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WrightStudio; HSS; Adobe Stock

Was ist Deep Learning?

Deep Learning Definition — einfach erklärt

Deep Learning ist ein Teilbereich des maschinellen Lernens und eine Schlüsseltechnologie der künstlichen Intelligenz (KI). Es basiert auf künstlichen neuronalen Netzen (KNN), die durch Algorithmen gesteuert werden und von der Funktionsweise des menschlichen Gehirns inspiriert sind.

Deep Learning ermöglicht es, große Datenmengen zu analysieren und daraus komplexe Muster zu erkennen. Daten werden dabei in mehreren Schichten von Neuronen verarbeitet, wodurch das Netzwerk lernt, Zusammenhänge und Strukturen in den Daten zu verstehen.

Deep Learning wird verwendet, um Bilder zu analysieren, Texte zu verstehen und präzise Entscheidungen zu treffen – häufig ohne menschlichen Eingriff. Anwendungen finden sich in der Bildverarbeitung, Spracherkennung, Medizin und sogar in der Vorhersage von Markttrends.


Erklärvideo Deep Learning

Was steckt hinter dem Konzept Deep Learning und wo begegnet uns diese Technologie im Alltag? Dr. Julian Wörmann, Senior Researcher von der fortiss GmbH, forscht im Bereich Deep Learning und erklärt uns im Video die Grundlagen von Deep Learning.


Factsheet Deep Learning zum Download


Über den Experten Julian Wörmann

Julian Wörmann

Julian Wörmann ist stellvertretender Leiter des Kompetenzfeldes Maschinelles Lernen bei der fortiss GmbH. Seine Forschungsinteressen im Bereich des Repräsentationslernens konzentrieren sich auf Anwendungen in der Signalverarbeitung, Computer Vision und Bildverarbeitung sowie der Mustererkennung. Die Anwendungsgebiete reichen vom autonomen Fahren, über Smart Energy bis hin zu Business Analytics. An sein Bachelorstudium der Medientechnik knüpfte er seinen Masterabschluss in Elektrotechnik und Informationstechnik an der Technischen Universität München an, wo er 2019 zum Dr.-Ing. promoviert wurde.

 


Wie funktioniert Deep Learning? – Schritt für Schritt

Künstliche neuronale Netze einfach erklärt – Das Herzstück von Deep Learning

Ein künstliches neuronales Netz bzw. Netzwerk (KNN), im Englischen Deep Neural Network (DNN), bildet die Grundlage des Deep Learning. Es besteht aus mehreren Schichten von Neuronen (Knoten), die miteinander verbunden sind. Jeder Knoten verarbeitet Daten, wendet eine Aktivierungsfunktion an und gibt die Ergebnisse an den nächsten Knoten weiter. Durch Algorithmen und gewichtete Verbindungen lernen die Knoten, die relevanten Informationen aus den Daten zu extrahieren.

Aufbau eines künstlichen neuronalen Netzes

Ein künstliches neuronales Netz besteht aus drei Hauptkomponenten.

  • Eingabeschicht (Input Layer): Die Eingabeschicht dient der Aufnahme der zu verarbeitenden Daten. Hier werden die Rohdaten, wie Bilder oder Texte, in das Netzwerk eingespeist.
  • Verborgene Schichten (Hidden Layers): Diese Schichten analysieren die Daten und extrahieren zunehmend tiefere Merkmale.
  • Ausgabeschicht (Output Layer): Die Ausgabeschicht liefert die finale Vorhersage oder Kategorisierung, z. B. ob ein Bild eine Katze oder einen Hund zeigt.

Die Eingabe- und Ausgabeschichten eines tiefen neuronalen Netzwerks werden auch als sichtbare Schichten bezeichnet.

Warum „tief“? – Die Bedeutung der tiefen Schichten in neuronalen Netzen

Der Begriff „Deep“ in Deep Learning bezieht sich auf die vielen verborgenen Schichten im neuronalen Netz. Während einfache Netze nur wenige Schichten besitzen, können tiefe Netze Hunderte oder sogar Tausende Schichten haben. Diese Tiefe ermöglicht es, Daten auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen zu verarbeiten:

  • Frühe Schichten erkennen grundlegende Merkmale wie Kanten oder Farben.
  • Tiefere Schichten kombinieren diese Merkmale, um komplexe Strukturen wie Gesichter oder Objekte zu identifizieren.

Durch diese Hierarchie können tiefere neuronale Netze wesentlich komplexere Muster und Zusammenhänge erkennen als flachere Modelle.

Vorwärts- und Rückwärtsausbreitung im Deep Learning

In diesem Schritt werden die eingegebenen Daten nach vordefinierten Regeln und Deep Learning-Modelle werden in einem iterativen Prozess trainiert, der aus Vorwärts- und Rückwärtsausbreitung besteht.

1. Vorwärtsausbreitung (Forward Propagation)

Die Eingabedaten durchlaufen das Netzwerk – sie starten in der Eingabeschicht, durchlaufen alle verborgenen Schichten und erreichen schließlich die Ausgabeschicht. Jede Schicht baut auf den Ergebnissen der vorherigen auf. Dieser schrittweise Ablauf der Berechnungen im Netzwerk nennt sich Vorwärtsausbreitung (Forward Propagation). Jeder Knoten verarbeitet die Daten mithilfe eines Algorithmus, wobei die Eingabewerte mit Gewichten multipliziert werden. Diese legen fest, wie stark ein Eingabewert das Ergebnis beeinflusst. Am Ende entsteht eine erste Vorhersage.

2. Rückwärtsausbreitung (Backpropagation)

Nachdem das Modell eine Vorhersage getroffen hat, wird diese mit der tatsächlichen Antwort verglichen. Der dabei berechnete Fehler – die Differenz zwischen der Vorhersage und der tatsächlichen Antwort – wird analysiert.

Anschließend wird dieser Fehler durch das neuronale Netz zurückgeführt, ein Prozess, der als Rückwärtsausbreitung (Backpropagation) bezeichnet wird. Mithilfe eines mathematischen Verfahrens wie des Gradientenabstiegs werden die Gewichte im Netzwerk so angepasst, dass der Fehler minimiert wird. Ziel ist es, die Genauigkeit zukünftiger Vorhersagen zu verbessern.

3. Das Training von neuronalen Netzen – Lernen durch Beispiele

Das Training von Deep Learning-Modellen erfolgt durch wiederholte Anwendung von Vorwärts- und Rückwärtsausbreitung. Dabei nutzt das Netzwerk Trainingsdaten mit bekannten Ergebnissen, um Muster zu erkennen und seine Vorhersagen zu optimieren.

Ein häufiger Stolperstein ist Overfitting, bei dem das Modell zu stark auf die Trainingsdaten zugeschnitten ist und schlecht mit neuen, unbekannten Daten umgeht. Regelmäßige Validierung mit unabhängigen Daten hilft, dieses Problem zu vermeiden.


Deep Learning Anwendungsbereiche

Deep Learning hat sich als Schlüsseltechnologie etabliert und spielt eine zentrale Rolle in der Datenanalyse und Automatisierung von Prozessen. In vielen Branchen werden Deep Learning-Algorithmen eingesetzt, um große Datenmengen effizient zu verarbeiten, Muster zu erkennen und präzise Vorhersagen zu treffen. Hier sind einige wichtige Anwendungsgebiete von Deep Learning im Business-Umfeld:

Deep Learning im Marketing: Personalisierung und Kundenbindung

Deep Learning revolutioniert das digitale Marketing, indem es eine personalisierte Ansprache ermöglicht. Durch die Analyse von Kundendaten und Verhaltensmustern kann es Kaufverhalten vorhersagen und gezielte Marketingkampagnen entwickeln. Besonders vorteilhaft ist dies für die Kundensegmentierung und Brand Management, um die Kundenbindung zu steigern.

Deep Learning in FinTech: Betrugserkennung und Robo-Advisor

Im FinTech-Bereich wird Deep Learning eingesetzt, um betrügerische Transaktionen frühzeitig zu erkennen und Robo-Advisor zu betreiben, die Kunden bei Finanzentscheidungen unterstützen. Diese Technologien bieten eine wichtige Betrugsprävention und helfen bei der automatisierten Finanzberatung.

Medizinische Anwendungen von Deep Learning: Krankheitsdiagnose und Therapieplanung

In der Medizin nutzt man Deep Learning, um medizinische Bilder wie Röntgen- oder CT-Aufnahmen zu analysieren und Krankheitsmuster zu erkennen. Deep Learning unterstützt bei der Therapieplanung, der Früherkennung von chronischen Krankheiten und der Erstellung von Medikationsplänen.

Deep Learning im Personalwesen: Optimierte Bewerberauswahl

Im Personalwesen hilft Deep Learning, Bewerbungen und andere Datenquellen zu analysieren, um präzise Vorhersagen zur Leistungsfähigkeit und Eignung von Kandidaten zu treffen. Dies ermöglicht eine effizientere Personalrekrutierung und Talentmanagemen

Autonome Fahrzeuge: Effizientere Mobilität mit Deep Learning

Selbstfahrende Autos nutzen Deep Learning, um die Umgebung zu erkennen, Verkehrsschilder und Fußgänger automatisch zu identifizieren und so die Sicherheit und Effizienz auf den Straßen zu erhöhen. Diese Technologien machen den Verkehr sicherer und effizienter.

Weitere Deep Learning Beispiele

Neben den oben genannten Branchen gibt es zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten von Deep Learning, die in verschiedenen Sektoren für Effizienzsteigerungen und Innovation sorgen. Hier einige weitere Deep Learning Beispiele:

  • Bildklassifizierung: Deep Learning wird zur Bildanalyse eingesetzt, etwa zur Qualitätskontrolle in der Produktion.
  • Spracherkennung: Deep Learning hilft bei der Automatisierung von Anrufen in Callcentern und Transkription von Gesprächen in Echtzeit.
  • Natural Language Processing (NLP): Durch die Verarbeitung von Texten in E-Mails und Social Media bietet Deep Learning wertvolle Insights für Business Intelligence und Stimmungsanalysen.
  • Empfehlungssysteme: Streaming-Dienste wie Netflix oder Spotify nutzen Deep Learning, um personalisierte Empfehlungen zu erstellen und das Nutzererlebnis zu verbessern.

Deep Learning Techniken

Im Bereich des Deep Learning gibt es mehrere Techniken, die auf verschiedenen Arten von neuronalen Netzwerken basieren. Einige der wichtigsten Deep Learning Techniken sind:

Convolutional Neural Networks (CNNs)

Diese Netzwerke sind die Grundlage für viele Anwendungen in der Computer Vision und Bildverarbeitung, wie Objekterkennung, Bilderkennung und Gesichtserkennung. Sie sind besonders wichtig in Bereichen wie der medizinischen Bildanalyse, der autonomen Fahrzeugtechnik und der Überwachung.

Recurrent Neural Networks (RNNs)

RNNs sind besonders gut geeignet für sequenzielle Daten und werden häufig in der natürlichen Sprachverarbeitung (NLP) und Spracherkennung eingesetzt. Sie sind auch wichtig für Anwendungen wie Sprachübersetzung, Zeitreihenanalyse und Vorhersage von Trends.

Generative Adversarial Networks (GANs)

GANs bestehen aus zwei Netzwerken – einem Generator und einem Diskriminator, die gegeneinander arbeiten, um neue Daten zu erzeugen, die den Trainingsdaten ähneln. Sie werden häufig für die Generierung von Bildern verwendet, die realistisch aussehen, wie z. B. computergenerierte Gesichter oder Landschaften, die keine echten Fotos sind.

Transformer-Modelle

Diese Modelle haben die Verarbeitung von natürlicher Sprache revolutioniert. Sie kombinieren Encoder-Decoder-Architekturen und den Selbstaufmerksamkeitsmechanismus, was sie extrem leistungsfähig für Aufgaben wie Textübersetzung, Textgenerierung und Fragenbeantwortung macht. Modelle wie GPT und BERT basieren auf Transformer-Technologie.


Was sind die Herausforderungen von Deep Learning?

Deep Learning bietet zwar vielversprechende Möglichkeiten, stellt jedoch auch eine Reihe von Herausforderungen dar, die sowohl technischer als auch ethischer Natur sind.

Black Box Problem und Interpretierbarkeit: Deep-Learning-Modelle sind oft schwer verständlich, da ihre Funktionsweise in vielen Fällen nicht transparent ist. Dies erschwert die Interpretation der Ergebnisse und die Erklärung, warum das Modell bestimmte Entscheidungen trifft.

Datenanforderungen: Deep-Learning-Algorithmen benötigen große Mengen an hochwertigen, gut bereinigten und vorverarbeiteten Daten. Fehler oder Ausreißer im Datensatz können die Ergebnisse verfälschen. Zudem erfordert die Datenvorbereitung eine erhebliche Speicherkapazität.

Rechenleistung: Die Implementierung von Deep Learning erfordert enorme Rechenressourcen. Ohne eine entsprechende Infrastruktur kann die Verarbeitung der Daten langwierig und ineffizient sein.

Missbrauchspotenzial: Deep-Learning-Technologien können für die Erstellung gefälschter Inhalte, wie etwa manipulierte Videos oder Tonaufnahmen, missbraucht werden. Dies kann zu Problemen bei der Verbreitung von Desinformation führen.


Deep Learning — Interessante Fakten

  1. Deep Learning erfordert eine große Menge an Trainingsdaten, um präzise Vorhersagen zu treffen. Die notwendige Datenmenge hängt dabei stark von der spezifischen Anwendung ab. Aufgrund der Komplexität von neuronalen Netzen sind jedoch deutlich mehr Datenpunkte erforderlich als bei einfacheren Modellen.

     

  2. Je größer die Datenbasis, desto wahrscheinlicher ist es, zuverlässige und genaue Ergebnisse zu erhalten. Fehlen ausreichend qualitative Daten, können fehlerhafte Daten zu ungenauen Prognosen führen. Deshalb ist der Aufwand für die Vorverarbeitung und Bereitstellung der Trainingsdaten oft genauso hoch oder sogar höher als das eigentliche Training des Modells.

     

  3. Wie viele Daten benötigt Deep Learning? Ein Beispiel: Das Modell „GPT-3“ von OpenAI wurde mit einer Datenmenge von etwa 45 Terabyte trainiert. Dies entspricht ungefähr 25 Milliarden Kurzaufsätzen in Word-Dateiformat – eine gewaltige Datenmenge.

     

  4. Deep Learning hat bereits bedeutende Fortschritte in verschiedenen Bereichen erzielt. Ein Beispiel ist die automatische Spracherkennung, die dank Deep Learning eine Genauigkeit von über 95 % erreicht hat.

Deep Learning Fazit

Deep Learning hat sich als Schlüsseltechnologie für viele Anwendungen der Künstlichen Intelligenz etabliert, sowohl im beruflichen als auch im alltäglichen Leben. Besonders dort, wo traditionelle manuelle Regeln und Vorgehensweisen an ihre Grenzen stoßen, bietet Deep Learning enorme Potenziale. Es ermöglicht Maschinen, eigenständig Muster zu erkennen und Entscheidungen zu treffen – sei es in der Bild- und Spracherkennung, in der personalisierten Werbung oder in der medizinischen Diagnostik. Trotz seiner heutigen Erfolge sind die Grundlagen des Deep Learning schon Jahrzehnten alt, beginnend mit ersten Experimenten in den 50er und 60er Jahren. Doch erst durch die fortschreitende Rechenleistung und die Verfügbarkeit großer Datenmengen wurde Deep Learning praktikabel und konnte seinen wahren Nutzen entfalten. Diese Entwicklungen zeigen, wie bedeutend diese Technologie für die Zukunft der Künstlichen Intelligenz und deren Anwendungen sein wird.


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