Marokko erfährt gerade eine dynamische Entwicklung. Das Land setzt auf Reformen, wie die Förderung der Gleichberechtigung und den Ausbau des Sozialstaats. Für die bayerische Wirtschaft bietet Marokko große Chancen, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien, Automobilindustrie und Pharmazie. Gleichzeitig zeigt sich eine starke Motivation marokkanischer Fachkräfte, nach Bayern zu kommen, um dort beruflich Fuß zu fassen. Vorbereitende Integrationsmaßnahmen vor Ort spielen dabei eine Schlüsselrolle, um den Erfolg dieser Zusammenarbeit langfristig zu sichern.
Die Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer, MdL, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Landesentwicklung, Energie, Medien und Digitalisierung, Carolina Trautner und Dr. Andrea Behr trafen marokkanische Entscheidungsträger, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Bayern und Marokko zu diskutieren. Die HSS sprach mit Kerstin Schreyer, MdL, über ihre Erfahrungen und Eindrücke auf dieser Reise.
Im Interview: Kerstin Schreyer, MdL
"Marokko hat enormes Potenzial"
Kerstin Schreyer, MdL, stellvertretende Vorsitzende der HSS
© Kerstin Schreyer
1. Wie waren Ihre Eindrücke von Marokko? Was hat Sie überrascht?
Was mich besonders beeindruckt hat, war das Nebeneinander von modernen und traditionellen Einflüssen, das Marokko auf so selbstbewusste Weise miteinander verbindet. Es war faszinierend, zu sehen, wie viel Dynamik im Land herrscht: steigende Tourismuszahlen, die Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 und der ehrgeizige Plan, sich stärker als Sozialstaat zu etablieren, um die schwächsten Teile der Bevölkerung besser zu unterstützen. Auch die angestrebte Reform des Familienrechts, die die Gleichberechtigung von Männern und Frauen fördern soll, zeigt, wie sehr sich das Land in Bewegung befindet. Für uns vielleicht ungewohnt, aber von zentraler Bedeutung für diese Entwicklung ist die Rolle von König Mohammed VI., der mit seinen Reformimpulsen einen wichtigen Beitrag für Marokko leistet.
Auch Ausflüge wie der Besuch der Moschee Hassan II in Casablanca - eine der größten Moscheen weltweit - standen auf dem Programm der Delegation
© HSS
2. Welche Potentiale sehen Sie für die bayerische Wirtschaft in Marokko?
Marokko hat enormes Potenzial für die bayerische Wirtschaft, vor allem durch seine Rolle als Brücke nach Europa und Tor nach Westafrika. Besonders vielversprechend ist der Bereich der erneuerbaren Energien, einschließlich grünem Wasserstoff. Das Land hat die Chance, nicht nur seinen eigenen Energiebedarf nachhaltig zu decken, sondern auch grünen Strom nach Europa zu exportieren. Der Aufbau entsprechender Anlagen und Infrastruktur eröffnet dabei spannende Möglichkeiten für die deutsche Wirtschaft. Auch der Automobilsektor, insbesondere für Zulieferer, bietet interessante Perspektiven. Im Pharmasektor wiederum ist es für uns von strategischem Interesse, die Produktion näher an Europa zu verlagern, um die Versorgungssicherheit langfristig zu stärken. Insgesamt bietet Marokko ein breites Spektrum an Chancen für innovative und zukunftsorientierte Kooperationen.
Die Delegation besuchte auch das Sozialzentrum ATEC in Casablanca und diskutierte anschließend zum Thema Chancengleichheit und Frauenpolitik
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3. Ist in Marokko angekommen, dass wir in Bayern Fachkräfte brauchen? Was brauchen wir, damit es in Zukunft noch besser mit der Anwerbung läuft und die Integration von Fachkräften funktioniert?
Ja, die Botschaft, dass wir in Bayern Fachkräfte brauchen, ist in Marokko definitiv angekommen. Die Deutsche Botschaft erhält mehr Anträge, als sie bearbeiten kann, und die Zahl der Deutschschulen, die auf ein Studium oder die Arbeitsaufnahme in Deutschland vorbereiten, ist stark gestiegen – so sehr, dass es mittlerweile sogar einen Mangel an Deutschlehrern gibt. Während meines Aufenthalts habe ich zahlreiche hochmotivierte junge Marokkanerinnen und Marokkaner getroffen, die nicht nur intensiv Deutsch lernen, sondern sich auch fachlich und interkulturell auf eine Ausbildung im Pflegebereich in bayerischen Einrichtungen vorbereiten. Solche Vorintegrationsmaßnahmen im Herkunftsland sind von großer Bedeutung, denn sie vermitteln den Menschen ein realistisches Bild davon, was sie hier erwartet – das ist ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Integration.
von links: Dr. Andrea Behr, MdL, Karim Zidane, marokkanischer Staatsminister für Investitionen, Kerstin Schreyer, MdL, und Carolina Trautner, MdL
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