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Kolumbien: Gespräche zwischen Regierung und FARC-Guerilla
Am 27. August 2012 verkündete der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos die Aufnahme von „Sondierungsgesprächen“ mit der FARC-Guerilla. Ziel soll ein Friedensvertrag zur Beendigung des mit nunmehr über 50 Jahren längsten bewaffneten innerstaatlichen Konfliktes weltweit sein.
Die Meldung, die durch Santos zunächst per Twitter und anschließend im Rahmen einer Fernsehansprache am 4. September 2012 verbreitet wurde, traf die Öffentlichkeit nicht völlig unvorbereitet, aber doch überraschend:
In den Tagen zuvor hatten einzelne Medien über Geheimverhandlungen auf Kuba berichtet. Dennoch wurde die Bevölkerung und mit ihr selbst weite Teile der Politik von der Bestätigung durch den Präsidenten verblüfft, hatte es doch zuvor keinerlei Signale für einen unmittelbar bevorstehenden Dialog gegeben.
Die Reaktionen auf den Vorstoß waren fast ausnahmslos positiv: Die kolumbianischen Medien feierten die Ankündigung als wichtigste politische Initiative des letzten Jahrzehnts – und zugleich größte und schwierigste Herausforderung.
Die politischen Parteien von Regierung und Opposition begrüßten die Initiative und kündigten ihre Unterstützung an. Und auch die Bevölkerung steht den Verhandlungen mehrheitlich positiv gegenüber.
Die zuvor eher schwachen Umfragewerte von Präsident Santos schossen nach der Ankündigung in die Höhe. Die zweitgrößte marxistische Guerilla-Organisation ELN ließ umgehend verlautbaren, sich den Verhandlungen anschließen zu wollen.
Die Vorgespräche zwischen Regierung und FARC sind weit gediehen: Auf Kuba wurde nach mehreren direkten Verhandlungsrunden eine erste Vereinbarung unterzeichnet, die Kuba und Norwegen als Garantiemächte sowie Chile und Venezuela als begleitende Beobachter für Verhandlungen vorsieht, welche bereits Anfang Oktober in der norwegischen Hauptstadt Oslo stattfinden sollen.
Währenddessen haben die FARC die Teilnahme an den Verhandlungen nun offiziell bestätigt.
Die Hoffnung auf ein Ende des Konflikts überwiegt in der öffentlichen Wahrnehmung gegenüber der begründeten Skepsis angesichts eines halben Jahrhunderts kriegerischer Auseinandersetzung und mehrfach fehlgeschlagener Friedensverhandlungen.
Drei gescheiterte Versuche zeigen, dass ein erfolgreicher Abschluss alles andere als sicher ist.
Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im Mai 2014 hat Präsident Santos nun zwölf bis maximal achtzehn Monate Zeit, die Verhandlungen zum Erfolg zu führen.

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