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Referat V/4 Lateinamerika
Christina Müller-Markus
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Ecuador - Stiftungsarbeit in schwierigem Umfeld
Ecuador ist ein Land mit tiefen politischen Rissen und enormen sozialen Unterschieden. Diese bedingen die starke Zerrissenheit und tiefen Spaltungen innerhalb der ecuadorianischen Gesellschaft. Die Herkunft entscheidet in hohem Maße über die persönliche Zukunft. Ein „Ausbrechen“ aus der eigenen sozialen Schicht ist zwar möglich, aber ohne fremde Hilfe nur sehr schwer realisierbar.
Auch politisch zieht sich seit Beginn der sogenannten „Revolución Ciudadana“ von Staatspräsident Rafael Correa ein tiefer Graben durch die Gesellschaft Ecuadors. In diesem gesellschaftlichen und politischen Umfeld leistet die Hanns-Seidel-Stiftung einerseits einen Beitrag zur sozialen Integration des unter Armut leidenden Teils der ecuadorianischen Bevölkerung, insbesondere der indigenen Völker. Andererseits unterstützt die Stiftung neue politische Gruppierungen beim Wiederaufbau einer breiten bürgerlich-demokratischen Plattform. Beide Projektansätze sollen helfen, soziale Gräben zu überwinden und pluralistisch-demokratische Strukturen in einem multiethnischen Land wie Ecuador zu festigen.
Um die verschiedenen Projektansätze besser kennenzulernen und sich vor Ort zu informieren, besuchte Dr. Peter Witterauf, Hauptgeschäftsführer der Hanns-Seidel-Stiftung, vom 18. bis 24. November Ecuador. Auf dem Programm standen Treffen mit Abgeordneten und Politikern verschiedenster Parteien und Fraktionen: Mit Lourdes Tibán (Pachakutik), Fernando Aguirre (Sociedad Patriotica), César Montúfar (Concertación), Luis Fernando Torres (Social Cristiano) und Rafael Dávila (Independiente) sprach Dr. Witterauf über die aktuelle politische Entwicklung. Übereinstimmend formulierten die Abgeordneten ihre Sorge über eine zunehmende Schwächung der demokratischen Institutionen und die Gefährdung der Pressefreiheit im Land.
In der Stadt Ambato in der zentralen Bergregion besuchte Witterauf eine Fortbildung der Stiftung für Angehörige und Mitarbeiter kleiner indigener Kooperativen. Diese geben wichtige Impulse zur wirtschaftlichen Entwicklung der indigen geprägten Regionen und Kommunen. Davon überzeugte sich Dr. Witterauf bei einer Führung durch die Kooperative „Mushuc Runa“. Sie verwaltet mittlerweile ein Vermögen von jährlich mehr als 150 Millionen US-Dollar. Ihr Geschäftsführer und Gründer Alfonso Chango ist ein Alt-Stipendiat der Stiftung.
Mit dem Partner CORSIAC (Corporación de Simulaciones Académicas), einer Organisation aus dem akademisch-wissenschaftlichen Bereich, führte die HSS vom 18. bis 20. November 2011 eine akademische Simulation der Arbeit des ecuadorianischen Parlaments vor. In die Rolle der Abgeordneten schlüpften knapp 100 Schüler und Studenten im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Am letzten Tag der Simulation hatten die Teilnehmer die Ehre, in den Räumen des Parlaments in Quito zu tagen.
Rosalia und Claudia Arteaga vom Stiftungspartner FIDAL (Fundación para la Integración de América Latina) informierten Dr. Witterauf über die gemeinsamen Projekte im Bereich „Staatsbürgerkunde für Erstwähler". Außerdem interviewte die auch als Fernsehmoderatin tätige ehemalige Vize-Präsidentin und Bildungsministerin Rosalia Arteaga Dr. Witterauf für ihre Fernsehsendung „Cara a Cara con Rosalía“ („Von Angesicht zu Angesicht mit Rosalía“) über die Arbeit der Stiftung in Deutschland und der Welt.
Während des Aufenthaltes von Dr. Witterauf fand die „Woche des Ökonomen“ in Ecuador statt. In diesem Zusammenhang sprach Dr. Witterauf vor Studenten und Dozenten an der Katholischen Universität in Quito über die aktuelle Eurokrise. Zum gleichen Thema Deutschlands referierte er bei einer Konferenz mit dem Berufsverband der Ökonomen und diskutierte mit ihnen über die Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft für den ökonomischen Erfolg.
An der Katholischen Universität verlieh Dr. Witterauf zum ersten Mal den „Hanns-Seidel-Preis“ für die drei besten Abschlussarbeiten in den Wirtschaftswissenschaften dieser Universität. Der Preis besteht in der Publikation der Abschlussarbeiten und soll nunmehr jährlich vergeben werden.
Im Rahmen seines Projektbesuches informierte sich Dr. Witterauf beim Rat der indigenen Völker Ecuadors, bei den Partnerorganisationen INDESIC (Instituto para el Desarrollo Social y de las Investigaciones Científicas), Alianza Estratégica und dem Thinktank CELAEP (Centro Latinoamericano de Estudios Políticos). Mit dem deutschen Botschafter in Ecuador, Peter Linder, und dem Vertreter der Europäschen Union in Ecuador, Peter Schwaiger, tauschte sich der Hauptgeschäftsführer über die aktuelle Situation in Ecuador aus.
Am 22. November 2011 fand die Einweihung der neuen Büroräume der Hanns-Seidel-Stiftung in Quito statt, in Anwesenheit von Dr. Witterauf, Stipendiaten und Partnern der Stiftung.
Radio-Interview mit Peter Witterauf für Editora Multimedios 106
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