Was sind Digital Natives?
Definition Digital Natives
Der Begriff „Digital Natives“ (auf Deutsch: „digitale Eingeborene“) bezeichnet Personen, die in einer digitalen Welt aufgewachsen sind und daher von klein auf mit digitalen Technologien vertraut sind. Der Begriff wurde 2001 von Marc Prensky geprägt und unterscheidet Digital Natives von „Digital Immigrants“ – Menschen, die erst im 4 Erwachsenenalter mit digitalen Technologien in Berührung kamen und sich diese aktiv aneignen mussten.
Digital Natives: Ab welchem Jahrgang?
Häufig werden Personen, die zwischen 1981 und 2010 geboren wurden, als Digital Natives betrachtet, da sie in einer zunehmend digitalen Gesellschaft aufgewachsen sind. Zur Digital Natives Generation gehören demnach hauptsächlich die Generation Y und Generation Z:
● Generation Y (Millennials): Geboren zwischen 1981 und 1995, sind die Millennials die erste Generation, die den Übergang ins digitale Zeitalter aktiv begleitet hat. Sie sind mit dem Internet, sozialen Medien und Mobiltechnologien aufgewachsen und haben deren Entwicklung von Anfang an miterlebt.
● Generation Z: Die zwischen 1995 und 2010 geborene Generation Z ist mit Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen und nutzt diese alltäglich. Diese Generation ist tief in der digitalen Welt verwurzelt und kennt keine Welt ohne das Internet und mobile Geräte.
Der Begriff „Digital Native“ beschreibt jedoch weniger ein spezifisches Geburtsjahr als vielmehr eine ganze Lebensweise – die Gewohnheit, digitale Technologien intuitiv zu nutzen und sich selbstverständlich in digitalen Umgebungen zu bewegen.
Erklärvideo Digital Natives
In diesem Video erklärt Psychologin und Change-Expertin Julia Punk, welche Generationen als Digital Natives gelten und wie diese Begrifflichkeiten entstanden sind – von den Babyboomern bis zur Generation Z. Dabei beleuchtet sie nicht nur die Herkunft der Namen, sondern vor allem auch die Herausforderungen und Problematiken, mit denen diese Generationen konfrontiert sind. Ein spannender Einblick in das Leben einer Generation, die mit dem Internet großgeworden ist – und jetzt lernen muss, damit umzugehen.
Factsheet Digital Natives zum Download
Über die Expertin Julia Punk
Julia Elena Punk leitet die Personalentwicklung der Katholischen Jugendfürsorge in Regensburg mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement und verantwortet die Führungskräfteentwicklung. In Ihrer Freiberuflichkeit begleitet sie Unternehmen bei Transformationsprozessen und Herausforderungen wie Mitarbeiterbindung- & Führung. Sie hält Vorträge und Workshops auf Tagungen und Messen, an Hochschulen und Akademien. Darüber hinaus ist sie Systemische Coach und Beraterin, Systemische Paar- & Familientherapeutin, Sexualtherapeutin, Personal- & Organisationsentwicklerin, kurz gesagt Psychologin aus Überzeugung und mit Leidenschaft.
Das Gegenteil von Digital Natives: Digital Immigrants und Digital Outsiders
Während Digital Natives von klein auf mit digitalen Medien und dem Internet vertraut
sind, gibt es zwei Gruppen, die als ihr Gegenteil betrachtet werden können:
Digital Immigrants
Diese Gruppe umfasst Personen, die erst im Erwachsenenalter mit digitalen
Technologien in Kontakt kamen. Sie mussten den Umgang mit Computern,
Smartphones und dem Internet aktiv erlernen und haben oft eine andere
Herangehensweise an digitale Medien als Digital Natives. Häufig bevorzugen sie analoge
Kommunikationswege oder setzen Technik bewusster ein.
Digital Outsiders
Hierunter fallen Menschen, die kaum oder gar nicht mit digitalen Technologien vertraut
sind – sei es aus Altersgründen oder aufgrund eines bewussten Verzichts auf digitale
Medien. Diese Gruppe nutzt das Internet und digitale Geräte nur selten oder gar nicht
und bleibt dadurch teilweise von der digitalen Gesellschaft ausgeschlossen.
Die Unterschiede zwischen diesen Gruppen beeinflussen die Art und Weise, wie sie mit
Technologie umgehen, kommunizieren und Informationen verarbeiten. Während Digital
Natives digitale Tools intuitiv nutzen, müssen Digital Immigrants sich diese oft bewusst
aneignen. Digital Outsiders wiederum stehen vor besonderen Herausforderungen in
einer zunehmend digitalen Welt.
Digital Natives im Alltag
Für Digital Natives sind digitale Technologien ein fester Bestandteil des täglichen
Lebens. Sie nutzen Smartphones, Tablets und Laptops für Kommunikation,
Unterhaltung und Produktivität. Instant Messaging, soziale Netzwerke und
Videoplattformen sind essenziell für ihre soziale Interaktion. Zudem prägen digitale
Tools ihre Arbeitsweise, sei es durch Cloud-Dienste, digitale Kollaborationsplattformen
oder mobile Apps.
Die Nutzung von digitalen Medien ist in ihrer Kommunikation und Interaktion nicht nur
eine Notwendigkeit, sondern auch eine Erwartung. Sie sind es gewohnt, jederzeit und
überall online zu sein, Informationen in Echtzeit zu erhalten und ihre sozialen
Netzwerke ständig zu pflegen.
Typische Merkmale von Digital Natives
Digital Natives haben einige charakteristische Merkmale, die sie von früheren
Generationen unterscheiden:
1. Tägliche Nutzung digitaler Medien: Sie sind ständig online und nutzen digitale
Technologien sowohl beruflich als auch privat.
2. Multitasking: Digital Natives sind es gewohnt, mehrere digitale Aufgaben
gleichzeitig zu erledigen.
3. Visuelle und interaktive Kommunikation: Sie bevorzugen visuelle Inhalte und
interaktive Formate wie Videos, Infografiken und Social-Media-Posts.
4. Individualismus und Flexibilität: Diese Generation strebt nach
Selbstbestimmung und Flexibilität in der Arbeitswelt und bevorzugt eine
Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
5. Hohe Erwartungen an Technologie: Sie setzen voraus, dass digitale Produkte
und Dienstleistungen intuitiv bedienbar, schnell und effizient sind.
Herausforderungen für Digital Natives
Trotz ihrer Expertise im Umgang mit digitalen Medien und Geräten sind Digital Natives
nicht frei von Herausforderungen. Oft wird ihnen unbewusst unterstellt, dass sie
digitale Medien „im Schlaf“ beherrschen und in der Nutzung von Technologie keine
Schwierigkeiten haben. Diese Annahme übersieht, dass es auch für Digital Natives
notwendig ist, sich kontinuierlich weiterzubilden und in der digitalen Welt auf dem
neuesten Stand zu bleiben.
Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im
Internet (DIVSI) zeigt, dass Jugendliche zwar in einer digitalen Welt aufwachsen und
nahezu rund um die Uhr online sind, sich jedoch den Herausforderungen der digitalen
Zukunft nicht gewachsen fühlen. Alle Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren nutzen
das Internet täglich, doch viele sehen auch die Risiken, wie Identitätsdiebstahl, Mobbing
oder Falschinformationen. Obwohl sie das Internet in ihrem Alltag als eine Quelle der
Erleichterung erleben, bereitet ihnen der Gedanke, dass es in vielen Bereichen keine
Alternative mehr dazu gibt, Sorgen.
Die Studie zeigt außerdem, dass die Schule den Jugendlichen nicht ausreichend digitale
Kompetenzen vermittelt. 69 % der Befragten fühlen sich nicht gut auf die digitale
Zukunft vorbereitet. Das Wissen über das Internet beziehen sie hauptsächlich aus
persönlichen Erfahrungen oder dem Austausch mit Freunden, während Lehrer kaum
eine wichtige Quelle darstellen.
Ein bedeutendes Problem ist der übermäßige Konsum von digitalen Medien. Digital
Natives neigen dazu, digitale Medien nicht nur passiv zu nutzen, sondern auch zu
überkonsumieren. Dies kann zu negativen Auswirkungen wie ständiger Erreichbarkeit,
Überlastung oder der Entwicklung von psychischen Belastungen wie Angstzuständen
oder dem sogenannten „Fear of Missing Out“ (FOMO) führen. FOMO ist das Gefühl,
wichtige Informationen, Ereignisse oder soziale Interaktionen zu verpassen, was zu
einem kontinuierlichen Bedürfnis nach Vernetzung führt.
Diese Herausforderung macht deutlich, dass Digital Natives nicht nur mit digitalen
Geräten vertraut sind, sondern auch eine verantwortungsvolle und reflektierte Nutzung
dieser Technologien erlernen müssen. Eine Maßnahme, die zunehmend an Bedeutung
gewinnt, ist der Digital Detox. Dabei geht es darum, sich bewusst von digitalen Medien
zu distanzieren und eine gesunde Balance zwischen der digitalen und der analogen Welt
zu finden.
Digital Natives und die digitale Zukunft
Digital Natives haben die digitale Welt nicht nur von klein auf erlebt, sondern gestalten
sie aktiv mit. Ihr intuitiver Umgang mit digitalen Technologien ermöglicht es ihnen,
Innovationen voranzutreiben und neue Trends schneller zu erkennen und zu
adaptieren als vorherige Generationen.
In der Arbeitswelt haben sie einen Vorteil: Digitale Kompetenzen sind gefragter denn je,
sei es in IT-Berufen, im Online-Marketing oder in der KI-Entwicklung. Zudem eröffnen
digitale Geschäftsmodelle und Start-ups neue Chancen für das Unternehmertum.
Allerdings erfordert die rasante technologische Entwicklung auch lebenslanges Lernen.
Digitale Bildung muss daher stärker gefördert werden, um Digital Natives nicht nur zu
Konsumenten, sondern auch zu verantwortungsvollen Gestaltern der digitalen
Gesellschaft zu machen. Nur so können sie die Chancen der Digitalisierung optimal
nutzen und gleichzeitig die Herausforderungen meistern.
Quellen:
de.ryte.com/wiki/Digital_Native/
www.papershift.com/lexikon/digital-natives
www.bildung.digital/artikel/das-maerchen-vom-digital-native
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