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Nachhaltige Stadtentwicklung in Buenos Aires
Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Städte verbrauchen weltweit rund 80% der Energie und produzieren über 70% der Treibhausgase. Insofern sind Städte die Hauptverursacher des Klimawandels. Eine nachhaltige Gestaltung des Lebens in Städten mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen dem Schutz der Umwelt, wirtschaftlichen und sozialen Interessen wird zur größten Herausforderung für die Stadtverwaltungen – dies insbesondere in Megastädten, wie sie sich immer häufiger in Entwicklungsländern und aufstrebenden Wirtschaftsmächten finden.
Im Rahmen einer Konferenz der Hanns-Seidel-Stiftung am 26. September 2012 in Brüssel wurden die Herausforderungen an die nachhaltige Stadtentwicklung analysiert und Lösungen am Beispiel von Buenos Aires vorgestellt.
Der Präsident der Agentur für Umweltschutz der Stadtverwaltung von Buenos Aires, Javier Corcuera, stellte das Konzept für Nachhaltigkeit vor, thematisierte aber auch die Schwierigkeiten seiner Stadt, die mit drei Millionen Pendlern täglich entstehen.
Corcuera betonte, alle Megastädte sähen sich mit denselben Schwierigkeiten konfrontiert: Fragen der Energieversorgung, des Transportes, Ressourcenverbrauches, der Emissionen oder Abfallentsorgung. Um ihre Kräfte zu vereinen und einen Wissens- und Erfahrungsaustausch zu verstärken, unterzeichneten die Städte São Paolo, Mexiko Stadt und Buenos Aires auf der UN-Konferenz für Nachhaltigkeit „Rio+20“ im Juni dieses Jahres eine Übereinkunft zur Kooperation in Umweltfragen.
Als Beispiele nachhaltiger Projekte in Buenos Aires nannte Corcuera das Verbot von Plastiktüten, ein kostenloses System öffentlicher Fahrräder sowie den Einsatz von Hybrid-Bussen. Das Thema Mülltrennung habe in der Stadt laut Corcuera eine starke soziale Komponente, da nachts insbesondere arbeitslose, drogenabhängige und marginalisierte Jugendliche Müll sammelten und wieder verkauften, um sich so ein geringes Einkommen zu verschaffen. Dies verdeutlicht die Komplexität der Herausforderungen in Lateinamerika.
Generell sei Buenos Aires mit seinen täglich knapp 6.000 Tonnen Müll überfordert. Zur Zeit würden davon aufgrund mangelnder Kapazitäten nur ca. 12% recycelt, der Rest werde auf Mülldeponien in den angrenzenden Provinzen gelagert.
Corcuera, der zuvor viele Jahre für WWF (World Wilde Fund For Nature) tätig war, betonte, dass für den Erfolg der Nachhaltigkeitsstrategie von Städten neben den technischen Neuerungen ein Umdenken der Bevölkerung hin zu einem verantwortungsbewussteren Konsum nötig sei. Hier könne Lateinamerika viel von Europa lernen, daher schätze er den Austausch auf EU-Ebene sehr.
Adrianus Koetsenruijter, neuer Abteilungsleiter für die Mercosur-Länder im Europäischen Auswärtigen Dienst, stellte mit Bedauern fest, dass die EU im Bereich der internationalen Kooperation nicht sehr aktiv im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung sei. Brasilien sei zwar aufgrund seiner geopolitischen Rolle und Größe ein strategischer Partner der EU. Es gäbe noch viel Raum für neue Projekte und Kooperationen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz. In diesem Sinne werde die EU interessiert die lokalen Initiativen beobachten und sei bereit, im politischen Dialog zu vermitteln.
Die anschließende Diskussion mit den Konferenzteilnehmern thematisierte die Rolle der Zivilgesellschaft, die Bedeutung fachspezifischer Trainingsangebote und Strategien zur Dezentralisierung oder die Begrünung von Städten.
Im Rahmen der Konferenz fand ein Dialogprogramm statt. Hier tauschte sich Javier Corcuera mit Vertretern der Europäischen Kommission, den Generaldirektionen Umwelt und Entwicklungszusammenarbeit und dem Europäischen Parlament zu konkreten Möglichkeiten der Kooperation aus.
Corcuera unterstrich dabei, dass es seiner Stadt mehr um einen Erfahrungs- und Wissensaustausch mit Europa ginge als um Mobilisierung von Finanzmitteln.
Während eines Besuches des Siemens-Atriums in Huizingen stellte das Unternehmen seine innovativen technischen Lösungen für nachhaltiges Gebäudemanagement und E-Mobilität vor.
Corcuera zeigte sich sehr zufrieden über die vielseitigen Anregungen und Kontakte, die er während seines Aufenthalts in Brüssel für seine weitere Arbeit erhalten habe.
Für die Hanns-Seidel-Stiftung werden Projektaktivitäten im Umwelt- und Klimaschutz zunehmend bedeutender bei der Kooperation mit unseren Partnerländern in Lateinamerika.

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