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Von der Wissenschaft zur Wirtschaft
Neue Wege zu Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätzen
Die Fähigkeit, innovative Ideen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen umzusetzen, wird mehr und mehr zum Gradmesser für die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Industrienationen. Gleichzeitig ist sie ein entscheidender Faktor für die Schaffung von Arbeitsplätzen und für wirtschaftliches Wachstum. Die Europäische Union ist sich der zunehmenden internationalen Konkurrenz im globalen Wettbewerb bewusst.
Die Wege zu einem Europa der Innovationen und der Forschung waren Thema einer Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung am 25. März 2010 in der Vertretung des Freistaats Bayern in Brüssel. Referent des Abends war Dr. Rudolf Strohmeier, stv. Generaldirektor in der Generaldirektion für Forschung und Innovationen der Europäischen Kommission. An der Podiumsdiskussion beteiligten sich Prof. Dr. Dr. h.c. Franz Durst, Geschäftsführer der FMP Technology GmbH und emeritierter Professor der Universität Erlangen, sowie Bastian Vomhof, Student des 11. Jahrgangs der Bayerischen EliteAkademie.
In seiner einleitenden Grundsatzrede nahm Dr. Strohmeier die ambitionierten Ziele der EU-2020-Strategie zum Anlass, um den Handlungsbedarf Europas und die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Strategie zu illustrieren. Gewisse unscharfe Formulierungen in diesem Dokument seien der Kompromissfindung auf europäischer Ebene geschuldet. Auch dürfe eine beginnende Subsidiaritätsdiskussion jetzt nicht zu einer Verzögerung der Umsetzung führen. Vielmehr werde Europa am Ergebnis gemessen, nicht an komplizierten Kompetenzabgrenzungen.
Die EU definiere sich als Innovationsunion, zu deren nationalen Zielen die Schaffung eines europäischen Forschungsraumes gehöre. Brüssel konzentriere sich auf die Rahmenbedingungen eines Binnenmarktes für Forscher und Technologien, um die Mobilität innerhalb Europas zu erhöhen. Vielfach seien Wissenschaftler im Falle eines Wechsels ihrer Forschungsstandorte mit erheblichen sozialrechtlichen Problemen konfrontiert, die sie nicht selten von diesem Schritt dann auch abhielten. Der Forschungs- und Innovationsplan der Kommission setze sich die stärkere Garantie von intellektuellen Eigentumsrechten zum Ziel und orientiere sich an den Schwerpunktthemen Klimawandel, Energieversorgung, Nahrungsmittelsicherheit und demografische Herausforderungen.
Laut Dr. Strohmeier verfüge Deutschland über hervorragende Forschungsarbeiten, leide jedoch daran, dass eine Promotion meist einem Endstadium gleiche, in dem der Schritt von der Forschung zur Innovation nicht mehr erfolge. Die Kommission rege daher Maßnahmen zur öffentlichen Innovationsförderung an und plädiere auch für europäische Fördermittel zur patentanwaltlichen Beratung. Eine direkte Projektförderung, wie von vielen Jungforschern gerne gewünscht, werde es aber durch die Kommission nicht geben. Damit würde man nur Parallelstrukturen auf europäischer und nationaler Ebene aufbauen, ohne die knappen Ressourcen effizient einzusetzen. Die Gründerförderung müsse national bzw. regional sein, die Nationalstaaten seien für innovationsfördernde Clusterbildungen in den Regionen verantwortlich und müssten für ein unternehmer- und technikfreundliches Klima sorgen.
Mit Blick auf die Publikationsliste deutscher Professoren als entscheidendes Berufungskriterium mahnte Prof. Dr. Durst mehr Reformen an den deutschen Universitäten an. In die richtige Richtung weise die Exzellenzinitiative des Bundes, die die Forschungsförderung konzentriere. Es seien mehr Anstrengungen dieser Art nötig, auch wenn die bisweilen geäußerte Idee eines europäischen Forschungswettbewerbs einen geringen Nachhaltigkeitswert habe und daher der Nutzen dieser Initiative eher skeptisch zu beurteilen sei. Für die Studierenden machte Bastian Vomhof deutlich, dass die angestrebte bessere Vermarktung von Forschungsergebnissen keineswegs zu einer Ökonomisierung der Universitäten führen dürfe.
Im Rahmen der Diskussionsveranstaltung stellte der 11. Jahrgang der Bayerischen EliteAkademie ausgewählte Projektideen vor, die unter dem Brüsseler Fachpublikum auf großes Interesse stießen. Zu möglichen Geschäftsmodellen der Zukunft gehörten die kostengünstige Rund-um-die-Uhr-Überwachung von Pumpen und Leitungssystemen, die Anfertigung keramischer Prototypen im Schnellverfahren und ein Provisionsmodell zum Spenden für wohltätige Organisationen bei Online-Einkäufen, ohne dafür selbst zu zahlen. Mag auch die Erkenntnis, dass die Europäische Kommission keine konkrete Projektfinanzierung ausschreibt, für manche der anwesenden Jungunternehmer neu gewesen sein; das positive Fazit aller Teilnehmer lautete: Europa muss handeln, um die ehrgeizigen Ziele der EU-2020-Strategie zu erreichen. Bei der Umsetzung kommen auf jede Ebene spezifische Anforderungen zu. Die Aufgaben sind klar verteilt und wurden auf der Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung in Brüssel auch unmissverständlich formuliert.

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