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Unsere starken Frauen im Ausland
Von Bayern nach Jakarta

Autorin/Autor: Julia Berger

Julia Berger arbeitet seit 2010 für die Hanns-Seidel-Stiftung. Angefangen hat sie als Projektkoordinatorin in Ghana, wohin ihr Studium der Afrikanistik, Politikwissenschaften und Ethnologie sie geführt hatte. Von 2015 bis 2020 war sie für die HSS in Tansania als Auslandsmitarbeiterin tätig. Danach wechselte sie nach Südostasien. Dort ist sie seither für das Projekt Indonesien zuständig.

© Julia Berger

HSS: Warum haben Sie sich für Indonesien als HSS-Projektland entschieden?

Mein Interesse an Indonesien begann bereits in meiner Schulzeit durch die Brieffreundschaft mit einem Mädchen aus Jakarta. Leider brachen ihre Briefe an mich 1997/1998 ab und damals realisierte ich noch nicht, dass dafür die großen innenpolitischen Veränderungen in Indonesien verantwortlich waren: Indonesien litt besonders stark unter der asiatischen Finanzkrise und diese Entwicklung bedingte letztendlich den Wechsel von der Suharto-Diktatur zu einer demokratischen Reformbewegung. Als die Projektleiterstelle für Indonesien frei wurde, sah ich dies als Gelegenheit, mich mit dem Land näher auseinanderzusetzen. Seither konnte ich mir durch unsere Projektarbeit vor Ort und durch viele Fachgespräche einen vertiefenden Einblick in die bewegte Geschichte des Landes verschaffen. 
Zudem hat mich die Zusammenarbeit der HSS im Umweltbereich mit dem ASEAN-Sekretariat interessiert, weil ich auf diese Weise Einsichten in regionale Tätigkeiten der verschiedenen Mitgliedstaaten erhalten konnte. 

Das Team Indonesien in Jakarta am 15. Mai 2023

©HSS Indonesien

Ist es schwierig, sich in einer männerdominierten Welt durchzusetzen?

Tatsächlich hatte ich das große Glück, in Ghana als Projektkoordinatorin erste Arbeitserfahrungen zu sammeln – einem Land mit sehr selbstbewussten und unabhängigen Frauen, gerade auch im Partnerspektrum der HSS. Das war mit Sicherheit eine gute Grundlage für die weitere Arbeit. 
Leider gibt es in vielen Berufszweigen noch immer beträchtliche Geschlechterunterschiede in Managementpositionen, obwohl Frauen in Leitungspositionen oft positiv zur Entwicklung von Organisationen beitragen, indem sie durch einen partizipativen Führungsstil Kollaboration und Innovation fördern. Auffällig ist zum Beispiel, dass in der Internationalen Zusammenarbeit Führungspositionen nach wie vor oft von Männern besetzt sind. So habe ich in den 14 Ländern, mit denen ich in meiner gesamten beruflichen Tätigkeit befasst war, bisher erst einmal eine Frau als deutsche Botschafterin angetroffen. 

Bei männlichen Institutionsleitern höheren Alters bin ich zu Beginn meiner Tätigkeit bisweilen auf stereotypische Vorstellungen über Frauen gestoßen, die auf einem veralteten Rollenverständnis basieren. In solchen Situationen empfand ich es als sehr hilfreich, mich im Nachhinein mit anderen Kollegen in ähnlichen Positionen auszutauschen. Ich denke, je häufiger so ein Austausch stattfindet, desto einfacher fällt es in solchen Situationen, angemessen zu reagieren. 
Auch Organisationen selbst können eine entscheidende Rolle spielen, indem sie intern Anreize zur Verbesserung der Geschlechtergleichberechtigung schaffen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Besonders Führungspositionen verlangen oft einen hohen zeitlichen und persönlichen Einsatz, der für Frauen mit Kindern eine Herausforderung darstellen kann. Manche Arbeitgeber etablieren daher gezielte Anreize wie Netzwerke und Mentorenprogramme, um weibliche Mitarbeitende zu unterstützen. 

Workshop mit dem Umweltministerium Indonesien in Bumi Serpong Damai am 16.7.2024

©HSS Indonesien

Was konnten Sie schon erreichen?

Ich hoffe, dass meine bisherige und zukünftige Arbeit dazu beitragen kann, solche Unterschiede zu verringern. Ich habe in der Vergangenheit positive Rückmeldungen von Praktikantinnen, Mitarbeiterinnen und Programmteilnehmerinnen erhalten, dass sie sich durch eine Auslandmitarbeiterin inspiriert fühlen, selbst später Führungsverantwortung zu übernehmen – was mich natürlich sehr stolz macht. Wo es möglich ist, versuche ich, bei der Planung und Durchführung von Aktivitäten auf eine ausgewogene Verteilung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu achten oder sogar gezielt Projekte zur Frauenförderung zu konzipieren, wie zum Beispiel das Projekt „Women Leaders – Power of Change“, für welches wir uns in Tansania erfolgreich auf eine Förderung der EU bewerben konnten. Das Projekt hat in den Jahren 2019 und 2020 Frauen aus unterschiedlichen politischen Parteien gezielt geschult und gefördert, um die Anzahl von Politikerinnen langfristig zu erhöhen.

Persönlicher Tipp für Frauen in der Arbeitswelt

Frauen sind oft schnell bereit, Freiwilligenarbeit zu übernehmen. Wird dieselbe Arbeit jedoch als offizielle Stelle ausgeschrieben mit entsprechender Bezahlung und Führungsverantwortung, schrecken viele Frauen zurück, weil sie denken, nicht qualifiziert genug zu sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, die eigene Comfort Zone zu verlassen und sich neue Aufgabenbereiche zuzutrauen. 

Kontakt

Projektleitung: Julia Berger
Marokko
Projektleitung
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