und auf allen Ebenen Handlungsdruck herrsche und nationale Ansätze in der Energiepolitik zusehends von europäischen Perspektiven abgelöst werden müssten.