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Bolivien: Konflikt um den Bau einer Straße

Seit mehreren Wochen schwelt der Konflikt um den Bau einer Verbindungsstraße zwischen den Städten Villa Tunari (Departamento Cochabamba) und San Ignacio de Moxos, (Departamento Beni). Ein Teilabschnitt dieser Straße soll den Nationalpark TIPNIS (Territorio Indígena y Parque Nacional Isiboro Sécure) durchqueren. Mit der gewaltsamen Intervention der bolivianischen Polizei am 24. und 25. September 2011 erreichte der Konflikt eine neue Qualität.

Einen Tag danach kündigte Präsident Evo Morales ein Referendum für die zwei Departements Beni und Cochabamba an, ohne jedoch den genauen Termin und die Modalitäten des Referendums näher zu bestimmen. Er verkündete ebenso, dass "so lange es diese nationale Debatte über den TIPNIS gibt und bis die zwei betroffenen Departements über die Zukunft des Straßenbaus entschieden haben, das Projekt auf Eis gelegt werde."

Die Region des TIPNIS wurde 1965 zum geschützten Nationalpark, und 1990 zum indigenen Territorium deklariert. Sie umfasst circa 12.000 km2, die fünffache Fläche des Saarlandes, und beherbergt neben den Ethnien der Moxeños, Yurakarés und Chimanes eine riesige Anzahl an geschützten Tierarten und Pflanzen.

Der Plan für den Bau dieser Schnellstraße existiert schon seit Anfang der 1980er-Jahre. Mehrere Regierungen planten bereits eine Verbindungsstraße zwischen der tropischen Amazonas-Provinz Beni im Norden von Bolivien und dem zentral gelegenen Departement Cochabamba, um den Binnentransport und den Handel mit der wirtschaftlichen Regionalmacht Brasilien anzukurbeln. Diese Straße durch den TIPNIS ist Teil eines nationalen Straßensystems von drei Korridoren, die das zentrale Hochland mit den wichtigen Städten La Paz, Cochabamba, Oruro, Potosí und Sucre mit den bolivianischen Grenzstädten Cobija, Guayaramerín, Puerto Ustárez und San Matías im Norden beziehungsweise Osten des Landes verbinden sollen.

Die geplante Route durch den TIPNIS könnte die Reisedauer von San Ignacio nach Villa Tunari von aktuell 16 Stunden auf 4 Stunden verkürzen. Laut nationalem Regierungsplan sollen diese drei großen Verkehrsprojekte bis zum Jahr 2014, dem Ende der zweiten Legislaturperiode Evo Morales abgeschlossen sein. Dies würde den wirtschaftlichen Handel zwischen den Ländern Peru, Bolivien und Brasilien spürbar verstärken.

Spannung besteht zwischen wirtschaftlichem Fortschritt und Technologie sowie dem mittlerweile auch in der bolivianischen Verfassung verankerten indigenen Grundsatz des "Buen Vivir" (gutes Leben).

Der bolivianischen Regierung scheint es bis jetzt noch nicht zu gelingen, auf einen Kompromiss hinzuarbeiten, der die Entwicklung der Infrastruktur des Landes mit den Interessen der Indigenen des TIPNIS und dem Schutz von Mutter Erde verbindet.

Der ausführliche Bericht "Der Konflikt um den Bau einer Straße durch den Nationalpark TIPNIS und dessen Bedeutung für das politische Klima in Bolivien"

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