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Dialog der Kulturen

Islam und Christentum in Indonesien und Deutschland

Die Vereinbarkeit von Islam und Christentum war Thema eines Expertengesprächs, zu dem die Hanns-Seidel-Stiftung Vertreter verschiedener Konfessionen am 12. September 2011 in München einlud.

Das Podium: Said Aqil Siroj, Alois Glück, Peter Witterauf, Günther Beckstein
Peter Witterauf nimmt für die Stiftung eine Auszeichnung entgegen.

Prof. Dr. Said Aqil Siroj, Vorsitzender der indonesischen Nahdlatul Ulama (NU), mit 40 Millionen Mitgliedern eine der größten islamischen Organisationen der Erde, erläuterte die aktuelle Situation in Indonesien und ging auf Initiativen zur Förderung des interreligiösen Dialogs ein. An der anschließenden Diskussionsrunde beteiligten sich Alois Glück, Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Dr. Günther Beckstein, stv. Synodenpräses der Evangelischen Kirche Deutschlands. Durch die Diskussion führte Dr. Peter Witterauf, Hauptgeschäftsführer der Hanns-Seidel-Stiftung.  

Zehn Jahre nach 9/11 bleibt der Dialog der Kulturen und Religionen eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Indonesien, das bevölkerungsreichste islamische Land der Erde und die drittgrößte Demokratie, wird immer wieder als Musterland der interreligösen Verständigung genannt. Die Spannungen gegenüber Christen und islamischen Minderheiten nehmen jedoch auch in dem pluralistischen Inselstaat zu. In Europa und Deutschland ist die Religion ebenfalls zu einem öffentlichen Thema geworden.

Prof. Siroj ließ die Entstehungsgeschichte der NU und damit auch die Geschichte des Islam in Indonesien Revue passieren. Die NU setze sich für einen friedlichen Staat im Einklang mit der islamischen Lehre ein, unterstützte die in der Verfassung von 1945 eingeführte Staatsideologie Pancasila und wende sich bereits seit der Gründung der Republik gegen die Schaffung eines Islamstaates. Die Radikalisierung einiger Gesellschaftsteile sei jedoch auch in Indonesien nicht zu leugnen, so Siroj. Diese Entwicklung sei insbesondere auf die Rückkehr indonesischer Studenten aus Saudi Arabien zurückzuführen, die dort mit dem wahhabitischen Islam indoktriniert wurden und die Gründung eines Islamstaats ebenso fordern wie die Schließung von Kirchen und die Ausgrenzung von Minderheiten. Die mitgliederstärksten islamischen Gruppierungen in Indonesien erachteten diese Forderungen jedoch weiterhin als für Indonesien ungeeignet und mit den fünf Prinzipien der Pancasila nicht vereinbar. Die Diskussion in Indonesien gleiche daher der in Europa geführten Debatte um das Minarett- und Burkaverbot. Die NU versuche vorurteilsbehafteten Debatten entgegenzuwirken und mit Staatsbürgerkundeunterricht die liberale Auslegung des Islam in die Gesellschaft zu tragen.

Dr. Günther Beckstein betonte, dass die christlich geprägte Tradition Deutschlands dem Grundsatz des gleichen Rechts für alle nicht entgegen stünde. Diesen Grundsatz teilten noch zu wenige islamische Länder. Das Zusammenleben habe sich auch in Deutschland und Europa in der Folge von 9/11 verkompliziert. Vernunft und Glaube seien wieder in Einklang zu bringen. Vor diesem Hintergrund sei die NU als Organisation des islamischen Intellektualismus zu unterstützen.

Alois Glück stellte fest, dass die Globalisierung und die damit verbundenen ökologischen und ökonomischen Abhängigkeiten die Menschen in vielen Lebensbereichen näher gebracht haben. In kulturellen und religiösen Aspekten sei jedoch eine Zunahme an fundamentalistischen Strömungen zu beobachten. Diese Zunahme sei auch mit der Angst vor Identitätsverlust im Zuge der Globalisierung zu begründen und stelle eine Abwehrhaltung dar, die nicht selten die falsche Zielgruppe träfe. Religiöse und politische Entscheidungsträger seien aufgefordert, den kulturellen Dialog weiter zu intensivieren. Glück unterstrich damit die bekannte Aussage des Theologen Hans Küng, dass es einen Frieden zwischen den Völkern ohne einen Frieden der Religionen nicht geben könne.

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