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Russlands Rolle im deutschen Einigungsprozess gewürdigt
Aus Anlass des 20. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung führte die Hanns-Seidel-Stiftung am 19. Oktober 2010 in Moskau eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Zeitzeugen der historischen Ereignisse von 1989 und 1990 durch.
In seiner Eröffnungsrede unterstrich der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair, Staatsminister a.D., die herausragende Rolle Russlands bzw. der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika bei der Wiedervereinigung Deutschlands: „Dafür sind wir Ihnen, dafür sind wir Russland unendlich dankbar. Wir werden dies nie vergessen.“ Vor allem Michail Gorbatschow, George Bush und Helmut Kohl hätten die damaligen Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa zutreffend eingeschätzt.
Der ehemalige Botschafter der UdSSR und Russlands in der Bundesrepublik Deutschland, Wladislaw Terechow, verwies in seinem Beitrag auf die große Verantwortung, die das wiedervereinigte Deutschland auf sich genommen habe. Für Russland sei Deutschland ein friedvoller Staat in der Mitte Europas geworden, mit dem man enge Zusammenarbeit in weltweit relevanten Fragen suche. Besonders unterstrich Terechow auch die freundschaftliche und fruchtbare Kooperation zwischen Russland und dem Freistaat Bayern.
Als deutscher Hauptredner ließ der ehemalige Parlamentarische Staatsekretär im Bundesministerium des Inneren, Eduard Lintner, die Ereignisse im Jahr 1989 Revue passieren. Er unterstrich die „demonstrativ friedlichen“ Demonstrationen in der DDR, bei denen Hunderttausende von Menschen für die Freiheit auf die Straße gegangen seien. Eine Hauptrolle für die friedliche Entwicklung schrieb Lintner dem klugen und konsequenten Handeln von Michail Gorbatschow zu, der sich trotz aller inneren Widerstände in der Sowjetunion durchgesetzt habe. „Umso mehr sind wir ihm und seinen Mitstreitern zum Dank dafür verpflichtet, dass er dennoch den Mut, die Kraft und den Weitblick hatte, den Deutschen die Einheit zurückzugeben.“ Man vergesse aber auch nicht die von Anfang an unterstützende Haltung der Vereinigten Staaten von Amerika, so der ehemalige Staatssekretär. Und seit der Wiedervereinigung sei es ein vorrangiges Ziel der deutschen Politik, den europäischen Integrationsprozess zu fördern.
Andrej Klimow, stellv. Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten in der Russischen Staatsduma, blickte auf die Perspektiven der zwischenstaatlichen Beziehungen beider Länder. Als tragende Säule bezeichnete er die Wirtschaftskooperation. Bereinige man die Statistik um die Gelder, die aus Steueroasen nach Russland zurückflössen, so stehe Deutschland bei den Investitionen an erster Stelle. Klimow lobte die bilateralen Projekte im Rahmen des „Petersburger Dialogs“, sprach jedoch auch Befürchtungen der russischen Politik im Hinblick auf die NATO-Osterweiterung, die Probleme auf dem Balkan und den Lissaboner Vertrag der EU an. Er drückte seine Hoffnung auf eine konsequente Weiterführung der engen deutsch-russischen Partnerschaft aus.
Zum Abschluss der zweistündigen Abendveranstaltung plädierte der 1. stellv. Oberbürgermeister der Stadt Moskau, Jurij Rosljak, der auch Präsident der Deutsch-Russischen Gesellschaft ist, dafür, den Brückenschlag zwischen beiden Völkern zu verstärken. Um die erzielten Errungenschaften zu erweitern, setze er vor allem auf die junge Generation, so Rosljak. Er warb dafür, Russland nicht nur als Rohstoffquelle zu sehen, sondern die wirtschaftliche Zusammenarbeit auf eine noch breitere Basis zu stellen.

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