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Innovative Zukunftslösungen für Wirtschaft und Gesellschaft

Das Referentenpodium

Bildung, Forschung und Innovation sind die Grundlage von Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen. Ihre Bedeutung geht jedoch über den ökonomischen Faktor weit hinaus. Ökologische und soziale Herausforderungen bedürfen innovativer Lösungen. Einzelstaatliche Forschungsprogramme stoßen häufig an Finanzierungsgrenzen, daher müssen auf europäischer Ebene Synergien freigesetzt werden. Der Europäische Forschungsraum zielt auf hohe Mobilität von Forschern, auf die enge Verzahnung von Forschung und Innovation, auf kurze Wege zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und auf die Stärkung des Forschungsstandortes Europa ab. Das 8. Forschungsrahmenprogramm (FRP) ab 2014 muss für die Aufgaben der Zukunft die richtigen Akzente setzen. Innovative Zukunftslösungen für Wirtschaft und Gesellschaft waren das Thema einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, die die Hanns-Seidel-Stiftung am 14. April 2011 in der Bayerischen Vertretung in Brüssel durchführte. Als Referenten konnten Dr. Rudolf Strohmeier, stellvertretender Generaldirektor in der Europäischen Kommission, Dr. Ansgar Tietmeyer, EU Beauftragter des Vorstandes der Deutschen Bank, und Prof. Dr. Dr. habil. Anna Reichlmayr-Lais, Akademische Leiterin der Bayerischen EliteAkademie, gewonnen werden. An der vom früheren FOCUS-Korrespondenten Stefan Borst geleiteten Podiumsdiskussion beteiligte sich mit Andreas Wagner auch ein Student der EliteAkademie.

Blick in den Konferenzsaal

Die Analyse der deutschen Innovationsfinanzierung nach der Krise und im internationalen Vergleich zeige laut Tietmeyer deutlich, dass das Wagniskapital im deutschen Finanzsystem unterentwickelt sei und die Rezession zu einer Hemmung der Innovationsdynamik geführt habe. In der Konsequenz ergäben sich Nachteile für klein- und mittelständische Unternehmen, die von der restriktiveren Kreditvergabe in erster Linie betroffen seien. Die mittlere Position Deutschlands im Innovationsindikator sei auch auf kulturelle Unterschiede zwischen den USA und Europa zurückzuführen. Von privater Seite forderte Tietmeyer mehr Risikobereitschaft ein und verwies auf den Wagnisfond der Deutschen Bank in Höhe von 300 Millionen Euro, der nicht ausgeschöpft werde. Der Staat müsse zugleich durch kluge Regulierung und steuerliche Anreize die Rahmenbedingungen verbessern. Eine weitere Komponente der Innovationsförderung sei die Stabilisierung des Bankensystems einschließlich eines konsequenten Krisenmanagements.

Rudolf Strohmeier

Strohmeier verdeutlichte den Handlungsdruck auf europäischer Ebene in der Bildungs- und Forschungspolitik. Ausgehend von alternden Gesellschaften in Europa, von sinkenden Haushaltsmitteln sowie von zunehmender internationaler Konkurrenz durch die USA und China mahnte er eine Bündelung der Kräfte an und forderte einen strategischen Innovationsansatz, der Fortschritts- und Wachstumskriterien anhand ihres Innovationspotentials messe. Europa verfüge zwar insgesamt über eine gute Innovationsbasis, leiste sich aber zerklüftete Strukturen in der Innovationskette, finanziere die Grundlagenforschung ungenügend und weise zu viele Studienabbrecher auf. Mit der EU 2020 Strategie und dem im Lissabon-Vertrag proklamierten europäischen Forschungsraum verfolge die EU ambitionierte Ziele, auch wenn man heute, so der europäische Forschungsexperte, leider noch nicht von einem europäischen Binnenmarkt für Innovationen sprechen könne. Das Bewusstsein für den globalen Wettbewerb um die besten Köpfe sei häufig noch zu gering. Die Tatsache, dass 95% der Forschungsausgaben in Europa auf nationaler Ebene getätigt würden und nur 5% auf die EU-Ebene entfielen, zeige die Dominanz mitgliedsstaatlicher und regionaler Perspektiven. Strohmeier plädierte für eine ehrliche Analyse von Stärken und Schwächen der europäischen Forschungspolitik, woran sich durch internationale best-practice-Vergleiche auch Reformen anschließen müssten. Richtungsweisend sei zum Beispiel der amerikanische Small Business Act, der die öffentliche Auftragsvergabe zur Innovationsförderung nutze. Ferner müsse die Schaffung von mehr Exzellenz-Universitäten in Deutschland von einer aktiveren Drittmitteleinwerbung an den Hochschulen begleitet werden, die sich von der Fixierung auf die Publikationslisten ihres Lehrpersonals lösen sollten.

Präsentation eines Studenten der EliteAkademie

Reichlmayr-Lais präzisierte in ihrem Referat die hochschulpolitischen Reformüberlegungen, indem sie Wege zu mehr betriebswirtschaftlichem Denken im Studium und zu einer engeren Kooperation zwischen Universitäten und Unternehmen skizzierte. Der Student Andreas Wagner ergänzte diese Ausführungen mit seinem Eintreten für die Verankerung von europäischen Förderprogrammen in den Lehrplänen. Denn meist hätten weder Lehrende noch Studierende genügend Kenntnis von den Zielen und Instrumenten der europäischen Forschungspolitik.

Im Rahmen der Diskussion hatten ausgewählte Studenten der Bayerischen EliteAkademie Gelegenheit zur Projektpräsentation. Mit Interesse verfolgte das Brüsseler Publikum ihre innovativen Zukunftslösungen, deren Spannbreite von neuen Recycling-Verfahren für Teflon und Goretexmaterialien über Computersimulationen bei Gehirnaneurysmen bis hin zum Gesundheitsmanagement am Arbeitsplatz und Personalstrategien bei mittelständischen Unternehmen reichte.