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Im Zentrum sieht man ein Kreuz in einen Kasten, wie es auf Wahlzetteln üblich ist. Daneben steht „So werden die Sitze im Parlament verteilt“. Am rechten Rand sieht man die Kartenumrisse von Deutschland in den Farben Schwarz Rot Gott und eine gezeichnete Silhouette von Berlin.

georgerudy;Mediteraneo; HSS; AdobeStock

Ihr Weg zur Wahlentscheidung

Bundestagswahl 2025: So informieren Sie sich gezielt über Inhalte

Zahlreiche Parteien treten bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 an, um im Bundestag die Politik mitzugestalten. Manche sind bekannt, andere noch ziemlich neu auf der politischen Bühne. Wo finde ich Informationen über die Parteien, ihre Programme und Kandidaten? Was unterscheidet sie voneinander?

Wen oder was wähle ich eigentlich – welches Programm steht hinter welcher Partei?

Durch die Wahlrechtsreform, die bei der Bundestagswahl erstmals angewendet wird, ist die Bedeutung der Zweitstimme noch größer geworden. Der Wähler sollte sich also genau über die Programme der Parteien informieren, denn diese wollen die Abgeordneten im Parlament auch umsetzen. Dazu können Sie sich die jeweiligen Grundsatzprogramme ansehen, die Sie auf den Internetseiten der Parteien abrufen können. Für wichtige Wahlen wie diese Bundestagswahl stellen die Parteien in der Regel auch zusätzlich aktuelle Wahlprogramme auf, die die konkreten Vorhaben für die neue Legislaturperiode aufführen. 

Bei neu etablierten, kleineren Parteien sind diese Programme häufig knapp und weniger aussagefähig. Wegen der vorgezogenen Wahl werden die Wahlprogramme voraussichtlich erst kurzfristig in den kommenden Wochen präsentiert werden. Es lohnt sich also, die Online-Auftritte der Parteien immer wieder mal zu konsultieren.

Auch die Direktkandidaten stellen auf ihren persönlichen Internetseiten ihre speziellen inhaltlichen Schwerpunkte vor. Es lohnt sich, die Seite der Kandidaten, die Sie interessieren, anzusehen.

Wo finde ich Informationen über die Parteien und deren Wahlprogramm?

Seriöse Medien bieten im Vorfeld der Wahlen gut recherchierte Informationen und Hintergrundberichte. Umfragen zeigen immer wieder, dass sich ein großer Teil der Wählerinnen und Wähler zumeist bei Zeitungen oder im Fernsehen über Politik informiert. Die „sozialen Medien“ werden zwar als Informationsgrundlage immer wichtiger, aber tiefgehende Betrachtungen, etwa über Parteiprogramme, sind dort weniger zu erwarten. Es ist kein Zufall, dass sich hier extremistische und populistische Parteien tummeln: Kurze Propagandavideos bei TikTok sind einfacher herzustellen als ausführliche, intelligente Analysen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht zwei bis drei Wochen vor der Wahl den sogenannten Wahl-O-Maten. Dieser ist ein interaktives Online-Tool, das Wählerinnen und Wählern hilft, sich im Vorfeld einer Wahl über die Positionen der verschiedenen politischen Parteien zu informieren. Sie können eine Reihe von Fragen zu aktuellen politischen Themen beantworten und angeben, wie sie zu den einzelnen Aussagen stehen – ob sie zustimmen, neutral sind oder die Positionen ablehnen. Nach Beantwortung der Fragen vergleicht der Wahl-O-Mat die eigenen Positionen mit denen der teilnehmenden Parteien. Das Ergebnis zeigt auf, welche Parteien in den Themenbereichen am ehesten mit den persönlichen Ansichten übereinstimmen.

Der Wahlkampf und die Medien

Im Wahlkampf gibt es wieder Talkshows und Diskussionsrunden, in denen mehr oder weniger bekannte Politiker auftreten und ihre Positionen darlegen. So wichtig diese Formate auch sind: Machen Sie sich auch mit Hilfe alternativer Informationsquellen ein Bild. So wird es beispielsweise in Ihrem Wohnort Infostände geben, bei denen Sie direkt mit den Kandidatinnen und Kandidaten ins Gespräch kommen können. Es ist wichtig, sich gründlich und möglichst umfassend über die vielfältige Parteienlandschaft zu informieren. Seriöse, etablierte Parteien werden ihre Programmatik offen präsentieren. 

Bei den Parteien an den Rändern ist dagegen Vorsicht geboten: Das Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie steht bei manchen Parteien in einem diffusen Licht – man denke an Äußerungen einzelner AfD-Politiker, die nicht unserem Demokratieverständnis entsprechen und zudem auch häufig nicht in deren offiziellen Wahlprogrammen stehen.
So wird die AfD vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft und darf mit nachrichtendienstlichen Mitteln beobachtet werden. Dies wird (laut Oberverwaltungsgericht Münster im Mai 2024) auch damit begründet, dass die Partei Bestrebungen verfolgt, die sich gegen die Menschenwürde bestimmter Gruppen und gegen das Demokratieprinzip richten. Insgesamt seien Anhaltspunkte für demokratiefeindliche Bestrebungen erkennbar.

Demokratie braucht seriöse Informationen

Wir haben eine Fülle von Möglichkeiten, um uns über Parteien und ihre Kandidaten zu informieren. Wer diese Möglichkeiten nutzt, wird Desinformation, gezielte Falschinformationen und ideologische Wertungen durchschauen. Diskutieren Sie auch im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis, um sich ein umfassenderes Bild zu machen. 

Bedenken Sie auch: Je besser Sie selbst informiert sind, desto stärker beeinflusst das auch Ihre Umgebung. Das beste Mittel gegen Populisten und Extremisten sind Demokraten, die ihre Entscheidung auf der Basis von Fakten treffen.

Über den Autor Dr. Gerhard Hirscher

Dr. Gerhard Hirscher hat Politikwissenschaft studiert. Nach Promotion und Postdoktorandenstipendium bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft arbeitete er in der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung mit dem Schwerpunkt Parteien- und Wahlforschung. Seit 2020 leitet er bei der Stiftung das Referat für „Grundlagen der Demokratie, Parteienentwicklung, Wahlforschung.

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